Wie viele „Italien“ gibt es?

Just im Jahr des 150. Jubiläums der Einheit Italiens bringt das Italien-Zentrum in Kooperation mit den Instituten für Romanistik und für Translationswissenschaft ein Buch heraus, das Italien in den Plural setzt. „Italia e ‚Italie’“ heißt der Sammelband, der aus einer Ringvorlesung hervorgegangen ist und der am 20. Juni im Barock-Keller der Innsbrucker Hofburg präsentiert wurde.
Gabriella Mazzon
Bild: Prof. Gabriella Mazzon ist neue Professorin am Institut für Anglistik (Foto: Eva Lavric)

Herausgegeben wurde die Sammlung von Saverio Carpentieri (Institut für Translationswissenschaft), Angelo Pagliardini (Institut für Romanistik), Barbara Tasser (Italien-Zentrum) und Lew Zybatow (Institut für Translationswissenschaft); präsentiert wurde sie von Prof. Gabriella Mazzon, der neuen Professorin am Institut für Anglistik, die mit viel Charme und interdisziplinärem Humor die Inhalte des Buches mit ihrer gelebten Erfahrung als Süd-Italienerin in Bezug setzte. An Ansatzpunkten fehlte es dabei nicht: von Sinn und Unsinn des beliebten Reality TV, über Einheit beschwörende versus in Frage stellende Schlager, bis hin zum Individualverkehr als Ausdruck des Individualismus schilderte sie die liebenswürdigen und absurden Seiten italienischer Lebensart. Das Publikum staunte, als sie zu berichten wusste, dass in verschiedenen Regionen Italiens bis ins 19. Jahrhundert tatsächlich mehrere Zeitzonen koexistiert hatten, dass also die Uhrzeit in Mailand, Venedig und Florenz jeweils um etwa eine Viertelstunde divergierte (vielleicht mit ein Grund für die Unzuverlässigkeit der italienischen Eisenbahn?).

Außer dem anglistischen Ehrengast präsentierten das Buch an diesem Abend vor allem seine Herausgeber: Dr. Barbara Tasser als Moderatorin des Abends, Prof. Lew Zybatow als Reihen-Herausgeber (bei Peter Lang), aber auch als Translatologe, der voll des Lobes die Meriten der italienischen Dolmetsch-Wissenschaft lobte. Dr. Angelo Pagliardini erzählte von der Arbeit des Herausgebens, der ausgezeichneten Kooperation der verschiedenen Partner und der gestalterischen Aufgabe, die es bedeutete, aus den sehr vielfältigen Beiträgen – von Literatur und Sprache über Geschichte, Soziologie und Geographie bis hin zur Kulinarik und zur Perspektive der Migration – einen inhaltlichen Bogen zu formen. Und Mag. Saverio Carpentieri erinnerte sich an die Ringvorlesung und an deren Organisation, die dem Komitee so manche Überraschung bereitete: „Ein berühmter Schriftsteller, den wir angefragt hatten, antwortete uns zwar negativ, aber mit einem wunderschönen handschriftlichen Brief, in dem er in geistreichem und elegantem Stil erklärte, warum er nicht kommen könne.“ – Eine Kostbarkeit, die das Italien-Zentrum seither in seinem goldenen Buch aufbewahrt.

Carpentieri, Saverio / Pagliardini, Angelo / Tasser, Barbara / Zybatow, Lew (Hrsg.): Italia e ‚Italie’. Identità di un paese al plurale (Forum Translationswissenschaft 13). Frankfurt/M. e.a.: Peter Lang 2010

(Eva Lavric)

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