Wir leben alle in Übersee

Vergangene Woche war der Weltraumforscher Guy Pignolet in Innsbruck zu Besuch. Auf Einladung des Frankreich-Schwerpunkts der Universität und des Institut français d’Innsbruck stellte er seine Heimat Réunion vor.
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Bild: La Réunion besticht durch atemberaubende Natur, im Bild das Takamaka-Tal auf der Insel. (Fotonachweis: Claudia Huldi / pixelio.de)

Wir leben alle in Übersee – wenn man nämlich die Perspektive eines Bewohners von La Réunion, des französischen Überseedepartements nahe Madagaskar, einnimmt. Eine Radikalkur in Perspektivenwechsel verpasste dem Publikum der Vortrag des Weltraumforschers Guy Pignolet, der – auf Einladung des Frankreich-Schwerpunkts und des Institut Français d’Innsbruck – seine Zuhörer abwechselnd in Meerestiefen und Vulkankrater, und dann wieder auf den Mars und in andere Sonnensysteme entführte.

Jenseits von Klischees

Bereits am Montag hatte Pignolet am Institut für Astro- und Teilchenphysik über sein Projekt IKAROS – Energiegewinnung durch Sonnensegel im Weltraum – referiert. Am Donnerstag stellte er in den Räumen des französischen Kulturinstituts seine Heimat La Réunion vor, die den meisten wohl nur aus touristischen Kontexten ein Begriff ist. Jenseits des Klischees von „Frankreich unter Palmen“ berichtete er über mehrere bemerkenswerte wissenschaftliche Initiativen im Bereich der alternativen Energien, die alle auf dem Prinzip der Verwandlung der Sonnenenergie beruhen.

So kann etwa im Meer aufgrund des Temperaturunterschieds zwischen den oberflächlichen und den tieferen Wasserschichten ein Motor betrieben werden, der neben Elektrizität – gleichsam als Abfallprodukt – auch noch Kühlwasser produziert.

Pignolets liebstes Kind ist allerdings die Energiegewinnung durch Sonnensegel im Weltraum, wobei sich das Problem der Übermittlung dieser Energie auf die Erde stellt: Als Lösung erforscht die Gruppe um Pignolet die Teleportation von Elektrizität mittels Mikrowellen.

Gespanntes Publikum

All diese utopisch anmutenden Projekte betreibt der Forschungs-Tausendsassa von seiner kleinen vulkanischen Insel aus, auf der er – ein in die Jahre gekommener Kleiner Prinz – neben der regionalen die globale Perspektive nie aus den Augen verliert. Das zahlreiche Publikum lauschte gespannt und konnte gar nicht genug bekommen von den Bildern des kleinen Fleckens Europa mitten im Indischen Ozean.

(Eva Lavric)

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