Sprachen in Afrika – Vielfalt, Identität und koloniales Erbe

Dass in Afrika fast alle Menschen im Alltag zwischen mehreren Sprachen wechseln und welche wichtige Rolle dabei die kolonial ererbten Sprachen wie Französisch und Englisch spielen – das erörterten Prof. Eva Lavric vom Institut für Romanistik und Dr. Bella Bello Bitugu vom Institut für Sprachwissenschaft.
Dr. Bella Bello Bitugu
Bild: Dr. Bella Bello Bitugu sprach über die außergewöhnliche Sprachenvielfalt in Afrika. (Foto: Eva Lavric)

Die Vielfalt der Sprachen Afrikas stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die kürzlich im Integrationshaus Innsbruck stattfand und vom isi (Internationales Sprachenzentrum der Universität Innsbruck) in Kooperation mit dem Frankreich-Schwerpunkt organisiert worden war. Dr. Bella Bello Bitugu, der aus Ghana stammt, spricht selbst seit der Kindheit seine Muttersprache Haussa, die Landessprache Ewe und zwei weitere afrikanische Verkehrssprachen, dazu Englisch – die Sprache seiner Schulbildung –, weiters Arabisch als religiöse Sprache des Islam, und schließlich ausreichend Französisch, um sich mit den togolesischen Nachbarn zu verständigen. Als er allerdings einen Studienort wählen sollte, entschied er sich für Österreich – wegen Arnold Schwarzenegger und Mozart, und vor allem, „weil ich eine neue Sprache dazulernen wollte“.

Er bestätigte damit die Aussagen von Prof. Eva Lavric über die außergewöhnliche Sprachenvielfalt in Afrika und die facettenreichen Spielarten der Mehrsprachigkeit auf diesem Kontinent. Ausgehend vom Thema des Französischen in Afrika zeigte Prof. Lavric, wie die Sprache der einstigen Kolonialmacht Frankreich, die in 21 Ländern präsent ist (meist als offizielle oder kooffizielle Sprache, außer im Maghreb), in jedem Land eine ganz spezifische Position in der lokalen Sprachen-Konstellation einnimmt: von Ländern wie Burundi oder Senegal, wo eine oder einige wenige afrikanische Verkehrssprachen die Bevölkerung verbinden und das Französische daher nur wenige Bereiche – Schriftlichkeit und Hochoffizielles – besetzt, bis zu Ländern wie Kamerun oder Côte d’Ivoire, wo Französisch in sämtliche Lebensbereiche eindringt, verschiedene informelle Varietäten ausgebildet hat und die nationale Identität stark mitbegründet – ganz einfach deshalb, weil es der einzige gemeinsame Nenner in einer Sprachensituation ist, die sich in –zig, ja sogar in hunderte einzelne Regionalsprachen aufsplittert.

Wie sehr diese heutigen Situationen und Nationen wie auch deren jeweilige Sprachenpolitik vom kolonialen Erbe bestimmt sind, das zeigte Dr. Bella Bello Bitugu bei seinem Streifzug durch die (sprach-)politische Landschaft Afrikas in der Zeit vor, während und nach der Kolonisierung. Neben den europäischen Sprachen sollten in Schule und Ausbildung auch die afrikanischen lokalen, regionalen und überregionalen Sprachen stärker ihren Platz haben, betonte er, „denn sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer individuellen und nationalen Identität. Sprache und Identität sind untrennbar, auch wenn es sich nicht um eine, sondern um eine Vielzahl von Sprachen handelt.“

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Länderschwerpunktes "Die Vielfalt Afrikas" des isi statt. Das Programm im Sommersemester 2011 steht ganz im Zeichen der kulturellen Vielfalt Afrikas südlich der Sahara, Informationen zu weiteren Vorträgen und Kursen finden sich auf der Homepage des Sprachenzentrums.

(Prof. Eva Lavric)

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