Lyrik hautnah – Lyrikpreis Meran 2010

Am 06. Mai war es wieder soweit: Studierende des Innsbrucker Germanistik-Instituts verließen gemeinsam mit Prof. Wolfgang Wiesmüller, Prof. Sieglinde Klettenhammer (FB Neuere deutsche Literaturwissenschaft) und Dr. Ruth Esterhammer (FB Angewandte Literaturwissenschaft) Seminarräume und Bibliothek und machten sich auf den Weg nach Meran zur Vergabe des Meraner Lyrikpreises 2010.
Prof. Wolfgang Wiesmüller vom Germanistik Institut der Universität Innsbruck überreicht Christian Rosenau den Preis der Jury.
Bild: Prof. Wolfgang Wiesmüller vom Germanistik Institut der Universität Innsbruck überreicht Christian Rosenau den Preis der Jury.

Dieser Literaturpreis, der 1992 erstmals ausgeschrieben wurde, wird alle zwei Jahre vergeben und ist neben dem Leonce-und-Lena-Preis und dem Christine-Lavant-Preis einer der bedeutendsten und renommiertesten Lyrikpreise im deutschsprachigem Raum. Das Echo der internationalen Presse auf die Preisvergabe ist sehr groß. In diesem Jahr feierte der Meraner Lyrikpreis seine 10. Ausgabe.

 

Vorausgegangen war der Exkursion eine mehrwöchige Vorbereitung auf dieses wichtige öffentliche Ereignis, das eine sonst eher stiefmütterlich behandelte literarische Gattung für drei Tage in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Im Rahmen der von Prof. Wolfgang Wiesmüller geleiteten Lehrveranstaltung „Spezialgebiete der Literaturvermittlung: Gegenwartslyrik und ihre literaturkritische Bewertung“ bekamen die Studierenden die Gelegenheit, sich intensiv mit Theorie und Praxis literarischer Wertung sowie mit Formen aktueller Lyrik auseinanderzusetzen. Die Gedichte der neun FinalistInnen – Undine Materni, Carsten Zimmermann, Ulrich Koch, Myriam Keil, Eva Christina Zeller, Andre Rudolph, Manfred Enzensperger, Sünje Lewejohann und Christian Rosenau – wurden genauesten auf Vers und Bild, Satzbau und Rhythmus, Sprache und Ausdruck hin geprüft und unter die literaturkritische Lupe genommen. Zusätzlich an Spannung gewannen die Diskussionen, da Prof. Wiesmüller selbst seit 2002 Mitglied der Jury zum Meraner Lyrikpreis ist, der Ilma Rakusa (Autorin, Zürich), Christoph Buchwald (Kritiker, Amsterdam, seit 2010), Ulla Hahn (Autorin, Hamburg), Hans Jürgen Balmes (S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main) angehören.

 

Die Exkursion konfrontierte die GermanistInnen in spe dann hautnah mit dem Literaturbetrieb, seinen Institutionen, seinen Ritualen und Mechanismen. Zwischen 6. und 8.Mai konnten die Studierenden in Meran an den Lesungen der FinalistInnen und an den daran anschließenden Gesprächen der Jury, die die Preisträgerinnen/Preisträger ermittelte, teilnehmen und mit den eingeladenen Autorinnen und Autoren in Kontakt treten. Am 8. Mai fiel dann die Entscheidung. Der Lyrikpreis Meran 2010 (8.000 Euro) erging an Andre Rudolph, der Alfred-Gruber-Preis (3.500 Euro) an Sünje Lewejohann, der Medienpreis des RAI Sender Bozen (2.500 Euro) an Carsten Zimmermann und der Preis der Jury (1.000 Euro) an Christian Rosenau.

 

Vertreterinnen und Vertreter des Germanistik Instituts der Universität Innsbruck sind seit der Gründung des Meraner Lyrikpreises aktiv in die Jury-Entscheidung eingebunden. So gehörte Prof. Johann Holzner von Beginn an der Hauptjury und dem Planungsteam um den Meraner Bürgermeister Franz Alber und um Alfred Gruber, dem 1998 verstorbenen Mitbegründer des Meraner Lyrikpreises und Leiter des „Kreises Südtiroler Autoren“ im Südtiroler Künstlerbund, an. Nach dem Ausscheiden von Prof. Holzner wechselte Prof. Wolfgang Wiesmüller 2002 von der Vorjury, die aus mehreren hundert Einsendungen, eine Vorauswahl trifft, in die Hauptjury. Prof. Sieglinde Klettenhammer übernahm 2002 seinen Platz in der Vorjury. 2008 wurde sie von Dr. Ruth Esterhammer abgelöst. Der Meraner Lyrikpreis war mit der Intention gegründet worden, „ein breiter angelegtes Gespräch über Lyrik“ zu führen, er wollte den nach Meran eingeladenen Autorinnen und Autoren „ein qualifiziertes Gespräch über die vorgetragenen Gedichte anbieten“ – ein Vorhaben, das, wie die studentischen Reaktionen bestätigen, eingelöst wurde.

(ip)

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