Schon wieder Hirsebrei - Ernährungsgewohnheiten im Mittelalter

Im Archäologischen Universitätsmuseum wurden kürzlich im Rahmen eines museumspädagogischen Workshops durch Mitarbeiterinnen des Museums Stadtarchäologie Hall in Tirol Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten im Mittelalter geboten.
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Bild: Mittelalterliche Funde aus Hall in Tirol 1300-1600 (Foto: Stadtarchäologie Hall in Tirol)

Der Verein zur Förderung der Stadtarchäologie und Stadtgeschichte Hall i. T. erforscht seit Jahren die Alltagskultur des Mittelalters. Im Rahmen eines Programms, gefördert durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, konnte Anfang Dezember im Archäologischen Museum Innsbruck – Sammlung von Abgüssen und Originalen der Universität Innsbruck der Workshop „Schon wieder Hirsebrei – Ernährungsgewohnheiten im Mittelalter“ abgehalten werden, der - wie auch die dabei angebotenen mittelalterlichen Gerichte - auf reges Publikumsinteresse stieß.

Ernährung im Mittelalter

Wie und was aß man im Mittelalter? Welches war das meistgekochte Gericht? Was wurde getrunken? Welches Geschirr benutzten gut situierte Bürger im Gegensatz zur armen Bevölkerung und woher bezog man damals die Nahrungsmittel? Diesen und anderen Fragen widmete sich der zweistündige Workshop, der von der Kunsthistorikerin Dr. Sylvia Mader sowie der Archäologin Mag. Alexandra Krassnitzer betreut wurde. Im Rahmen eines einleitenden Vortrages wurden historische Bilder von Kochszenen, Festessen und anderen Mahlzeiten als Quelle für die mittelalterliche Esskultur gezeigt. Auch Grabungsfunde v.a. im Bereich von Latrinen geben Hinweise auf verwendete Lebensmittel und zubereitete Speisen. Während das Standardgericht Hirsebrei, eine Art warmes Müsli mit Gemüse oder Fleisch, werktags sowohl auf dem Tisch der Armen wie auch der Wohlhabenden stand, lassen sich an Festtagen große Unterschiede zwischen den Unterprivilegierten und den gut situierten Bürgern, dem regionalen Adel und der Geistlichkeit feststellen. Auch ein Einblick in den Ablauf von Festbanketten am Hofe, welche nach strengem Zeremoniell und mit genauen Benimmregeln oft bis zu sieben Stunden dauerten, wurde geboten. Zahlreiche mitgebrachte und ausgestellte Originalfundstücke aus der zeit 1300 bis 1600, gefunden bei Grabungen in Hall in Tirol, wie Kochtöpfe, Backformen, Ess- und Trinkgeschirr aus Keramik sowie Besteck aus Holz vermittelten einen lebendigen Eindruck von der Welt der Vergangenheit. Auf Wunsch konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Erinnerung selbst einen Abguss einer Backform aus dem späten 15. Jahrhundert herstellen.

Zum Abschluss und gemütlichen Ausklang des Abends gab es auch ein mittelalterliches Gericht namens „Ruetschart“ zur Verkostung. Die an verschiedenen Orten, etwa in Kärnten, noch heute unter dem Namen „Ritschart“ bekannte Speise bestand aus Schweinefleisch, Selchspeck und weißen Bohnen mit Gemüse, Weißwein und zahlreichen Kräutern. Bei Speis und Trank wurde anschließend in gemütlicher Runde mit den Referentinnen diskutiert, und es bestand für die 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, weitere Fragen zu stellen und Erfahrungen auszutauschen.

(Florian Müller)

Links:
Archäologisches Museum Innsbruck - Sammlung von Abgüssen und Originalen der Universität Innsbruck
Museum Stadtarchäologie Hall in Tirol

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