„Transformationen“: Dritte Klausurtagung der Forschungsplattform „Politik Religion Kunst“

Einen weiten Bogen spannten die Fragestellungen der Wissenschaftler/innen, die im Rahmen der zweitätigen Veranstaltung ihre Sichtweisen des Generalthemas „Transformationen“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit verschiedenen methodischen Zugängen präsentierten und zur Diskussion stellten.
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Bild: Heinrich Neisser und Dirk Rupnow am Podium. (Foto: Roman Siebenrock; PRK 2011)

Der Begriff der Transformation ist ein heterogener, aus der Sichtweise unterschiedlicher Disziplinen beleuchtet ergeben sich ganz unterschiedliche Zugänge und Interpretationen. Alles fließt: Das ist das wohl wichtigste Fazit, welches aus der Tagung der Forschungsplattform „Politik Religion Kunst. Plattform für Konflikt- und Kommunikationsforschung“ gezogen werden kann, die am 28. und 29. April an der Universität Innsbruck stattgefunden hat. Die Referent/innen haben unter Einbeziehung des Plenums versucht, sich aus der Sicht der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen dem Transformationsbegriff anzunähern und ihn mit Leben zu erfüllen.

Verschiebung von Koordinaten

Der geschäftsführende Rektor Tilmann Märk sprach in seinen Grußworten die Verschiebung von Koordinaten als charakteristisches Merkmal von Transformationen an. Das Koordinatensystem als hermeneutische Figur begleitete danach den gesamten Verlauf der Tagung, und es wurde immer wieder betont, dass Koordinatenverschiebungen nicht nur für die Natur-, sondern gerade auch für die Geistes- und Sozialwissenschaften von fundamentaler Bedeutung seien.

Nachdem Johann Holzner stellvertretend für den nunmehrigen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle ein Impulsreferat über Ovids „Metamorphosen“ und Christoph Ransmayrs Roman „Die letzte Welt“ gehalten hatte, referierte Martin Korenjak über die „Entdeckung des Paradieses“, über die „Transformation der Schweizer Alpen“ vom locus horribilis zur Ideallandschaft. Koordinatenverschiebungen finden mitunter auf sich ändernden Landkarten statt. Dies zeigten auch Kurt Scharr, der über die Transformationen Osteuropas seit 1989 berichtete, und Heinrich Neisser, der sich mit Transformationsprozessen im europäischen Integrationsverlauf beschäftigte.

Andreas Exenberger sprach über Arbeiten des Ökonomen und Wirtschaftshistorikers Douglass C. North, und schlug damit eine Brücke zur Transformation von Konzepten und Denkmodellen. Transformationen im Geschichtsbewusstsein spielten demnach im Vortrag von Dirk Rupnow eine wichtige Rolle, der sich mit der „beispielhaften Verwandlung der nazistischen ‚Judenforschung‘ in die philosemitische (Wiener) Nachkriegsjudaistik“ auseinander setzte. Transformationen im Gebrauch von Sprache und Symbolen hingegen sprachen Brigitte Mazohl, Andreas Oberhofer und Karin Schneider anhand Reinhart Kosellecks Konzept der Sattelzeit um 1800 als Epoche der Umbrüche an. Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive stellten sie ausgewählte Quellenauszüge über das „welthistorische Ereignis“ der Französischen Revolution und ihrer Auswirkungen vor.

Transformation von Stilen und Lebensräumen

Monika Fink setzte sich in einem kunstwissenschaftlichen Panel mit Aleatorischen Verfahren in der Musik auseinander und stellte die Frage, ob diese einen Umbruch des Musikdenkens markieren. Thomas Steppan sprach über Stil-Transformationen in der byzantinischen Malerei im 13. und 14. Jahrhundert, die nicht zuletzt durch die Verschiebung – Transformation – von Landesgrenzen bedingt waren.

Im abschließenden Panel kam die Theologie zu Wort. Anni Findl-Ludescher und Roman A. Siebenrock sprachen über Wandel, und stellten die Frage, was dieser zu denken gebe – in spirituell-theologischer und biographischer Hinsicht. Die Abendveranstaltung stand wie der Vortrag von Martin Korenjak im Zeichen der Alpen als sich wandelnde Landschaft, sich transformierender Lebensraum. Auf die Vorführung des vierten und letzten Teils der Miniserie „Die Piefke Saga“ (1993, Drehbuch Felix Mitterer, Regie Werner Masten) folgend diskutierten der Schriftsteller Hans Haid und der ehemalige Direktor der Tirol-Werbung Andreas Braun über Tirol-Bilder zwischen Klischee und Wirklichkeit und deren Transformationen, über den (Massen-)Tourismus des 20. und 21. Jahrhunderts und dessen sozioökonomischen Folgen.

Der interdisziplinäre Austausch spielte bei der Annäherung an den Transformationsbegriff während der gesamten Tagung eine wesentliche Rolle. Ein zusammenfassendes Fazit, eine „Synthese“ von Marie-Luisa Frick und Wilhelm Guggenberger mit abschließender Diskussion rundete die Veranstaltung ab und unterstrich dies noch einmal. Zahlreiche Fragen blieben naturgemäß offen, so etwa, ob die Wissenschaft Koordinatensysteme bereitstelle oder verschiebe, welche Wirkungen derartige Verschiebungen zur Folge haben, oder welche Maßstäbe zur Bewertung von ge- und missglückten Transformationen zur Verfügung stehen. Derartige Themen werden die Forschungsplattform weiterhin beschäftigen.

(Andreas Oberhofer)

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