Linguistischer Arbeitskreis Innsbruck feierte 25er

Einmal im Monat treffen sich die LinguistInnen der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, lauschen Vorträgen, diskutieren ohne Zeitdruck und Profilierungszwang, lernen von- und miteinander: Diese informelle Konstruktion, die den Austausch zwischen Alt und Jung sowie zwischen den Einzelphilologien fördert, heißt Linguistischer Arbeitkreis und besteht bereits seit 25 Jahren.
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Bild: Maria Iliescu hielt zum 25. Geburtstag des Linguistischen Arbeitskreises einen Festvortrag.

Als „ideen- und personenförderndes linguistisches Treibhaus“ bezeichnete Prof. Manfred Kienpointner, der Leiter des Arbeitskreises, diese Institution, deren Nützlichkeit und Fruchtbarkeit sich auch darin zeigt, dass sie bereits mehrere „Ableger“ produziert hat: An der Wirtschaftsuniversität Wien initiierte die dorthin berufene Renate Rathmayr einen Klon des hiesigen Arbeitskreises, der nun schon über 20 Jahre funktioniert; und vor Kurzem haben die Innsbrucker LiteraturwissenschaftlerInnen ein ganz ähnliches Diskussionsforum gegründet.

Festvortrag über Balkansprachbund

Sein 25-jähriges Bestehen feierte der Linguistische Arbeitskreis am 22. Juni im Beisein von Rektor Karlheinz Töchterle und Dekanin Waltraud Frisch-Rößler, und zwar – wie könnte es anders sein – mit einem Festvortrag: Es sprach die Doyenne der Innsbrucker Sprachwissenschaft, Prof. Maria Iliescu, über den „Balkansprachbund aus romanistischer Perspektive“. Wer dieses Thema für abgehoben und nur für Spezialisten interessant hielt, wurde eines Besseren belehrt. Denn was kann es Spannenderes geben als die Frage, ob Rumänisch und Bulgarisch (und noch eine Reihe weiterer Sprachen Südosteuropas) sich deswegen in vielen Punkten ähnlich sind, weil die slawischen Sprachen das (romanische) Rumänisch beeinflusst haben, oder ob es nicht vielmehr so ist, dass das Rumänisch und andere romanische Sprachen das Bulgarische geprägt haben? Ersteres ist die gängige These, letzteres die von Prof. Iliescu vertretene, die sie mit einer ganzen Reihe von Belegen aus den verschiedensten Sprachen und Dialekten schlüssig untermauerte. Dass das Ganze auch ein Politikum ist, und Sprachbünde überall dort postuliert werden, wo Länder politisch „befreundet“ sind, gab dem Thema eine Aktualität und Brisanz, die erst in der Diskussion so richtig herausgearbeitet wurde. Womit sich wieder einmal zeigte, wie anregend und aufschlussreich der interdisziplinäre Diskurs zwischen VertreterInnen der verschiedenen Einzelphilologien sein kann und wie etliche Probleme nur so adäquat gelöst werden können.

Informelle Zusammenarbeit als Erfolgskonzept

Dem Druck zur Institutionalisierung wie auch dem aktuellen Zwang zur Drittmittel-Rekrutierung hat sich der Linguistische Arbeitskreis erfolgreich widersetzt. "Informalität ist präzise seine Stärke, hier muss man nicht Kennzahlen schreiben, sondern kommt, um sich auszutauschen und seinen Geist und seine Fachkenntnisse zu erweitern. Das ist „Scientific community“ at it's best“, schwärmt Arbeitskreismitglied Prof. Eva Lavric. „Das ist auch ideal, um ‚work in progress’, z.B. die Karriereschriften junger WissenschaftlerInnen, laufend zu begleiten. So ganz nebenbei weiß man dadurch auch immer genau, womit sich die KollegInnen beschäftigen, und kann jederzeit etwa einen Diplomanden an ein anderes Arbeitskreismitglied verweisen oder sich selbst bibliographische Hinweise holen“, so die Wissenschaftlerin weiter.

Verblüffender Sprachenmix

Als Kuriosum sei hier die Liste aller Sprachen angeführt, die in den letzten 25 Jahren Thema eines Vortrags im Innsbrucker Linguistischen Arbeitskreis gewesen sind: Altfranzösisch, Altenglisch, Altirisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Breonisch (Ostalpenindogermanisch), Chinesisch (Mandarin), Deutsch, Englisch, Französisch, Gallisch (Festlandkeltisch), Hindi, Hopi (Uto-Aztekisch), Italienisch (Standard-Italienisch und norditalienische Dialekte), Katalanisch, Kymrisch (Walisisch), Latein, Navaho (Na Dene), Neugriechisch, Rätoromanisch (Ladinisch (Grödnerisch), Surselvisch (Graubündnerisch), Rumänisch, Russisch, Shona (Bantu), Sorbisch, Spanisch, Tohono O’odham (Uto-Aztekisch), Türkisch, Ukrainisch, Zimbrisch.

Linguistik für alle

Weil der Arbeitskreis sein Jubiläum nicht nur für sich feiern, sondern auch eine breitere Öffentlichkeit daran teilhaben lassen will, ist geplant, aus Anlass der Jungen Uni / Langen Nacht der Forschung im November ein breites Programm an populärwissenschaftlichen Vorträgen anzubieten.

(ip)

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