Das Universum wächst

Im Oktober traf sich wieder die Crème de la Crème der Physik zum 4. AFI Meeting in Innsbruck. Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen standen neue Entwicklung an der Schnittstelle zwischen Gravitation und der Quantenwelt.
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Bild: Die TeilnehmerInnen des 4. AFI-Symposiums in Innsbruck.

Claudia de Rham von der Universität von Genf sprach über die sich beschleunigende Ausdehnung des Universums und die mysteriöse dunkle Energie, die die Ausdehnung antreibt. Lebt unser Universum vielleicht auf einer Membran in einem noch höher dimensionalen Raum? Über neueste Erkenntnisse aus dem Bereich der „Dunklen Materie“ berichtete Julien Lesgourgues aus Annecy und dem CERN. Diese noch in ihrer Zusammensetzung unbekannte Substanz, die über 80% der Masse des Universums ausmacht, hat ihre Spuren in der kosmischen Hintergrundstrahlung hinterlassen. Harald Fritzsch von der Universität München fragte sich, ob Naturkonstanten wirklich so fundamental konstant sind oder ob sie sich vielleicht mit der Zeit verändern. Neue Präzisionstests werden in quantenoptischen Experimenten ausgeführt.

Schwarze Löcher

Am Nachmittag tauchte Laura Ferrarese vom Herzberg Institute of Astrophysics in Kanada in die Thematik der Schwarzen Löcher ein, die in der Mitte von Galaxien beobachtet werden. Diese supermassiven Strukturen besitzen über das Milliardenfache der Sonnenmasse, und es gibt Anzeichen, dass sie eine entscheidende Rolle in der Dynamik des Universums spielen. Stefano Vitale (Trient) präsentierte das LISA Experiment, das sich mit Gravitationswellen beschäftigt, die von Schwarzen Löchern und anderen starken Gravitationsquellen ausgelöst werden. Zum Abschluss referierte Sandu Popescu (Bristol) über neue Ideen von Quantumeffekten in komplexen Systemen und der Biologie.

Mittelalterliches Banquet

Das AFI-Symposium hat sich zu einem Physik-Fixpunkt am Beginn des Wintersemesters entwickelt, ein mit hochkarätigen WissenschaflerInnen besetztes Diskussionsforum, das auch gerne von Studierenden besucht wird. Es wurde heuer von Steven Bass vom Institut für Theoretische Physik und Barbara Tasser vom Italien-Zentrum organisiert und lockte mehr als 60 BesucherInnen in die Räumlichkeiten der Claudiana. Neben Wissenschaft wurde aber auch Kultur geboten: So wurde das Symposium mit einem mittelalterlichen Banquet, inspiriert vom Kochbuch der Philippine Welser, im Schloß Ambras beendet. Die Tagung wurde dankenswerterweise von der Universität Innsbruck, dem Italien-Zentrum, dem Frankreich Schwerpunkt und dem FWF (P20436) finanziell unterstützt.

(Silvia Prock)

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