Alternativer Nobelpreis für Bischof Erwin Kräutler

Bischof Erwin Kräutler wurde am vergangenen Montag in Stockholm für sein Engagement um die Indigene Bevölkerung Brasiliens mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.
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Bild: Am Montag wurde Bischof Kräutler im Schwedischen Parlament der Alternative Nobelpreis verliehen. (Foto: Right Livelihood Award Foundation)

Der 1939 in Vorarlberg geborene Priester Erwin Kräutler trat nach der Matura in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut ein und studierte in Salzburg Theologie und Philosophie. 1965 erhielt er die Priesterweihe und wurde im selben Jahr als Missionar nach Altamira am Xingu im Bundesstaat Pará geschickt. Seit 1980 ist Erwin Kräutler Bischof des flächengrößten Bistums Brasiliens. Derzeit ist er zudem Präsident des Indianermissionsrates (CIMI).
Der Befreiungstheologe setzt sich für die indianische Bevölkerung Brasiliens ein und trotzt den Drohungen und dem Widerstand korrupter Großindustrieller und der brasilianischen Mafia. Zweimal wurde er Opfer lebensgefährlicher Anschläge, seitdem steht der Bischof unter Polizeischutz.

Gegen ökologische und kulturelle Vernichtung

Trotz dieser massiven Angriffe erhebt er sein Wort für die Indios Amazoniens und kämpft mit ihnen um den Erhalt ihrer Heimat, der Natur. Diese wird durch Brandrodungen und Ausbeutung zunehmend vernichtet. Die Gier nach immer mehr Rohstoffen führt dazu, dass das für das Ökosystem unserer Erde sehr wichtige Gebiet rund um den Amazonas immer weiter zerstört wird. Der wohl bisher größte Schlag gegen die Natur und die indigene Bevölkerung kündigt sich bereits im April 2011 an: Die Brasilianische Regierung will im größten Urwald der Erde den Bau des Staudammes Belo Monte am Rio Xingu beginnen und eines der weltgrößten Wasserkraftwerke errichten. Miteinhergehen wird eine massive ökologische Belastung. Indianer sollen umgesiedelt werden und weite Teile des Landes unter Wasser gesetzt werden. Die Folgen für Amazonien und die gesamte Erde seien ein Wahnsinn, meint Bischof Kräutler. Unterstützung erfährt er weltweit: Ökologen, Prominente wie Sting, die Bischofskonferenz und NGOs unterstützen ihn in seinem Kampf. Doch die Brasilianische Regierung lässt sich vom internationalen Widerstand nicht beeindrucken.

Zerstörung ist die wahre Apokalypse

Für seine "lebenslange Arbeit für die Menschen- und Umweltrechte indigener Völker, und seinen unermüdlichen Einsatz gegen die Zerstörung des Amazonas Regenwaldes" wurde Bischof Erwin Kräutler nun am Montagabend im schwedischen Parlament mit dem Alternativen Friedensnobelpreis von der „Right Livelihood Award Foundation“ geehrt. In seiner Dankesrede schilderte Kräutler die Bedrohung des Gebiets um den Amazonas und das Leiden der dort wohnhaften indigenen Bevölkerung: „Diese Menschen wissen sehr genau, dass sie nicht überleben werden, wenn Amazonien weiterhin verachtet und vernichtet wird. Und sie wissen, dass dem Planeten Erde durch diese Zerstörung unumkehrbare Folgen entstehen werden. Dies wird die wahre Apokalypse sein.“ Den Preis will er mit all seinen Mitsreitenden teilen: Er sei auf jede einzelne Spende angewiesen. Er rief auch das Leiden „dutzender Menschen, die ihr Leben hingegeben haben, deren Blut vergossen wurde, die brutal ermordet wurden, weil sie sich der systematischen Zerstörung Amazoniens widersetzt haben“ in Erinnerung und meinte weiter: „Ich hoffe auf den Beistand Gottes und vertraue darauf, dass er mich für den Schutz der Indios weitermachen lässt.“

Bischof Kräutler ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Preise, seit 1992 ist er Ehrendoktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Innsbruck.

(Daniel Sailer)

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