Komplexe Beziehungsgeflechte

Dreieinhalb Tage lang entwerfen, programmieren und Modelle bauen - dazu ein dichtes Vortragsprogramm, lebhafte Diskussionen und intensiver Gedankenaustausch: Die Konferenz "Intricate Correlations" brachte Experten, und Studierende von internationalen Universitäten sowie Kooperationspartner aus innovativen Unternehmen Anfang Juni ans Universitätszentrum Obergurgl.
21 bis zu 6m hohe Turm-Prototypen entstanden in Obergurgl. (Foto: Stefan Strappler)
Bild: 21 bis zu 6m hohe Turm-Prototypen entstanden in Obergurgl. (Foto: Stefan Strappler)

Im Zentrum stand der Architekturentwurf unter Verwendung neuester Softwarepakete, die es ermöglichen, komplexe Zusammenhänge zu integrieren. Dabei entstehen von spezifischen Einflussgrößen abhängige Modelle ("Proto-Architekturen"). „Diese können am Rechner über Parameter gesteuert, entwickelt und beurteilt werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Energieoptimierung von Gebäuden und Gebäudehüllen gelegt“, erklärt DI Michael Budig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Innsbrucker Institut für Experimentelle Architektur. Der nachhaltige und ökonomische Umgang mit Material in der Herstellung geometrisch komplexer Bauteile ist ein weiteres Ziel.

Internationale Experten

Bei der Tagung in Obergurgl analysierten Stars der internationalen Architekturszene wie Patrik Schumacher von Zaha Hadid Architects (Nordkettenbahn Innsbruck, Opernhaus Guangzhou - China) und Tobias Walliser (Mercedes-Museum Stuttgart) gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen. Als Gesprächspartner saßen ihnen ebenso renommierte Konstrukteure gegenüber: Harvard-Lehrer Hanif M. Kara (akt consulting and structural engineers, Britischer Expo-Pavillon 2010) und Lawrence Friesen vom Design Research Laboratory (DRL) an der Architektenschmiede AA in London. „Man kann davon ausgehen, dass es nicht mehr Aufgabe der Architektur ist, für spezifische Situationen und Anforderungen 'einzigartige' Lösungen zu erschaffen. Die zur Verfügung stehenden, digitalen Werkzeuge ermöglichen stattdessen einen offeneren Zugang: die Erzeugung von gut steuerbaren, vielfältig adaptierbaren Proto-Architekturen. Typologische Grundkonzepte können auf intelligente Weise innerhalb einer großen Bandbreite an interne und externe 'Randbedingungen' eingebettet und angepasst werden“, so Patrik Schumacher in der Diskussion. Die spannenden Kommentare und Berichte aus der Praxis wurden von den aus Italien, Deutschland, den USA, Taiwan und Innsbruck angereisten Teilnehmern mit größtem Interesse aufgenommen.

Teilkonstruktionen aus Holz

In Workshops wurde anschließend versucht, diese neuen Ansätze in die Praxis umzusetzen. Eine besondere Rolle spielen dabei heimische Firmen, die bei Einsatz von Technik auf dem Letztstand gleichzeitig den Wissensfülle des traditionellen Handwerks einbringen können, berichtet Luckeneder. So entstanden bei der Firma Grüner aus digitalen Modellen, die mit kalifornischer Software von Gehry Technologies entwickelt wurden, reale Teilkonstruktionen aus Holz.

 

„Eine Herausforderung bestand darin, die am Bildschirm entstandene Entwürfe in echte, filigrane Holzstrukturen umzusetzen“, erklärt DI Valentine Troi vom Institut für Experimentelle Architektur, die auch im Organisationsteam gearbeitet hat. Die 21 bis zu 6m hohen Turm-Prototypen, die von Studierenden konzipiert und im Freien gebaut wurden, bewährten sich in der windigen Höhenlage. Dieser Park an Modellen gefiel den Obergurglern: er wurde nicht abgebaut und kann weiterhin besichtigt werden.

Kooperation mit Unternehmen

Einen besonderen Einblick in die Möglichkeiten von Herstellern gewährte der Vortrag von Wolfgang Rieder: sein Unternehmen fibreC produzierte nicht nur die inzwischen weltbekannte Fassade für das Soccer City Stadium in Johannesburg, sondern forscht auch intensiv an Materialinnovationen und digital anpassbaren Produktionsmethoden.

 

Auch die Kooperation mit dem Metallbauunternehmen Frener&Reifer aus Südtirol soll dem Forschungsansatz dienen, den Produktionsweg von der Entwurfsidee bis zum fertigen Architekturelement digital zu gestalten.

 

Die Modellprogrammierung, das sogenannte Scripting, bildet dafür die Grundlage. Nicht nur einzelne Zahlenwerte, sondern der Entwurf in seiner formalen und technischen Komplexität bleibt so über den gesamten Prozess hinweg anpassbar.

Teilnehmende Universitäten:

institut für experimentelle architektur.hochbau; Universität Innsbruck/Österreich | Die Angewandte; Wien/Österreich | Technische Universität Graz, Österreich | Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart; Deutschland | Feng Chia University, Taiwan | Georgia Instititute of Technology, Atlanta, GA/USA.

(ip)

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