Fünf – sieben – fünf

Das ist keine Telefondurchwahl, sondern die Silbenzahl der berühmtesten japanischen Gedichtform: des Haikus. In einem Projekt, das mit Übersetzen begann und mit kreativem Schreiben endete, setzten sich Studierende der Romanistik und der Translationswissenschaft mit dieser Gedichtform auseinander.
Die Haikus von Christian Loidl wurden im Rahmen eines Seminars übersetzt.
Bild: Die Haikus von Christian Loidl wurden im Rahmen eines Seminars übersetzt.

Bei einer Lesung der Romanistin Eva Lavric im Literaturhaus am Inn wurden Muryel Derlon vom Institut für Translationswissenschaft und Carla Leidlmair-Festi vom Institut für Romanistik auf die klassische japanische Gedichtform aufmerksam, die in den Zeiten der Beat Poets und der Hippie Generation auch im Westen populär wurde. „Der Geist der Haikus besteht darin, dass sie ein Fenster in unserem Bewusstsein aufreißen und Denk- und Gewohnheitsmuster durchbrechen“, erklärt Eva Lavric. „Meine Kolleginnen waren der Meinung, dass sich Haikus hervorragend für Übersetzungsübungen eignen würden“, so die Romanistin.

 

Ausgehend vom Haiku-Band „nachtanhaltspunkte“ des Lyrikers Christian Loidl (1957-2001) versuchten Muryel Derlon und Carla Leidlmair-Festi zuerst mit ihren Studierenden, die einfach erscheinenden Gedichte ins Französische und ins Italienische zu übersetzen. „Dabei zeigte sich, dass gerade die Einfachheit in der Kunst das Schwierigste ist und dass man in der Translation oft vor der Wahl steht, entweder die Form oder den Geist eines Gedichts getreu wiederzugeben – bis nach langem Suchen und Tüfteln manchmal die rettende Inspiration kommt, die beides vereinigt“, beschreiben die Lehrveranstaltungsleiterinnen die Erfahrungen ihrer Studierenden.

 

Am Ende haben sich die Französisch-Studierenden von Muryel Derlon und die Italienisch-Studierenden von Carla Leidlmair-Festi selbst vom Haiku-Virus anstecken lassen und fünf-sieben-fünf-Gedichte geschrieben. Diese wurden im Anschluss von der Romanistin Eva Lavric ins Deutsche übersetzt.

Leseperformance

Am Dienstag, dem 1. Juni um 19.30 Uhr wird das Ergebnis dieses dreisprachigen Projekts im Claudiasaal in der Claudiana präsentiert. Mit zahlreicher Patronanz (Romanistik, Tranlsationswissenschaft, Italienzentrum, Frankreichschwerpunkt, InnContri, farnblüte) gestalten die Studierenden unter dem Titel „Von jetzt bis jetzt“ eine Leseperformance mit Musik (Leo Scola, der einem Banjo ganz und gar japanische Klänge entlockt) und anschließendem Buffet. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

 

(ip)

 

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