Jubiläumsverleihung: 10. Preis für frauen-/geschlechtsspezifische Forschung

Der Preis für frauen- und geschlechtsspezifische Forschung wurde heuer bereits zum 10. Mal an den wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich der Geschlechterforschung vergeben. Die Diplomarbeit „Flucht – Migration – Illegalisierung. Migrations- und Fluchterfahrungen von Frauen unter Bedingungen aufenthaltsrechtlicher Unsicherheit und Prekarisierung“ wurde kürzlich ausgezeichnet.
frauenspezifische forschung 2010
Bild: Mag.a Kerstin Hazibar erhielt den heurigen Preis für frauen-/geschlechtsspezifische Forschung

Auf diese erfreuliche Tradition und der damit verbundenen sichtbaren Verankerung der kritischen Geschlechterperspektive an unserer Universität wies auch der Rektor, Univ.-Prof. Karlheinz Töchterle, in seinen Worten im Rahmen des Festaktes Ende November mit Nachdruck hin. Anlass genug, neben der diesjährigen Preisträgerin auch alle bisherigen ausdrücklich einzuladen, um einen passenden Rahmen für die heurige feierliche Übergabe zu bilden. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt durch Improvisationen am Zither von Lissie Rettenwander.
Unter den insgesamt 16 akademischen Abschlussarbeiten, die in den Bereichen Psychologie, Zeitgeschichte, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Germanistik, Sprachwissenschaft, Sprache und Literaturen, Romanistik, Praktische Theologie, Betriebswirtschaft, und – dies zum ersten Mal – Geographie verfasst und für den Preis 2010 eingereicht wurden, überzeugte die erziehungswissenschaftliche Diplomarbeit von Mag.a Kerstin Hazibar das begutachtende Gremium; besonders begründet wurde diese Entscheidung durch den hochaktuellen gesellschaftspolitischen Bezug dieser Arbeit.

Frauen in einer extrem problematischen Lebenssituation

„Die Arbeit handelt von der weiblichen Seite irregulärer Migration. Sie erzählt von undokumentierten MigrantInnen, den sans papiers, von denen, die ohne richtige Papiere sind, eine Gruppe von MigrantInnen und Flüchtlingen, deren Aufenthalt prekär geworden, deren Hiersein durch aufenthaltsrechtliche Bestimmungen bedroht ist, deren Teilhaberechte mehr als die aller anderen Gesellschaftsmitglieder eingeschränkt sind: Angewiesen auf das unterste Segment eines ethnisierten Arbeitsmarktes und mit nicht viel mehr ausgestattet als dem eigenen Leben“, betonte Prof. Michaela Ralser vom Institut für Erziehungswissenschaften in ihrer Laudatio.
Frau Mag.a Hazibar veranschaulicht in dieser Diplomarbeit anhand dreier Fallbeispiele die Problematik durch narrativ-fokussierten Interviews. Die Preisträgerin rekonstruiert die Lebensgeschichten von Frauen mit äußerst prekärem Aufenthaltsstatus, eine Forschungsaufgabe, die sie mit einer „sehr guten und reifen wissenschaftlichen Leistung“, so die zweite Laudatorin, Prof. Erika Thurner vom Institut für Politikwissenschaft, meisterte.

Die Preisträgerin 2010

Die aus Reutte stammende Mag.a Kerstin Hazibar begann 2000 nach Abschluss des Gymnasiums und der HBLA für wirtschaftliche Berufe mit dem Studium Erziehungswissenschaften und wählte dort den Schwerpunkt Integrative / Interkulturelle Pädagogik sowie Kritische Geschlechter- und Sozialforschung. In diesem Bereich verfasste sie auch ihre Diplomarbeit. Während ihres Studiums engagierte sie sich als Studienrichtungsvertreterin und verbrachte im Rahmen eines Erasmus-Aufenhalts das Wintersemester 2004/05 an der Universität Valencia. Ihr gesellschaftspolitisches Engagement veranlasste sie, ehrenamtlich beim Verein Arge Schubhaft sowie im Nachdienst des Dowas (Durchgangsort für arbeits- und wohnungssuchende Frauen) tätig zu sein.

 

Weitere Informationen zum Preis (z.B. die bisher ausgezeichneten Arbeiten):
http://www.uibk.ac.at/leopoldine/gender-studies/preise/frauenpreis/allgeminfo.html

(Elisabeth Grabner-Niel)

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