Dagmar Graber mit Sosnovsky-Preis ausgezeichnet

Die Chemikerin Dr. Dagmar Graber erhielt für ihre Dissertation den mit 2000 Euro dotierten Georg und Christine Sosnovsky-Preis an der Universität Innsbruck. Ziel ihrer Arbeit war es, durch chemisch veränderte Ribonukleinsäuren einen Einblick in komplexe biologische Vorgänge zu erlangen.
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Bild: Prof. Ronald Micura, Prof. Tilmann Märk und Prof. Joachim Schantl (v.l.) mit der Preisträgerin Dr. Dagmar Graber.

Bereits zum 12. Mal wurde am 20. Juni der Georg und Christine Sosnovsky-Preis für vielversprechende NachwuchsforscherInnen verliehen. Prof. Tilmann Märk, geschäftsführender Rektor und Vizerektor für Forschung, überreichte im Beisein von Prof. Joachim Schantl, Preiskoordinator, die Auszeichnung an Dr. Dagmar Graber. Nach der feierlichen Übergabe des Preises stellte die heurige Preisträgerin ihre ausgezeichnete Arbeit mit dem Titel „Enzymatische Synthese von tRNA-Peptid Konjugaten und Spektroskopische Untersuchungen von fluormodifizierter RNA“, die am Institut für Organische Chemie in der Arbeitsgruppe von Prof. Ronald Micura durchgeführt wurde, vor.

Aufklärung der Proteinsynthese

Bei der Biosynthese von Proteinen wird die genetische Information der DNA in Boten-RNA (mRNA) umgeschrieben und anschließend in der Proteinfabrik der Zelle - dem Ribosom - in eine Abfolge aus Aminosäuren übersetzt. Dabei übernehmen Transfer-RNAs (tRNAs) die zentrale Aufgabe den Nukleinsäurecode zu entschlüsseln und die korrekten Aminosäuren anzuliefern. Seit vielen Jahren bemühen sich zahlreiche Forschungsgruppen den Prozess der Proteinsynthese aufzuklären. Um einen definierten Zustand untersuchen zu können, werden Substrate benötigt, die unter den experimentellen Bedingungen eine ausreichende Stabilität aufweisen. Aus diesem Grund sind chemisch modifizierte Transfer-RNA Substrate von großem Interesse, bei denen eine kurze Aminosäuresequenz (Peptidkette) über eine stabile Bindung an der tRNA fixiert ist. Die Chemikerin Dagmar Graber entwickelte im Rahmen ihrer Dissertation eine Methode, um zu stabilen tRNA-Peptid Konjugaten zu gelangen. Im Zuge eines grundlegend neuen tRNA Semisynthesekonzepts manipulierte die Wissenschaftlerin natürliche tRNAs mit Hilfe von enzymatischen Methoden so, dass ein Teil der natürlichen tRNA durch einen kurzen, chemisch synthetisierten Nukleinsäurestrang ersetzt werden konnte. Stabile tRNA-Peptid Substrate ermöglichen beispielsweise eine Untersuchung der Antibiotikaresistenz in Bakterien.

Preis für Chemiker-Nachwuchs

Die Stifter des Preises, Dr. Christine und Professor Dr. Georg Sosnovsky, haben in den ersten Nachkriegsjahren an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Chemie studiert. Ihre berufliche Laufbahn führte Georg und Christine Sosnovsky zunächst nach Australien und später in die USA, wo sie einen Großteil ihres Berufslebens verbrachten. Anlässlich ihres Goldenen Doktorjubiläums im Jahr 1998 kamen beide nach 50 Jahren wieder nach Innsbruck und stifteten den nach ihnen benannten Preis. Dieser zeichnet eine hervorragende Dissertation aus dem Fach Chemie an der Universität Innsbruck aus. Prof. Georg Sosnovsky ist Ehrenbürger der Universität.

Zur Person

Dagmar Graber, geboren 1980 in Bruneck, studierte von 1999 bis 2006 Chemie an der Universität Innsbruck. Nach Abschluss des Diplomstudiums begann sie ihr Doktoratsstudium in der Arbeitsgruppe von Prof. Ronald Micura am Institut für Organische Chemie, das sie 2010 mit Auszeichnung abschloss. Graber ist wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoktorandin) am Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck.

(Melanie Bartos)