Brisante Themen der Geschlechterforschung

Im feministischen Diskussions- und Austauschforum „Innsbrucker Gender Lectures“, veranstaltet von der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung, diskutieren Mitglieder und ausgewählte internationale Gäste brisante Themen und theoretische Grundlagen der Geschlechterforschung. Am 19. Jänner fand die letzte Veranstaltung im laufenden Semester statt.
Michaele Ralser und Maria Heidegger beendeten die Gender Lectures im WS 09/10.
Bild: Michaele Ralser und Maria Heidegger beendeten die Gender Lectures im WS 09/10.

Mit den Gender Lectures wollten die Verantwortlichen die Wissensvernetzung innerhalb der Forschungsplattform stärken  und die Vernetzung mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen anderer Universitäten unterstützen. An den einzelnen Terminen hatten die Vortragenden die Möglichkeit, ihre Forschungsarbeiten einem breit eingeladenen Publikum vorzustellen. An den Vortrag anschließende Kommentare eröffneten alternative Sichtweisen auf die jeweilige Thematik.

 

Die renommierte Geschlechterforscherin Gudrun-Axeli Knapp eröffnete im Frühjahr 2009 die Veranstaltungsreihe mit Reflexionen über die feministische Terminologie: „Transbegriffe´, ´Paradoxie´, ´Intersektionalität´...: Veränderungen im Vokabular feministischer Gesellschaftsanalyse“, kommentiert von Prof. Erna Appelt, Politikwissenschaftlerin und Leiterin der FP Geschlechterforschung.

 

Im Sommersemester 2009 reichte die thematische Bandbreite von feministischen Perspektiven auf Basis der Heteronormativitätskritik (Christine Klapeer, Universitäten Wien und Graz) über das konkrete historische Projekt „Transgender Personen in der Antike“ (Kordula Schnegg, Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik) bis zur Thematisierung der Orientierung an Männlichkeitsstereotypen als mögliche Bildungsblockade für Jungen (Jürgen Budde, Universität Halle).

 

Die historische Perspektive, zentral in den Vortragsabenden im Wintersemester 2009/2010, führte von den Friedensaktivistinnen und ihrem internationalen politischen Engagement im Gegensatz zum herkömmlichen nationalstaatlichen Denken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Laurie Cohen, Institut für Politikwissenschaft) bis zu den Künstlerinnen Leonora Carrington und Remedios Varo, die mit ihren Bildern und Werken in den 1930er und 1940er Jahren in ihrem Anspruch auf „gender trouble“ in einem literarisch-künstlerischen Raum eine Reihe von Themen vorweg nahmen, welche den Diskurs der vergangenen zwei Jahrzehnte wesentlich geprägt haben.

 

In der 7. Innsbrucker Gender Lecture am 19. Januar 2010 präsentierte Michaela Ralser im Vortrag „Die Klage des Subjekts“ ihre Habilitation. Sie stellte darin fest, dass die herausragende Deutungsmacht der Psychiatrie Anfang des 20. Jahrhunderts auf das Körper-Seele-Verhältnis (Sexualisierung, Eugenisierung) bis heute Einfluss auf den Normalitätsbegriff der Ordnung der Geschlechter – vollzogen auch über die machtvollen Instrumente der Justiz, des Militärs, der Schule und des Versorgungswesens – hat.

 

Vorschau

Im Sommersemester 2010 werden mit den Gästen Olivia Espin, Professorin im Bereich Women´s Studies in San Diego, Martin Dannecker, Sexualwissenschaflter und Psychotherapeut in Berlin, Elisabeth Holzleitner, Rechtswissenschaftlerin an der Universität Wien und dem Dekan der Betriebswirtschaft Albrecht Becker gemeinsam mit Ulrike Marx, Institut für Organisation und Lernen, die Innsbrucker Gender Lectures weitergeführt.

 

Nächster Termin:


8. Innsbrucker Gender Lecture: “Female Saints: Submissive or Rebellious? Feminist in Disguise?”
Vortragende: Olivia M. Espin, Professor Emerita of Women´s Studies at San Diego Stat University
Kommentatorin: Laurie Cohen, Institut für Politikwissenschaft
Zeit: Donnerstag, 18. März 2010, 19:00 – 21:00
Ort: SOWI, Fakultätssitzungszimmer im 3. Stock, Universitätsstraße 15, Universität Innsbruck

 

(ip)

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