UPV vergab Wissenschaftspreise 2010

Im Rahmen seiner jährlichen Festveranstaltung vergab der Verband der ProfessorInnen der Innsbrucker Universitäten (UPVI) vergangene Woche die UPV Research Awards 2010 an Ingeborg Hochmair-Desoyer und Erwin Hochmair, an Gottfried Call sowie an Dieter Lukesch. Sektionschef Friedrich Faulhammer, Generalsekretär des BMWF, und Rektor Karlheinz Töchterle hielten die Festvorträge.
Die PreisträgerInnen 2010, v.l.: Univ.-Prof. Dr. Gottfried Call, Univ.-Prof. Dr. Erwin Hochmair und Univ.-Doz. DI Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer und Univ.-Prof. Dr. Dieter Lukesch.
Bild: Die PreisträgerInnen 2010, v.l.: Univ.-Prof. Dr. Gottfried Call, Univ.-Prof. Dr. Erwin Hochmair und Univ.-Doz. DI Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer und Univ.-Prof. Dr. Dieter Lukesch

Nachdem 2009 ein Wissenschafter der Medizinischen Universität Innsbruck, Professor Raimund Margreiter, der ‚Vater der Transplantationschirurgie’, ausgezeichnet wurde, waren heuer ForscherInnen der Universität Innsbruck an der Reihe. „Aufgrund der Größe unserer Universität, ihrer 15 Fakultäten und den vielen ganz unterschiedlichen Forschungsfeldern wurden diesmal vier Wissenschaftlernnen ausgezeichnet. Wir haben uns die Vergabe nicht leicht gemacht und möchten durch die Preisvergabe das durch herausragende Leistungen in verschiedenen Wissenschaftsbereichen gekennzeichnete Lebenswerk der KollegInnen würdigen. Die besondere soziale Dimension der Forschungsleistungen wurden dabei auch mitberücksichtigt,“ erklärte Professor Wolfgang Zach, der Vorsitzende des UPVI.

Die Ausgezeichneten:

Univ.-Doz. DI Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer und Univ.-Prof. Dr. Erwin Hochmair sind auf dem Gebiet der Experimentalphysik führend tätig, beide haben zahlreiche Forschungsarbeiten und Patente aufzuweisen. Gemeinsam haben sie innovative Cochlea-Implantate entwickelt, was vielen Menschen hilft, ihre Taubheit zu überwinden und zur Gründung der weltweit tätigen Firma MED-EL führte, das erfolgreichste Spin-Off Unternehmen der Universität Innsbruck mit über 1000 Beschäftigten. Beide haben bereits Ehrendoktorate der Technischen Universität München und viele andere Ehrungen erhalten.

Univ.-Prof. Dr. Gottfried Call hat über 600 Publikationen aufzuweisen, machte sich v.a. als die Kapazität auf dem Gebiet des Wohnrechts einen Namen und hat auch eine reiche Vortrags- und v.a. auch Beratertätigkeit (u.a. auch bei vielen Gesetzesvorhaben) ausgeübt sowie auch innerhalb der Universität in wichtigen Funktionen gewirkt (Senat, langjähriger Institutsvorstand)

Univ.-Prof. Dr. Dieter Lukesch kann mit seinen Forschungsschwerpunkten der Bildungsökonomie, der Arbeitsmarktökonomie und der Neuen Politischen Ökonomie als Wegbereiter der modernen bildungspolitischen Diskussion bezeichnet werden. In seinen zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen wies er schon früh auf die Zusammenhänge von Bildung und Arbeitsmärkten, Bildung und Wirtschaftswachstum sowie von Bildung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit hin. In seiner politischen Tätigkeit als Abgeordneter zum Nationalrat konnte er sein wichtigstes bildungspolitisches Anliegen, die Universitätsreform 2002, unmittelbar und maßgeblich mitgestalten. Nicht zuletzt wegen dieser Verbindung von Wissenschaft und Praxis wurde Dieter Lukesch auch von seinen Studierenden als didaktisch hervorragender Lehrer geschätzt.

Zentrale Fragen der Universität

Im Rahmen der Festveranstaltung wurden nicht nur die UPV Research Awards an WissenschafterInnen für ihr herausragendes Lebenswerk vergeben, sondern auch zentrale Fragen der Universität als Institution diskutiert. So betonte Univ.-Prof. Dr. Johannes Michael Rainer, der Vorsitzende des Universitätsrates der Universität Innsbruck, in seinen einleitenden Worten die Bedeutung der Erhöhung der Zahl an ProfessorInnen und forderte eine Reform der derzeitigen Form der 'Bologna-Studien'. Univ.-Prof. Dr. Herbert Lochs, Rektor der Medizinischen Universität, hob besonders die Bedeutung der Kooperation mit der Innsbrucker Universität, aber auch mit anderen tertiären Bildungsinstitutionen im Rahmen der kürzlich gegründeten Tiroler Hochschulkonferenz, hervor und plädierte für eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit. Im Anschluss daran stellte Mag.a Christine Oppitz-Plörer, die Bürgermeisterin der Stadt Innsbruck, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Innsbrucker Universität und ihrer WissenschafterInnen und Studierenden dar und gab unter großem Beifall bekannt, dass die Stadt Innsbruck die Innsbrucker Universität durch den Erlass von jährlich 400.000 Euro an Mietkosten sponsern wird. Schließlich hob Landesrat DI Dr. Bernhard Tilg die vielfältigen Kooperationen des Landes Tirol mit der Innsbrucker Universität und ihren ForscherInnen hervor, erwähnte auch die vom Land finanzierten Stiftungsprofessuren und andere Förderungen und ging weiter auf die besondere Bedeutung der Innsbrucker Universität für die gesamte Region Westösterreich und Südtirol ein.

Das Hauptthema der Festveranstaltung sollte in diesem Jahr die Forschung allgemein und die Forschungssituation in Österreich und Innsbruck sein. Die darauf bezogenen Vorträge hielten Rektor Karlheinz Töchterle und Sektionschef Mag. Friedrich Faulhammer, der in Vertretung von Frau Bundesministerin Beatrix Karl gekommen war. Rektor Karlheinz Töchterle wählte „Hervorragende Forschungsleistungen an der Universität Innsbruck in und außerhalb von Rankings" als sein Thema. Er wies darauf hin, dass die Universität Innsbruck, vor allem aufgrund der an ihr erbrachten Forschungsleistungen, kürzlich im wichtigen Times Higher Education Ranking unter die besten 200 Universitäten von über 10000 Universitäten weltweit und als beste österreichischen Universität noch vor der Universität Wien gereiht wurde. Der Rektor der Innsbrucker Universität wies auch auf andere herausragende Erfolge der Innsbrucker Forschung im österreichischen und internationalen Vergleich hervor, im Bereich der Drittmittelakquisition, der Zahl an Publikationen oder auch gewonnener Preise. Beispielhaft hob er international besonders erfolgreiche Forschungsfelder an der Universität Innsbruck hervor, von der Physik und Chemie bis hin zur Latinistik. Er betonte dabei die insgesamt besonders hohe Motivation der Innsbrucker WissenschafterInnen und die Bedeutung ihrer Förderung durch das Management der Universität. Dies wurde vonseiten des UPV bekräftigt.

Sektionschef Friedrich Faulhammer sprach dann in seinem Vortrag über „Aktuelle Herausforderungen in der Wissenschafts- und Forschungspolitik" v. a. die wichtigste aktuell diskutierte Frage an: die Finanzierung der Universitäten und der Forschung in Österreich. Dabei betonte er die Bemühung des BMWF um eine Erhöhung der Mittel, die allerdings nicht nur von der öffentlichen Hand kommen könnten und erhob damit die Forderung nach einer Finanzierung der Universitäten auch durch Studienbeiträge, durch private Sponsoren und die stärkere Vernetzung mit der Wirtschaft. Als Hauptziel des BMWF und der Regierung nannte er die baldige Umstellung der Finanzierung der Universitäten auf eine 'Studienplatzfinanzierung', bei der für die Lehre eine Kostenrechnung für das Studium in den verschiedenen Fächern pro Studierendem zugrunde gelegt wird, wozu noch eine Basisfinanzierung der Forschung hinzukommt. An dieser, schon in mehreren Ländern erfolgreich praktizierten Form der Universitätsfinanzierung würde im BMWF in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, insbesondere der Universitätenkonferenz, intensiv gearbeitet und eine Lösung solle schon 2011 gefunden werden. Dies wurde vom UPV begrüßt, der sich davon eine erhebliche Erhöhung der für die Universität verfügbaren Finanzmittel in der nächsten Leistungsperiode und Verbesserung der Studienbedingungen erwartet und auch bereit ist, wie schon im Rahmen des Hochschuldialogs geschehen, an der raschen Entwicklung eines solchen österreichischen Finanzierungsmodells mitzuarbeiten.

(Wolfgang Zach)

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