Italien nahe erleben

Im Rahmen eines Projektseminars zu italienischer Landes- und Kulturkunde unternahmen Studierende eine Exkursion in die Marken: Am Beispiel der zwischen Adria und Apennin gelegenen Region untersuchten sie die Beziehung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten in Italien vor Ort.
Exkursione "Le Marche"
Bild: Italienische Landes- und Kulturkunde erlebten Studierende bei einer einwöchigen Exkursion in die Marken (Italien).

Eine Fremdsprache lernen und gleichzeitig die Kultur und das Land kennen lernen? Nicht nur die syntaktischen Strukturen einer Sprache vertiefen, sondern auch die Entwicklung eines Landes verstehen? Das war das Ziel des Projektseminars zur Kultur- und Landeskunde „Italia tra città e campagna: Le Marche“ (Italien zwischen Stadt und Land: Die Marken), das vom Institut für Romanistik in Zusammenarbeit mit dem Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck ins Leben gerufen und vom Italien-Zentrum der Universität Innsbruck unterstützt wurde. Die Leitung und Organisation übernahmen Mag. Angelo Pagliardini und Mag. Saverio Carpentieri. Parallel zum Seminar wurde ein Übersetzungsprojekt durchgeführt, in dessen Rahmen Studierende unter der Leitung von Dr. Christiane Böhler Teile der Internetseite des Museums von Mercatello aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzten.

Gute Vorbereitung

Im Laufe des Semesters analysierten die Studierenden den ländlichen Raum des Apennins in den Marken als Beispiel für die Entwicklung des bäuerlichen Lebens in Italien und die Veränderungen, die sich im Zuge der Industrialisierung in diesem Bereich ergaben, sowie die aktuelle Situation und die möglichen Zukunftsperspektiven. In einer vorbereitenden Unterrichtseinheit führten die Kursleiter die Studierenden in das Themengebiet ein und legten die methodischen Kriterien für die Untersuchung fest. Zunächst wurde die Beziehung zwischen Stadt und Land in ihren wesentlichen Aspekten auf nationaler Ebene behandelt und die Entstehung einer urbanen Kultur in Italien in ihrer historischen Entwicklung dargelegt. Anschließend wurden die wichtigsten Merkmale der bäuerlichen Gesellschaft aufgezeigt, um dann das besondere Augenmerk auf Mittelitalien – insbesondere auf die Umgebung von Urbino und das obere Metaurotal – zu legen. Diese Gebiete dienten als Beispiel für die gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen, die Italien nach Beginn der Industrialisierung erlebte, in dem Bestreben, die jahrhundertealten Traditionen zu bewahren, die trotz der schnellen Modernisierung überlebt hatten.

Recherchen vor Ort

Schwerpunkt des Projekts war die Exkursion nach Mercatello sul Metauro, die vom 2. bis 9. Mai stattfand, mit Ausflügen nach Urbania, Urbino, Pesaro, Loreto und Recanati. Die Studierenden konnten vor Ort in Kleingruppen Material zu ihren jeweiligen Themenbereichen sammeln. In der direkten Begegnung mit den Örtlichkeiten und der Bevölkerung des Untersuchungsgebietes bot sich die Gelegenheit zu feldnaher Recherche, zu Interviews und zur Teilnahme an Vorträgen, die Experten der Universität Urbino hielten.
Dank der Kooperation mit dem Fremdenverkehrs- und Gemeindeamt von Mercatello sul Metauro, dem Tourismusreferat und dem Kulturamt der Stadt Urbino sowie der Intendanz des Rossini-Theaters in Pesaro bot sich in der ersten Wochenhälfte der Exkursion die Möglichkeit zur Besichtigung von Museen und diversen Einrichtungen; in der zweiten Wochenhälfte sammelten die Studierenden in selbständiger Arbeit Informationen zu den verschiedenen lokalen Einrichtungen und interviewten die ortsansässigen VertreterInnen der diversen Vereine.

Übersetzungsprojekt für Museum

Unterbringung und Gruppenarbeit erfolgten in Mercatello sul Metauro, wo ein Besuch mit exklusiver Führung durch das Museum des Hl. Franziskus organisiert wurde. Das Museum entstand nach der Restauration der Kirche, die zu einem Franziskanerkloster gehörte; dieses wurde im 13. Jh. gegründet, unter der Herrschaft Napoleons aufgelassen und ist heute Museumssitz und Kulturzentrum. Die Internetseite des Museums bildete das authentische Unterrichtsmaterial für das Übersetzungsprojekt aus dem Italienischen ins Deutsche unter der Leitung von Dr. Christiane Böhler. Die offi¬zielle Übergabe der Übersetzung, mit der das Museum nun auch über einen deutschen Webauftritt verfügt, war der offizielle Höhepunkt der Studienreise.

Nach der Exkursion fanden noch weitere Unterrichtseinheiten zur Nachbereitung statt, in denen die gesammelten Materialien sortiert, neu geordnet und zusammengestellt wurden. Diese Unterlagen werden in einer Online-Datenbank zur Verfügung stehen; eine entsprechende Publikation in Druckversion mit beigefügter, multimedialer CD ist für 2011 geplant.

 

(ip/Saverio Carpentieri/Angelo Pagliardini)

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