„Krieg und Frieden“ zum 100. Todestag von Lev N. Tolstoj

Am 20. November 1910 verstarb der russische Schriftsteller und Sozialutopist Lev N. Tolstoj 82-jährig im Bahnwärterhäuschen von Astapovo. Aus diesem Anlass und als besonderes „Zuckerl“ wird durch eine Kooperation zwischen dem Institut für Slawistik und dem Leokino die vierteilige Verfilmung des Romans „Krieg und Frieden“ von 1968 im 70mm-Format zu sehen sein.
Lev Tolstoj in seinem Arbeitszimmer (Mai 1908)  (Fotograf: Sergej Michajlovich Prokudin-Gorskij (1863–1944)/ Library of Congress digital ID prok.01970)
Bild: Lev Tolstoj in seinem Arbeitszimmer (Mai 1908) (Fotograf: Sergej Michajlovich Prokudin-Gorskij (1863–1944)/ Library of Congress digital ID prok.01970)

Einen runden Jahrestag von Lev. N. Tolstoj zu begehen, ist keine ganz leichte Sache, denn die Konkurrenz ist groß: Alle Medien sind voll von Beiträgen und die Fernsehstationen überschlagen sich mit Sendungen. Christine Engel und Eva Binder vom Institut für Slawistik haben sich daher die Vorführung von „Krieg und Frieden“ als Spezialität ausgedacht und Dietmar Zingl vom Leokino hat sie realisiert. Diese opulente Verfilmung entstand 1968 in der damaligen Sowjetunion zum hundertjährigen Jubiläum des Romans. Dem Regisseur Sergej Bondarčuk standen fast unbegrenzte Mittel zur Verfügung und er wusste sie für sein groß angelegtes Filmepos zu nützen. Das 70-mm Format zeichnet sich durch eine besondere Bildqualität und Tiefenschärfe aus, die von keinem anderen Filmformat je erreicht wurde und an die auch die heutigen digitalen Verfahren nicht herankommen. Kopien von solchen Filmen sind rar und es gibt nur noch wenige Kinos, die das Format überhaupt abspielen können.

Der Roman selber spielt im Schaffen von Lev N. Tolstoj eine ganz zentrale Rolle, denn wichtige Themen, die den Schriftsteller zeitlebens beschäftigten, finden darin ihren Niederschlag: die Frage nach Gemeinschaftlichkeit und einem gedeihlichen Miteinander genauso wie die Frage nach der Kausalität von Geschichte oder die Frage nach der Rolle der Familie. Die Zeit der Napoleonischen Kriege, in denen Russland unmittelbar bedroht wurde, bilden den Hintergrund für ein Gemälde der Epoche: Anhand der verschiedenen Einstellungen seiner Hauptfiguren entsteht eine anschauliche Variationsbreite von Verhaltensweisen gegenüber Krieg, Vaterland und persönlichem Schicksal.

Aufführungstermine:

  • Mi 1.12. 20.25 Uhr: Vortrag von Prof. Christine Engel und Vorführung von Teil 1 – Andrej Bolkonskij
  • So 5.12. 11.00 Uhr: Teil 2 – Nataša Rostova
  • Mo 6.12. 18.40 Uhr: Teil 3 – Borodino 1812
  • So 12.12. 13.30 Uhr: Teil 4 – Pierre Bezuchov

Vor den einzelnen Vorstellungen wird eine kurze Zusammenfassung des bisher Geschehenen gegeben – so behält man den roten Faden und kann sich auch einzelne Teile der Verfilmung mit Gewinn ansehen. Gezeigt wird die synchronisierte DEFA-Fassung.

(Christine Engel)

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