Nicht „Aha“, sondern „Wieso“

Mathe kann auch schön sein. Das wissen zehn Tiroler Schülerinnen spätestens seit vergangenem Donnerstag. Girls’ Day war angesagt und neben unzähligen Unternehmen beteiligte sich auch das Institut für Mathematik daran, junge Mädchen für die bisweilen männerdominierte Welt der Technik und Naturwissenschaften zu begeistern.
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Bild: Am Nachmittag des Girls' Day stand Handwerkliches wie das Basteln von platonischen Körpern auf dem Programm.

„MATHE – Cool!“: Hinter diesen Worten steckt ein Projekt der Innsbrucker Uni, das sich gezielt an junge Leute wendet. Initiatoren sind Mitarbeiter des Instituts für Mathematik. Zusammen mit Studierenden holen sie Kinder und Jugendliche aus dem starren Formeldickicht heraus und zeigen ihnen die angenehmen Seiten der Mathematik. So auch am diesjährigen Girls’ Day, an dem man Tirols Schülerinnen während eines sechsstündigen Programms einen völlig neuen Einblick in diese Wissenschaft bot.

Mathe zum Anfassen

Für einen reizvollen Einstieg sorgte der Projekt- und Institutsleiter Norbert Netzer persönlich. Im neurenovierten Hörsaal der Baufakultät begrüßte er zehn junge Mädchen der 3. und 4. Unterstufe, die vor Ort zum ersten Mal Uniluft schnuppern konnten. Gleich zu Beginn wurden die vielfältigen Perspektiven für Mathematikerinnen auf dem Arbeitsmarkt schmackhaft gemacht und engagierte Studierende standen Rede und Antwort, als das Studium der Mathematik vorgestellt wurde.

Bevor es zum kostenfreien Mittagessen im Campus gelegenen Cafe ging, führten Projektmitarbeiter den Schülerinnen die wahre Ästhetik dieser Wissenschaft vor Augen. Mit einem speziell entwickeltem Computerprogramm wurden Oberflächen visualisiert und zu naturfernen leuchtfarbigen Gebilden verformt. Beeindruckt durften die Mädels auch selbst mit dem Programm arbeiten.

Abstrakte Zahlen in 3D

Spannende 3D-Effekte zogen das Band zwischen abstrakten Zahlen und praktischer Anwendung. So wurde beispielsweise die Wellengleichung in einer virtuellen Simulation veranschaulicht. Am Nachmittag stand Handwerkliches wie das Basteln von platonischen Körpern auf dem Programm. Den Teilnehmerinnen wollte man vermitteln, dass hinter all der Komplexität der schulisch erlernten Formelwelt ein spielerisches Ausprobieren und philosophisch angehauchtes Hinterfragen von Tatsachen stecken kann. Nicht das „Aha“, sondern das „Wieso“ rückte in den Vordergrund, als die Mädchen mit roten Papierstreifen dem berühmten Prinzip der Möbiusschleife nachgingen. Rechnen wurde jedenfalls wider jeder Erwartung an diesem Tag zur Nebensache.

Außerhalb des Girls’ Day profitieren auch die Burschen von „MATHE - Cool!“. Seit vier Jahren schon pendeln die Projektmitarbeiterinnen und –mitarbeiter und Studierenden zu diversen Schulen und sorgen für lehrreiches Unterhaltungsprogramm an Vormittagen. Mittlerweile hat das Projekt festen Fuß gefasst und wird vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung finanziell unterstützt. Einst aus Institutsmitteln dürftig bestrittenes Bastelmaterial gehört somit der Vergangenheit an. Qualität hat nun einmal ihren Preis und dem wird das Team mit ihrem Engagement mehr als gerecht.

Girls’ Day

Der „Girls’ Day“ findet jedes Jahr am vierten Donnerstag im April in mehreren europäischen Ländern statt. Ziel ist, Schülerinnen Berufe und Lehrinstitutionen näher zu bringen, in denen Mädchen und Frauen unterrepräsentiert sind. An der Universität Innsbruck nahmen außer dem Institut für Mathematik auch das Institut für Astro- und Teilchenphysik, das Institut für Informatik, die Technische Versuchs- und Forschungsanstalt der Universität und der Arbeitsbereich für Geotechnik und Tunnelbau (Institut für Infrastruktur) teil.

Dieser Text wurde von Sandra Weisheidinger im Rahmen der Lehrredaktion am Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Kulturservice gestaltet.