Nachhaltigkeit(en) im Film

Im Wintersemester 2010/11 wurde zum nunmehr bereits dritten Mal in Kooperation zwischen dem Forschungsfeld „Wirtschafts- und Sozialgeschichte“ an der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik und dem Leokino, dem Innsbrucker Programmkino, ein Filmseminar durchgeführt. Heute Abend (18.30 Uhr) geht es mit dem Film „O Brother Where Art Thou?“ zu Ende.
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Bild: Leokino

Das Generalthema für diese Ausgabe des Seminars war Nachhaltigkeit in ihren vielfältigen Facetten. Dass dabei im Rahmen eines Angebots in Wirtschafts- und Sozialgeschichte zum einen die historische Dimension nicht zu kurz kommt und zum anderen der Schwerpunkt auf ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit liegt, wird kaum überraschen.

Das zeigte sich besonders zwischen 11. und 20. Jänner 2011, wenn das Seminar im Leokino zu Gast ist. Den Anfang machte dabei eine dokumentarische Autopsie der argentinischen Finanzkrise 2001, die geradezu beispielhaft für die Bedeutung der historischen Dimension für solche Krisen ist und die zudem die unweigerliche Verstrickung zwischen Ökonomie und Politik aufzeigt, womit sich lange vor den aktuellen Ereignissen die Frage nach der Stabilität der Finanzwelt stellte. Fortsetzung fand die Reihe mit zwei Spielfilmen aus unterschiedlichen Weltregionen (dem amazonischen Regenwald und der mongolischen Steppe), die beide – mit reichhaltigen Andeutungen auch der historischer Verhältnisse – die Frage nach den ökologischen Grenzen des „Fortschritts“ stellen und ihre Rückwirkungen auf die Identität der Betroffenen besonders in den Blick nehmen, die eine oft sträflich unterschätzte Dimension sozio-ökonomischer „Entwicklung“ ist. Ihren Abschluss findet sie schließlich heute mit einer prominent besetzten US-amerikanischen Komödie, die einen etwas anderen Einblick in das Amerika während der Großen Depression ermöglicht. Dass damit auch die Frage nach der Nachhaltigkeit unseres gesamten Wirtschaftssystems gestellt wird, gerät angesichts der rasanten Handlung und der hervorragenden Besetzung (darunter George Clooney, Holly Hunter und John Goodman) fast schon in den Hintergrund.

Platziert ist das Angebot als Proseminar im Rahmen des Moduls „Wirtschafts- und Sozialgeschichte“ im regulären Bachelorstudium Wirtschaftswissenschaften. Dabei wurden vor Weihnachten bereits sechs Filme im Hörsaal gezeigt, die verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit thematisierten. Das Spektrum reichte dabei von aufwändigen Open-Source-Film „Home“ des Fotographen Yann Arthus-Bertrad, der die Entwicklung und den Zustand unseres Planeten dokumentiert, über den österreichischen Film „Einstweilen wird es Mittag“ von Karin Brandauer, der die Marienthal-Studie thematisiert, bis zu Dokumentarfilmen über Kolonialismus, Nahrungsmittel, Konzerne und den ökologisch motivierten Verzicht auf Ölprodukte. Anhand dieser Filme fand im eigentlichen Seminar dann eine kritische Auseinandersetzung mit dem jeweils verbundenen Thema statt, die maßgeblich von den Studierenden getragen wurde.

„Am wichtigsten ist es, über die Filme eine zusätzliche Fläche für die kritische Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen zu finden. Es geht dabei aber natürlich immer auch um die Vermittlung von Medienkompetenz, die zunehmend wichtig wird“, so Dozent Andreas Exenberger, „denn nicht nur in der Werbung, sondern auch in der normalen Berichterstattung über Wirtschaft und Politik entsprechen sich Gezeigtes und Geschehenes längst nicht immer, und manchmal gibt es dabei auch versteckte Absichten zu entschlüsseln. Wenn es gelingt, den Blick für solche Botschaften zu schärfen und für andere Blickwinkel auf angeblich Bekanntes zu sensibilisieren, wäre ein wichtiges Ziel erreicht.“

Aufgrund des nachhaltigen Erfolges, der auch Dank der Unterstützung der Fakultät möglich war, soll es das Angebot nun regelmäßig und damit spätestens in zwei Jahren wieder geben. Wenn es nach dem Interesse der Studierenden geht, müsste es wahrscheinlich nicht so lange dauern.

(Andreas Exenberger)

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