SlawistInnen im Zeichen der Macht

Das 6. Interdisziplinäre Forum österreichischer SlawistInnen (ifös) lud am 23. und 24. Oktober zur Tagung „Spielformen der Macht“.
Österreichische SlawistInnen trafen sich in Innsbruck
Bild: Österreichische SlawistInnen trafen sich in Innsbruck

Wie wirkt sich Macht in Wissenschafts- und Literaturbetrieb, Film- und Medienwelt, Politik und Gesellschaft im slawischen Raum aus? Inwiefern prägen etablierte Institutionen und deren Begriffe Produktion und Produkte, wie literarische Werke, Filme, Medientexte, Übersetzungen und die Sprache? Neben der Erörterung dieser Leitfragen zur Macht in ihren unterschiedlichen Aspekten war es Ziel der Tagung, den fachlichen Austausch von Slawistinnen und Slawisten im Dissertations- und Habilitationsstadium unter einem interdisziplinären Ansatz zu fördern.

 

Zur Eröffnung referierte Wolfgang Stadler (Innsbruck), Begründer des ifös, über Ergebnisse seiner Analyse der Tagungsabstracts sowie von Internet-Korpora nach den Wörtern „Macht“ im Deutschen und „vlast’“ im Russischen, ihren Kontexten und Häufigkeiten. Aspekte der Macht in russischen Medientexten behandelten Ch. Roner (Innsbruck) und St. Schneider (Heidelberg), der diese Perspektive um übersetzungswissenschaftliche Betrachtungsweisen ergänzte. Die Macht von ÜbersetzerInnen im Literaturbetrieb und als Akteure thematisierten M. Bodnar (Wien), A. Petrova (Innsbruck) und M. Dabić (Wien). Der Vortrag von M. Kolesnik-Eigentler (Innsbruck) beschäftigte sich indes mit der LehrerInnenrolle und der Macht von Lehrpersonen.

 

Zu Auswirkungen von Macht auf das Filmschaffen referierten M. Bartos (Innsbruck) bezogen auf die Sowjetzeit, T. Simeunović (Basel) mit Bezug auf das jugoslawische Kino. K. Mihurko Poniž (Nova Gorica) ging in diesem Kontext auf die Literaturlandschaft in Slowenien im 19. Jhdt. ein, C. Göls (Wien) auf die russische literarische Produktion im Exil. Das Zusammenspiel von Literatur, Macht und Medien beschäftigte Y. Pörzgen (Bremen), die Rolle der Medien in der Etablierung russischer Machtverhältnisse kam im Vortrag von M. Smyshliaeva (Frankfurt/Oder) zur Sprache. Einen historischen Ansatz zu Medien als Propagandainstrument bot der Vortrag von S. Kirschbaum (Regensburg). N. Budnikova (Wien) referierte zur Entwicklung der Standardsprache der Russophilen in Galizien und den unterschiedlichen Einflüssen in diesem Prozess. Zur Macht im Kunstbetrieb referierten Th. Skowronek (Berlin) am Beispiel der Moskauer Galerien und J. Fertig (Greifswald) zum Archivbegriff des Moskauer Konzeptualismus.

 

Reflexionen von Macht in literarischen Werken beschäftigten M. Brunová (Salzburg), G. Gierzinger (Innsbruck), A. Holzmann (Trier), E. Kowollik (Halle-Wittenberg), I. Ganschow, (Trier), I. Gradinari (Trier), M. Kuklová (Wien) und P. Deutschmann (Graz). Dabei wurden Werke der russischen, serbischen und tschechischen Literatur berücksichtigt, wobei auch Genderaspekten Rechnung getragen werden konnte. Machtbilder im Propagandaplakat behandelte I. Jermakova (Bochum), Machtaspekte in Liedtexten T. Kraft (München), in Moskauer Kleidungspraktiken K. Klingseis (Wien). A. Heftberger (Wien) referierte zur Praxis der Nachbearbeitung sowjetischer Propagandafilme. Das Filmschaffen von Dokumentarfilmern abseits des Machtzentrums Moskau thematisierte S. Hölzl (Innsbruck).

 

Im Abschlussplenum wurde die Frage nach dem Vorherrschen Michel Foucaults und seiner Machtauffassung in den wissenschaftlichen Beiträgen mit zahlreichen Wortmeldungen diskutiert u.a. mit dem Ergebnis, dass die unterschiedlichen Disziplinen durch den Verweis auf Foucault einen lohnenden Anknüpfungspunkt finden konnten. Neben dem wissenschaftlichen Austausch bot das Rahmenprogramm der Tagung zahlreiche Gelegenheiten, das kollegiale Miteinander in entspannter Atmosphäre anzuregen.

Die Tagung wurde von den NachwuchswissenschaftlerInnen der Innsbrucker Slawistik Georg Gierzinger, Sylvia Hölzl und Christine Roner organisiert und war eine Veranstaltung des Interdisziplinären Forums österreichischer SlawistInnen, das im Rhythmus von zwei Jahren an den unterschiedlichen Slawistik-Instituten Österreichs stattfindet, und nun in Innsbruck, dem Gründungsort des ifös, sein zehnjähriges Bestehen feierte.

(ip)

Link: Institut für Slawistik