edition laurin: iup präsentierte neue Belletristikreihe

innsbruck university press präsentierte vergangenen Donnerstag im Rahmen einer Lesung mit Helene Flöss, Wolfgang Hermann und Birgit Unterholzner im Literaturhaus am Inn die ersten drei Bände der edition laurin.
v.l. VR Märk, Birgit Unterholzner, Birgit Holzner, Helene Flöss, Wolfgang Hermann und Rektor Töchterle
Bild: v.l. VR Märk, Birgit Unterholzner, Birgit Holzner, Helene Flöss, Wolfgang Hermann und Rektor Töchterle

Nach einer Begrüßung durch Rektor Karlheinz Töchterle freute sich auch Vizerektor Tilmann Märk
 über die erfolgreiche Fortsetzung der von ihm initiierten Belletristikreihe. Aufgabe der Universität ist es Herausragendes aus Wissenschaft und Kunst zu fördern, weshalb es seit Frühjahr mit der edition laurin ein eigenes Belletristiklabel an der Universität Innsbruck gibt.

 

laurin steht für das Programm des Verlages: sein Zaubergürtel, der ihm Energie verleiht und seine Tarnkappe, mit der er unsichtbar zu sein glaubt. Vor allem dieses Unsichtbare spielt in allen drei präsentierten Büchern eine große Rolle, sie zeichnen sich durch das Spannungsverhältnis Wirklichkeit – Unwirklichkeit aus. „Das Unsichtbare, das Unsagbare auszudrücken, ohne es auszusprechen, ist zweifelsohne ein wichtiges Kriterium für Literatur, drückt es doch die künstlerische Suche nach sich selbst aus. Um mit Gustave Flaubert zu sprechen: "Was mir schön erscheint und was ich machen möchte, ist ein Buch über nichts, ein Buch ohne äußere Bindung, das sich selbst durch die innere Kraft seines Stils trägt, so wie die Erde sich in der Luft hält, ohne gestützt zu werden, ein Buch, das fast kein Sujet hätte, oder bei dem das Sujet zumindest fast unsichtbar wäre", so Dr. Birigit Holzner, die Leiterin von innsbruck university press.

 

Im Roman "Mütterlicherseits" arbeitet die in Brixen geborene Helene Flöss auf sehr persönliche Weise die Beziehung zu ihrer Mutter auf. Vor allem aus der Perspektive von Lili wird deren Mutter, eine passionierte Schneiderin beschrieben, woraus sich eine sehr berührende Familiengeschichte entwickelt. Es sind vor allem die Bilder, oft Motive aus der Schneiderstube, die diesen Roman ausmachen: „Du klaubst alles Gewesene zusammen, seit jeher. Alles Längstverjährte, alles Längstvergangene. Wie der Pilzesucher seinen geheimen fleckigen Sack, so ziehst du deine Erinnerung hinter dir her“, heißt es in "Mütterlicherseits"

 

"Es ist unglaublich, jeder trägt einen unsichtbaren Sack, gefüllt mit Vergangenheit. Dem einen wiegt Geschichte, als schleppe er Pflastersteine, dem anderen, als flögen darin Schmetterlinge" in Birgit Unterholzners Debütroman "Flora Beriot". Es ist die Geschichte einer deutsch-italienischenKünstlerfamilie. Auch in diesem Roman spielt die abwesende Vaterfigur eine wichtige Rolle. Die Hauptfigur Flora Beriot ist Goldschmiedin. Eines Tages kommt ein Mann Mitte Vierzig in ihre Werkstatt und erklärt, er wolle ein Buch über sie, die Tochter des Malers Jakob Beriot schreiben. Flora fühlt sich von der unerwarteten Vertrautheit zu diesem Fremden angezogen und erzählt ihm ihre Lebensgeschichte. Es stellt sich heraus, dass ihr Vaterbild der Wirklichkeit nicht standhält und die Wahrheit sich nicht mehr finden lässt, denn die Wahrheit ist immer eine Frage der Perspektive im Roman der Südtirolerin.

 

Der Erzählband "In Wirklichkeit sagte ich nichts" des Vorarlbergers Wolfgang Hermann enthält neun unterschiedlich lange Erzählungen, die von unsichtbaren Fäden zusammengehalten werden. In der ersten Erzählung mit dem Titel "Die tunesische Nacht" steht der Erzähler am Fenster eines Hochhauses und blickt auf die beleuchtete Stadt. Er erinnert sich an verschiedene Episoden, die sich in Tunesien und einer nördlichen Stadt ereignet habe, wie das Bild eines Fotografen, der einem alten Mann, ruhig wie man einem Kind den ersten Zug zeigt, das Haus seines verlorenen Sohnes zeigt. "In Wirklichkeit sagte ich nichts" der Monolog eines heruntergekommenen Mannes, der lieber auf einem Gitter über einem Pariser Métro-Schacht sitzt und dafür ein Leben führen kann, das ihm ganz allein gehört, als auf der Hinterbühne des Alltags zu zerbrechen. Das hat er mit vielen Figuren gemein, die in diesem Erzählband vorkommen. Es geht darin um Randfiguren, um Zeitdiebe, die sich dem Alltag verweigern, wie es vielleicht auch das Schriftstellerdasein mit sich bringt. Die Erzählungen leben von der Leichtigkeit unter ihrer dunklen Seite, von einem warmen Ton, von einem unsichtbaren Band, das sie zusammenhält.

(ip)

 

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