Ein Feuerwerk der Sprachen – der Innsbrucker Linguistische Arbeitskreis feiert bei der Jungen Uni

 Der Linguistische Arbeitskreis der Universität Innsbruck feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen – Grund genug, seine Alma mater im Rahmen der „Jungen Uni“ mit einem wahren Feuerwerk an Veranstaltungen zu beglücken; weil ein Festvortrag im Juni und eine Buchpräsentation im Oktober den „gemischten SprachwissenschaftlerInnen“ noch nicht reichen!
Woher kommt mein Name und was bedeutet er? Namenkunde auf der Jungen Uni
Bild: Woher kommt mein Name und was bedeutet er? Namenkunde auf der Jungen Uni

„Was Ihr schon immer über Sprache(n) wissen wolltet“ – so betitelte sich das bunte Veranstaltungs-Mix, das die Kinder und Jugendlichen bei der „Jungen Uni“ in die wundersame Welt der Sprachen einführte. Von Mini-Sprachkursen in Französisch, Italienisch, Russisch, Niederländisch, Türkisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch und sogar Koreanisch und Kymrisch=Walisisch, über einen Kurs „Besser streiten mit der Mutter“ bis zu linguistischen Kurzpräsentationen reichte das Programm, in dem man erfuhr, woher die Zaubersprüche bei Harry Potter kommen, wie sich Fußballer untereinander und mit dem Schiedsrichter verständigen, warum „fünf Minuten“ manchmal furchtbar lang werden können, ob die Tirolischen Dialekte wirklich „made in Tirol“ sind und was für Zwischenrufe die Abgeordneten im Parlament hervorstoßen.

Damit nicht genug, konnten bei einem Zeichenwettbewerb fremdsprachige Redewendungen wörtlich genommen und illustriert werden, von „avere un gatto vivo nello stomaco“ (ital.: eine fürchterliche Wut im Bauch haben, wörtl.: eine lebendige Katze im Magen haben), über „sauter du coq à l’âne“ (frz.: von einem Thema zum anderen springen, wörtl.: vom Hahn zum Esel springen), bis zu „palaschít súbi na pólku“ (russ.: arm sein, am Hungertuch nagen, wörtl.: die Zähne aufs Brett legen) u.v.a.m.

Fast so viel Erfolg wie ihre große Schwester im Fernsehen hatte auch die Millionenshow mit Sprachfragen, bei der es witzige Büchlein mit Sprachpannen zu gewinnen gab, und ganz besonders die Namenberatung, bei der die Kleinen und die Großen genau erfahren konnten, was ihr Familienname bedeutet, wo er herkommt und wo er besonders gebräuchlich ist.

Dieses bunte und vielfältige Geschenk hatte sich der linguistische Arbeitskreis Innsbruck ausgedacht, um zu seinem 25-jährigen Jubiläum auch eine breitere Öffentlichkeit zu beschenken. Die informelle Runde von Linguistinnen und Linguisten aller in Innsbruck vertretenen Sprachen, von der Anglistik/Amerikanistik, Romanistik, Slawistik und Germanistik über die Translationswissenschaft bis zur Allgemeinen Sprachwissenschaft, hatte ihr rundes Jubiläum aber auch schon mit hochwissenschaftlichen Veranstaltungen gefeiert: Im Juni hielt die Doyenne der Innsbrucker Romanistik, Frau Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Maria Iliescu, im Beisein von Rektor und Dekanin einen hochinteressanten Festvortrag zum Balkansprachbund.  Und im Oktober wurden in einer gut besuchten Buchpräsentation zwei neue Werke von Arbeitskreis-Mitgliedern vorgestellt: Die RomanistInnen Maria Iliescu, Heidi Siller und Paul Danler präsentierten ihren „Elefanten“, die siebenbändigen Akten des großen romanistischen Weltkongresses CILPR (Innsbruck, 2007), mit über 700 TeilnehmerInnen und fast 5000 Seiten in und über alle romanischen Sprachen (die Beiträge sind in Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch, Katalanisch und Galizisch abgefasst, behandeln aber mehr als doppelt so viele Sprachen).

Und der Leiter des linguistischen Arbeitkreises, Prof. Dr. Manfred Kienpointner, präsentierte sein vergleichende Grammatik Lateinisch-Deutsch und löste damit hochinteressante Debatten über das Tertium comparationis in der kontrastiven Linguistik aus, die sicher in den nächsten 25 Jahren noch weitergeführt werden.

(Eva Lavric)

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