Theater für eine große Italienerin

Am 20. Jänner 2011 lud der Kulturverein INNcontri zu einem italienischsprachigen Theaterstück ins Westbahntheater: Der Monolog mit dem Titel „Dormono tutti sulla collina“ handelt vom Leben der italienischen Intellektuellen Fernanda Pivano, deren Tätigkeit als Übersetzerin Italien unter anderem die Entdeckung der modernen amerikanischen Literatur verdankt.
Westbahntheater Fernanda Pivano
Bild: Eine Szene aus dem Stück

Am 20. Jänner 2011 lud der Kulturverein INNcontri anlässlich seines zehnjährigen Bestehens zu einem Theaterstück in italienischer Sprache ein. Der Verein, dem Studierende und Lehrende des Instituts für Romanistik und des Instituts für Translationswissenschaft angehören, bemüht sich seit Jahren um den kulturellen Austausch zwischen Italien und Österreich und kann schon mit erfolgreichen Veranstaltungen aufwarten, die oft mit kongenialen Partner wie dem Italienzentrum der Universität Innsbruck, dem Italienischen Kulturinstitut oder den obengenannten Instituten organisiert werden.

Eine solche fand am vergangenen Donnerstag im Westbahntheater statt. Der Monolog mit dem Titel „Dormono tutti sulla collina“ wurde von der jungen Theategruppe TrentoSpettacoli inszeniert, als Regisseur signiert Daniele Filosi. Der Monolog handelt vom Leben der italienischen Intellektuellen Fernanda Pivano (1917-2009), die dem deutschsprachigen Publikum noch weitgehend unbekannt ist. Vor allem war aber diese legendäre Feministin und Pazifistin eine leidenschaftliche Übersetzerin. Ihr verdankt Italien die Entdeckung der modernen amerikanischen Literatur. Durch ihre Übersetzungen von weltberühmten Autoren (Hemingway oder Fitzgerald) und ihre unermüdliche Beschäftigung mit neuen Talenten der Beat-Generation machte sie die zeitgenössische amerikanische Erzählkunst und Kultur in Italien bekannt.

Angefangen hat alles in den 30er Jahren mit einem Buch von E. L. Masters, das die junge Fernanda übersetzte, einfach, weil sie von einem Vers in seiner „Anthology of Spoon River“ fasziniert war. Auf das Buch machte sie der bedeutende Schriftsteller Cesare Pavese aufmerksam, ihr Gymnasiallehrer. Mit dieser Begegnung zwischen den beiden beginnt auch die Inszenierung, die vor einer minimalistischen Kulisse immer wieder die junge Fernanda (überzeugend gespielt von Maura Pettorruso) und ihre geliebten Bücher fokussiert. Fernandas Erinnerungen an ihre behütete bürgerliche Existenz in der Familienvilla in Genua, an den zweiten Weltkrieg, an den Partisanenkampf, aber auch ihre Begegnungen mit Hemingway, Allen Ginsberg und Pavese wechseln ab mit den Träumen und Visionen dieser außergewöhnlichen Frau. Die Anfangszeilen des Poems „Howl“ von Ginsberg schließen den Monolog ab und lassen ein Bild von Amerika entstehen, das gänzlich anders ist als das Land von E. L. Masters.

Die musikalische Untermalung lieferten die Songs des bekannten italienischen Liedermachers Fabrizio De Andrè. Er war es, der die Gedichte von Masters, gut dreißig Jahre nach der Pivano-Übersetzung, in Musik setzte und damit eine seiner besten Alben (Non al denaro né all’amore né al cielo) schuf. Eine gefühlsvolle Inszenierung, die Liebhaber der Musik und der Literatur gleichermaßen begeisterte.

Auch diese Veranstaltung von INNcontri entstand aus der Zusammenarbeit mit dem Institut für Romanistik und dem Institut für Translationswissenschaft und wurde vom Italien-Zentrum unterstützt. Im Rahmen des Seminars „Sprachproduktion Italienisch schriftlich“ beschäftigten sich Helga Frischmann, Sabina Langer, Nicoletta Lucchini, Sara Ritrovati und Elisabeth Waldner unter der Leitung von Mag. Carla Festi Leidlmair mit Leben und Werken von Fernanda Pivano und verfassten einen Text, der am Veranstaltungsabend verteilt wurde und den Zuschauern ermöglichte, das Stück besser zu verstehen. Der italienische Text wurde von Verena Bernhard, Nicole Heinzle und Monika Reiterer unter der Leitung von Dr. Christiane Böhler, Institut für Translationswissenschaft, ins Deutsche übertragen. Eine gelungene Zusammenarbeit, die zum Erfolg dieses deutsch-italienischen Theaterabends sicherlich beigetragen hat.

(Carla Festi Leidlmair)

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