Tagung: Psychoanalyse des Jungen und des Mannes

Unlängst tagten im Universitätszentrum Obergurgl die namhaftesten Kinder- und Jugendlichen-Psychoanalytikerinnen und –Psychoanalytiker aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zu den neuen Problemen des Aufwachsens von Buben und männlichen Jugendlichen.
Hans Hopf und Josef Christian Aigner
Bild: Der bekannte deutsche Kinder- und Jugendpsychoanalytiker Prof. Dr. Hans Hopf und Prof. Dr. Josef Christian Aigner, Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung (PsyKo).

Auf Einladung von Univ.-Prof. Dr. Josef Christian Aigner (Fakultät für Bildungswissenschaften) hatte die renommierte Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV), in der es einen Arbeitskreis „Zur Psychoanalyse des Jungen und des Mannes“ gibt, ihre alle 2 Jahre stattfindende ExpertInnen-Tagung von Frankfurt am Main ins Ötztal verlegt. Thema waren die neuen Probleme des Aufwachsens von Buben und männlichen Jugendlichen.

In den Vorträgen ging es einesteils um jüngste Erfahrungen mit Jungen und Männern in der Psychotherapie, andererseits um empirische Forschung über die scheinbar brüchiger und prekärer werdenden Bedingungen, unter denen viele Burschen heute aufzuwachsen scheinen. Dabei spielt einerseits das Fehlen männlicher Bezugspersonen (Väter, Lehrer, Erzieher) eine wichtige Rolle. Andererseits finden sich aber auch schulische und institutionelle Erziehungs- und Leistungsbedingungen, innerhalb derer die stärkere Neigung männlicher Heranwachsender zum „Externalisieren“ (also Konflikte, Unruhe, Unbehagen etc. mehr nach außen zu wenden) immer mehr zum Problem wird. Dies macht Jungen dann schnell zu „Auffälligen“, Störenfrieden“, was wiederum verschiedene Leistungsschwächen nach sich ziehen kann.

In der Psychotherapie treten verstärkt Probleme mit der Handhabung aggressiver Impulse und mit der Geschlechtsidentität bei Männern auf, die ebenfalls aus einer Rollenverunsicherung herrühren. Verhaltensauffälligkeiten (insbesondere ADHS), Lern- und Sprachstörungen u.a.m. werden bei Jungen im Vergleich zu Mädchen ungleich häufiger festgestellt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren vor allem von der Mischung aus klinischer und empiri-scher Forschung angetan – aber natürlich auch vom Ambiente des Universitätszentrums und der Bergwelt: am Nachmittag war jedenfalls Schifahren angesagt, bevor vor dem Abendessen das Pro-gramm weiterging. Dass die deutschen Gäste das Universitätszentrum auch gleich für 2013 reservieren ließen, zeigt, wie gelungen diese Konferenz gewesen ist.

(Josef Christian Aigner)