Kunst und Politik im Spannungsfeld

Farida Heuck beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit der Darstellung von Ursachen und Formen von Migration und Grenzüberschreitung. Eine Auswahl präsentierte sie am 31. Mai 2011 unter dem Thema „Virtuelle Grenzregelungen“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck und diskutierte diese mit einem interessierten Publikum
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Bild: Farida Heuck: Global Immigration Service Berlin, Kottbusser Tor, Berlin, 2008

Verschiedene kritische Kunstprojekte in öffentlichen Räumen mit politischem Anspruch und Bezug auf politische Bildung wurden im Verlauf eines Vortrags von Farida Heuck am Institut für Erziehungswissenschaft vorgestellt. Dabei versteht die Künstlerin ihre multimedialen, orts- und kontextspezifischen Installationen als Plattform, um die Bedingungen von Migration zu entlarven. In ihren Kunstprojekten weist die Künstlerin auf die Situation von Migrantinnen und Migranten und die bestehende Gesetzeslage hin. Sie schafft Utopien, um damit auf reale Zusammenhänge zu verweisen.

Der auf dem Bild dargestellte Global Immigration Service ist ein Projekt, um zu den Veränderungen in der deutschen Einwanderungskontrolle Stellung zu nehmen und die Sortierung von Migrantinnen und Migranten entlang wirtschaftlicher und bevölkerungspolitischer Interessen zu befragen. Sie bezieht sich auf den seit 2007 eingerichteten Business Immigration Service (BIS) der Industrie- und Handelskammer in Berlin, der die Einwanderung ausländischer Unternehmerinnen und Unternehmer und Spezialistinnen und Spezialisten erleichtern soll. Die Skulptur oszilliert zwischen der Utopie einer kundenfreundlichen Dienstleistung, die für die Erleichterung der restriktiven Einwanderungsbürokratie zuständig ist, und einem Grenzwachturm, der Migration kontrolliert. Die Utopie des Aufsichtshäuschens auf Stelzen, die eine Beratungsstelle für alle suggeriert, bleibt unerreichbar. Der Blick der Betrachtenden führt in den Raum, der die Realität offenbart und die vom Mainstream akzeptierte rassistische Sortierung von Einwanderinnen und Einwanderern in als „nützlich“ und als „nicht nützlich“ verstandene Kategorien verdeutlicht. Die Reflexion über den Umgang mit Migration soll dadurch befördert werden.

Die Künstlerin eröffnete am 9. Juni 2011 die Ausstellung „WEITERKOMMEN. KUNST SPRACHE KINO MIGRATION“ zusammen mit Rainer Bellenbaum, Achim Lengerer und Susanne M. Winterling im Kunstpavillon in Innsbruck, die dort noch bis bis 23. Juli 2011 zu sehen ist.

(Andrea Umhauer)

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