Vernetzung von Erfahrungen aus Kraftwerksbau

Durch die Umsetzung vieler Innovationen ist die Vorarlberger Illwerke AG nach dem Bau des Pumpspeicherkraftwerks Kops II im Bereich Know-how weltweit führend. In dieser Situation hat das Unternehmen Innsbrucker Philosophen damit beauftragt, die Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sammeln und zu systematisieren.
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Bild: Philosophen haben Erfahrungswissen aus dem Kraftwerksbau gesammelt. (Foto: Illwerke AG)

Wertvolles Erfahrungswissen der beteiligten Teammitglieder aus dem Bau des Pumpspeicherkraftwerks Kops II in Vorarlberg haben die Philosophen um Prof. Josef Zelger so vernetzt, dass es vom Unternehmen besser genutzt werden kann. „Dabei ging es nicht primär um die Darstellung von Einzelaussagen, sondern um allgemeine Muster, die durch unterschiedliche Einzelerfahrungen belegt werden können und um Zusammenhänge zwischen den Erfahrungsmustern“, erklärt Josef Zelger. „Das Projekt sollte damit auch zu Empfehlungen für das Projektmanagement bei zukünftigen Bauprojekten führen. Dadurch soll es möglich werden, in Zukunft Kosten einzusparen, Fehler zu vermeiden und die Unternehmensleistungen qualitativ zu optimieren.“

Empfehlungen ausgearbeitet

Um die beim Bau des Kopswerkes II gewonnenen Erfahrungen zu erfassen, zu bewerten und für künftige Projekte nutzbar zu machen, hat DI Christian Wörle vorgeschlagen, das Verfahren GABEK (Ganzheitliche Bewältigung von Komplexität) anzuwenden. GABEK wurde am Institut für Philosophie der Universität Innsbruck von Prof. Josef Zelger entwickelt. Als Datenbasis dienten 58 einstündige, offene Interviews mit am Kopswerk II maßgeblich beteiligten Personen. Es waren Vertreter der Rechts- und Finanzabteilung, Planer, Verantwortliche der Bau- und Montageaufsicht, der Vorstand, vier externe Ausführende und ein Behördenvertreter. Die verbalen Daten haben Josef Zelger und Sebastian Fink dann mithilfe einer speziellen Software ausgewertet. Dabei wurden die Texte nach Schlüsselbegriffen vernetzt, Werturteile und Kausalmeinungen kodiert. Netzwerkgraphen mit Angabe der Bewertungen dienten einer Arbeitsgruppe in zwei Feedbackworkshops zur Auswahl von Schwerpunkten. In weiterer Folge wurden die Schwerpunktthemen durch systematisch ausgewertete Textgruppen aus den Interviews erklärt und nach Maßnahmen und Auswirkungen untersucht. In zwei Umsetzungsworkshops hat die Illwerke-Arbeitsgruppe daraus Maßnahmen zur Realisierung von Schwerpunkten, die möglichst erfolgversprechend sind, ausgewählt. Um Reibungsverluste und Interferenzen zwischen Folgen und Nebenwirkungen verschiedener Maßnahmen zu vermeiden, wurden diese mittels Clusteranalyse in 20 Gruppen eingeteilt. Eine Arbeitsgruppe hat diese diskutiert und Maßnahmen für zukünftige Großprojekte festgeschrieben.

Orientierung in der Meinungslandschaft

Eine spezielle Analyse der Interviewtexte im Hinblick auf vertretene ethische Grundwerte führte schließlich zur Beantwortung der Frage, was für die Vorarlberger Illwerke als „intrinsisch gut“ betrachtet wird. „Dabei geht es nicht mehr darum zu erkunden, was nützlich ist, sondern darum, was von Mitarbeitern in einem idealen Sinn als ‚an sich gut’ aufgefasst wird, was den Zusammenhalt innerhalb der Illwerke ausmacht und ein gutes Zusammenarbeiten im Unternehmen fördert“, erläutert Josef Zelger. Anhand von GABEK-Netzen, die wie Landkarten zur Orientierung in der Meinungslandschaft dienen, hat eine Arbeitsgruppe der Illwerke Schwerpunkte ausgewählt, für die Ziele und Handlungsoptionen bestimmt werden konnten. „Auf der Grundlage unterschiedlicher Erfahrungen von Illwerke-Mitarbeitern sowohl im strategischen als auch im operativen Bereich konnten so Empfehlungen für das Projektmanagement bei zukünftigen Bauprojekten“, sagt Zelger. „Erste Ergebnisse wurden bereits umgesetzt.“