Politische Kommunikation im Hochgebirge

Das Internationale Graduiertenkolleg "Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert" (IGK) veranstaltete vom 18. bis 24. September seine Jahresklausur im Universitätszentrum Obergurgl. Neben Vorträgen von internationalen Gastreferenten hatten dabei auch acht NachwuchswissenschaftlerInnen der Universität Innsbruck die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren.
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Bild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahresklausur des Internationalen Graduiertenkollegs "Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert" (IGK)

Welche verschlüsselten Botschaften verbergen sich – nur für die "Eingeweihten" der neuen subversiven Lehre erkennbar – in der Symbolsprache von Frontispizien der frühen Druckschriften des Erasmus von Rotterdam? Wie kommunizieren die äusseren Merkmale von Urkunden gesellschaftliche Hierarchien in der Herrschaftspraxis des frühen Mittelalters? Welche Vorstellungen von Königsherrschaft imaginierten Geschichtsschreiber der Antike bei fremden Reichen, jenseits der damals bekannten Welt? Wie konstruierte und konstruiert Sprache (nationale) Identität(en)? Über Fragen solcher Art, vorgetragen von den eingeladenen Gastreferenten Silvana Seidel-Menchi (Pisa), Mark Mersiowsky (Innsbruck), Reinhold Bichler (Innsbruck) und Gualtiero Boaglio (Wien), diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahresklausur des Internationalen Graduiertenkollegs, die vom 18. bis 24. September – begünstigt von herrlichem Spätsommerwetter – im Universitätszentrum in Obergurgl abgehalten wurde.

 

Das Hauptprogramm der Tagung bestand – über die Vorträge der Gastreferenten hinaus – in der Präsentation und Diskussion der Dissertationsprojekte von insgesamt 19 Doktoranden, die an den Universitäten Frankfurt, Innsbruck, Trient, Bologna und Pavia (von jeweils einem/einer Betreuer/in an zwei Universitäten) betreut werden und die am Ende ihres Studiums ein doppeltes (internationales) Doktorat von zwei der beteiligten Universitäten erhalten. Als erst- und zweitbetreute Doktoranden an der Universität Innsbruck präsentierten acht NachwuchswissenschaftlerInnen ihr spezifisches Thema zur "Politischen Kommunikation": Johanna Leithoff (Alte Geschichte),Tobias Daniels (Mittelalter), Michaela Fahlenbock (Frühe Neuzeit), Francesca Brunet, Pietro Ficcara und Florian Huber (19. Jahrhundert), Enrico Zanette und Veronica Schiavo (Zeitgeschichte). Weitere Referate wurden von den beiden Postdoktoranden des Kollegs, Francesca Cengarle (Bologna) und Marco Platania (Frankfurt), der wissenschaftlichen Koordinatorin des IGK, Lisa Regazzoni (Frankfurt) und drei weiteren assoziierten WissenschaftlerInnen an der Universität Innsbruck vorgetragen.

 

Vizerektorin Margret Friedrich, in der Anfangsphase des IGK selbst als Professorin in die Doktorandenbetreuung eingebunden, eröffnete die Klausur mit einem Rückblick auf die letzten fünf Jahre gemeinsamer Forschungsarbeit im Kolleg und dankte der Sprecherin in Frankfurt, Luise Schorn-Schütte, sowie ihren Mit-SprecherInnen in Trento (Gustavo Corni), Bologna (Angela De Benedictis), Pavia (Daniela Rando) und Innsbruck (Brigitte Mazohl) für die langjährige erfolgreiche Durchführung des Internationalen Kollegs, das lange vor "Bologna" von den beteiligten ForscherInnen ausgearbeitet und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und den beteiligten Universitäten genehmigt wurde und dem für die Geisteswissenschaften im europäischen Hochschulraum Pioniercharakter zukommt.

 

Als Rahmenprogramm hielt der vormalige Leiter des Instituts für Hochgebirgsforschung Gernot Patzelt einen anschaulichen Eröffnungsvortrag über Geschichte und Gegenwart des Ötztals. Ein zusätzliches Angebot stellte eine Präsentation von Robert Rebitsch (Projektservicebüro) über die vielfältigen österreichischen und europäischen wissenschaftlichen Förderprogramme dar. Exkursionen nach Stams und ins Innsbrucker Museum Zeughaus rundeten die anregende Woche ab.

 

Die mittlerweile fünfjährige Erfolgsgeschichte des IGK zeigt sich nicht nur in wichtigen Impulsen, die die Forschungen zur Sprache und zu Normen in politischen Räumen von der Antike bis zum 20. Jahrhundert in die „scientific community“ eingebracht haben, sondern auch in den bisherigen Publikationen, die in einer eigenen Reihe http://www.geschichte.uni-frankfurt.de/igk/Publikationen/index.html erscheinen.

 

Brigitte Mazohl (Sprecherin des IGK in Innsbruck)

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