In der Sixtinische Kapelle der Kristallographie

Ein Naturwunder hat Prof. Juan Manuel García-Ruiz von der Universität Granada seinen Fachkollegen am Montag in Innsbruck präsentiert. Mit einem Film über die Entdeckung von Riesenkristallen in Spanien und Amerika begeisterte der spanische Kristallograph die zahlreichen, interessierten Gäste im Hörsaal des Instituts für Pharmazie.
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Bild: Juan Manuel García Ruiz

Der renommierte Kristallograph der Universität Granada, Prof. Juan Manuel García-Ruiz, war persönlich nach Innsbruck gekommen, um den Film über Riesenkristalle dem Publikum zu präsentieren. García-Ruiz war einer der wenigen, der die im Jahr 2000 in der mexikanischen Provinz Chihuahua entdeckten Kristalle mit einer Größe von bis zu 10 Metern bisher untersuchen durfte.

Der von ihm gestaltete Film führte die Zuschauer zunächst in die Geschichte der Riesenkristalle ein. Schon die Römer beuteten Kristallminen für die Produktion von Fensterglas aus. Denn die großen, durchsichtigen Kristalle lassen sich sehr gut in dünne Blättchen spalten. Die Erfindung der Glasproduktion sorgt schließlich aber für ein jähes Ende dieses damals lukrativen Geschäftszweigs. Die bis dahin zum Beispiel in der spanischen Stadt Segobriga entdeckten großen Kristalle gerieten deshalb in Vergessenheit. Erst die moderne Wissenschaft fand neues Interesse an diesen durchsichtigen Steinen, die eine Varietät des Minerals Gips sind und im deutschsprachigen Raum auch als Marienglas bekannt sind.

Der vor allem mit dem Wachstum von Kristallen beschäftigte Juan Manuel García-Ruiz war fasziniert von großen Kristallen in Segobriga und machte sich auf die Suche nach weiteren Fundstätten. Er wurde in Pulpi in der spanischen Provinz Almeria, in Mexiko und in Chile fündig. In einer Bergbaumine im mexikanischen Naica stieß er schließlich auf eine gigantische Höhle mit Kristallen mit Längen von bis zu zehn Metern und einer Dicke von einem Meter. García-Ruiz untersuchte die Kristalle, die ein Gewicht von bis zu 25 Tonnen aufweisen. Er konnte zeigen, dass es ganz besonderer geologischer Umstände bedurfte, um diese „Wunder der Natur“ entstehen zu lassen. Seine Mission ist es nun, diese „Sixtinische Kapelle der Kristallographie“, wie er sie nennt, vor dem Untergang zu retten. Denn wenn der Bergbau in diesem Gebiet eingestellt werden sollte und der Grundwasserspiel wieder steigt, würde die Kristallhöhle für immer im Wasser versinken.

Gedreht wurde der fünfzigminütige Film „Das Geheimnis der Riesenkristalle“ von Javier Trueba, er ist auch auf DVD erhältlich. Die Filmvorführung in Innsbruck organisierte Prof. Ulrich Grießer vom Institut für Pharmazie.

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