FAZ berichtet über Arbeit von Innsbrucker Philosophen

In der Rubrik „Neue Sachbücher“ berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 31. März 2011 in einem Artikel zur Philosophie des Geistes eingehend über den Sammelband „Die Aktualität des Seelenbegriffs“, der von Georg Gasser und Josef Quitterer, Institut für Christliche Philosophie, erarbeitet worden ist.
Buchcover
Bild: Ein Teil des Buchcovers von „Die Aktualität des Seelenbegriffs. Interdisziplinäre Zugänge“.

Die Mitglieder des Instituts für Christliche Philosophie staunten nicht schlecht, als der Leiter eines auf philosophische Bücher spezialisierten deutschen Verlags anrief, um zu gratulieren: Er habe soeben einen ausführlichen Artikel über neue Perspektiven in der Philosophie des Geistes gelesen, welcher sich wesentlich auf einen Sammelband beziehe, der am Institut für Christliche Philosophie entstanden sei. Dank dieses Anrufes wurden die beiden Herausgeber des Sammelbands, Georg Gasser und Josef Quitterer, überhaupt erst auf den Artikel in der FAZ aufmerksam: „Wir haben uns natürlich außerordentlich über diese anerkennende Darstellung unserer Arbeit gefreut“, bemerkt Georg Gasser. „Immerhin ist der Begriff der Seele kein Modebegriff gegenwärtiger philosophischer Debatten. Viele Philosophen betrachten ihn als einen antiquierten Ausdruck, der einem vorwissenschaftlichen Zeitalter angehört.“

Der Mut, sich mit diesem Begriff in der heutigen von den Neuro- und Kognitionswissenschaften geprägten Debatte auseinanderzusetzen, hat sich bezahlt gemacht. Michael Pawlik, Autor des FAZ-Artikels, geht drei Neupublikationen nach, die sich mit dem Seelenbegriff beschäftigen. Insbesondere auf das Werk der Innsbrucker Philosophen Bezug nehmend betont er, dass der Seelenbegriff dort sein gutes Recht habe, wo die Deutung des Menschen nicht bei einer naturalistischen Reduktion zu einer komplexen neuronalen Maschine stehenbleibe. Denn wer sich damit brüste, Bewussteinsphänomene auf Gehirnprozesse zurückführen zu können, betreibe nicht eine metaphysikfreie, wissenschaftliche Entzauberung der Welt, sondern stehe vielmehr in der Tradition einer fragwürdigen Metaphysik, so Pawlik weiter.

„Wir bemühen uns seit Jahren, aufzuzeigen, dass Interpretationen neuro- und kognitionswissenschaftlicher Studien nicht frei von metaphysischen und weltanschaulichen Annahmen sind. Sobald mithilfe der Ergebnisse solcher Studien Aussagen über das Wesen des Menschen gemacht werden, befinden wir uns im Bereich der philosophischen Deutung und nicht mehr der Beschreibung einer wissenschaftlichen Faktenlage, wenngleich dies in populärwissenschaftlichen Werken oft als solche dargestellt wird“, sagt Josef Quitterer.

Um die Qualität der eigenen Arbeit zur philosophischen Anthropologie und zum Geltungsbereich naturwissenschaftlicher Aussagen zu testen, entschlossen sich Georg Gasser und Josef Quitterer 2006, einen mehrsemestrigen Vortragszyklus zur Aktualität des Seelenbegriffs zu organisieren. Philosophen, Theologen, Mediziner, Biologen, Kognitionswissenschaftler und Physiker wurden eingeladen, um ihre eigenen Thesen zur Deutung des Menschen als denkendes Lebewesen darzulegen und in diesem Zusammenhang über die Rolle des Seelenbegriffs zu diskutieren. Ziel der Vortragsreihe war es, aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zu den Themen Selbstbewusstsein, Handlungsvollzug und Willensfreiheit zu analysieren und herauszuarbeiten, welche philosophischen Interpretationen sich daran sinnvoller Weise anschließen lassen.

„Wir haben festgestellt, dass zahlreiche Wissenschaftler den Seelenbegriff, so wie er in der aristotelischen Philosophie verwendet wird, positiv bewerten, da er sich darum bemüht, den Menschen als psychophysische Einheit zu begreifen. Dadurch werden kontra-intuitive Konsequenzen für unser Selbstverständnis vermieden, die sich aus reduktionistischen Deutungen ergeben. Zudem können mithilfe dieses Seelenbegriffs Möglichkeiten einer angemessenen Bestimmung des Verhältnisses von naturwissenschaftlichen und religiösen Zugängen zum Menschen aufgezeigt werden“, lautet Georg Gassers Resümee zur Vortragsreihe.

Dieser Sammelband stellt die aktuellste herausragende Publikation dar, mit welchen sich Mitglieder des Forschungszentrums „Christliches Menschenbild und Naturalismus“ einen Namen im Bereich der philosophischen Anthropologie gemacht haben. So erlebte das von E. Runggaldier, J. Quitterer und G. Rager verfasste Buch „Unser Selbst. Identität im Wandel der neuronalen Prozesse“ zwei Auflagen (2002 und 2003), der von E. Runggaldier und B. Niederbacher editierte Sammelband „Die menschliche Seele – Brauchen wir den Dualismus“ (2006) gehört zu den am meisten verkauften deutschsprachigen Büchern des auf philosophische Literatur spezialisierten Ontos-Verlags und die Monographie von C. Kanzian „Ding – Substanz – Person. Eine Alltagsontologie“ (2009) bettet die Frage des metaphysischen Status der menschlichen Person in eine umfassende systematische Deutung unserer Alltagswelt ein. Ein neuer englischsprachiger Sammelband zur Frage der menschlichen Identität durch die Zeit wird dieses Jahr bei Cambridge University Press erscheinen.

Ermöglicht wurde die Vortragsreihe und der daraus entstandene Sammelband durch großzügige Unterstützung der Universität Innsbruck (Institut für Christliche Philosophie und Vizerektorat für Forschung), der Hypo Tirol Bank und des Metanexus Instituts (Philadelphia, USA)

(red)

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