Eine Gitarre und alle Sprachen Südfrankreichs

Was wird bei einem Konzert geboten, das von einem Russisch-Translations-Professor initiiert wurde? Natürlich südfranzösische Lieder und Chansons, in drei Sprachen: Französisch, Okzitanisch und Katalanisch.
Juan Milhau
Bild: Juan Milhau

Mit viel Verve und Bühnenpräsenz begeisterte der Sänger und Schriftsteller Juan Milhau am 18. November sein Publikum am Institut für Translationswissenschaft. Und der Frankreich-Schwerpunkt als Organisator dankte Prof. Lew Zybatow, dass er diese mediterrane Initiative ergriffen hatte.

An das Konzert schloss sich eine Lesung an, bei der Juan Milhau eine urkomische Geschichte über einen Macho und eine Maus präsentierte, und anschließend wurde noch lange über Minderheitensprachen und die Sprachpolitiken Frankreichs und Spaniens diskutiert – sowie darüber, wie Sprache und Identität zusammenhängen.

Als ein Wanderer zwischen den Welten erwies sich Juan Milhau, der Sänger und Autor mit dem spanischen Vornamen und dem okzitanischen Familiennamen. Er, der in der Familie Französisch, Okzitanisch und Katalanisch gesprochen hatte (alle drei Sprachen sind im „Midi de la France“ noch lebendig), tauchte als junger Mann in den nur-französischen Mainstream ein, bevor er durch sein Singen und Schreiben wieder zu den regionalen Wurzeln zurückfand.

Auch musikalisch sind seine Lieder, neben schwungvollen Eigenproduktionen, oft Adaptierungen von bekannten Chansons an neue musikalische Stile, und seine Kommentare haben Performance-Charakter. Er war ja auch schon Schauspieler, Radiomoderator, und nun eben Romancier, und lässt sich weder künstlerisch auf ein Medium noch sprachlich auf eine Identität festlegen.

Regionalismus, das wurde durch diesen Juan-Milhau-Abend klar, ist eine Form des Universalismus. Denn, wie schreibt nicht der okzitanische Philosoph Félix Castan: « Le fait d’être de quelque part donne conscience que chaque homme est un centre du monde. » (Dass man von wo ist, macht einem bewusst, dass jeder Mensch ein Mittelpunkt des Universums ist.)

 (Eva Lavric)

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