Ehrenbürgerschaft für Innsbrucker Archäologin in Italien

Für die passionierte Erforschung der Geschichte der antiken Griechenstädte Siris und Herakleia am Golf von Tarent, wurde a.o. Univ.Prof. Dr. Brinna Otto vom Institut für Archäologien am 19. September 2009 die Ehrenbürgerschaft von Policoro verliehen.
Prof. W. Leitner, Prof. B. Otto, Dr. N. Lopatriello (Bürgermeister, Policoro), Dr. S. Bianco (Direktor des Museo Nazionale della Siritide, Policoro), Prof. M. Tschurtschenthaler, Prof. M . Osanna (Universitá degli Studi della Basilicata) und S. Di Sanza (Consigliere Provinciale)
Bild: v.l.: Prof. W. Leitner, Prof. B. Otto, Dr. N. Lopatriello (Bürgermeister, Policoro), Dr. S. Bianco (Direktor des Museo Nazionale della Siritide, Policoro), Prof. M. Tschurtschenthaler, Prof. M . Osanna (Universitá degli Studi della Basilicata) und S. Di Sanza (Consigliere Provinciale)

Im Zuge der Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Stadt Policoro, der modernen Nachfolgesiedlung von Siris/Herakleia, wiesen die hohen Vertreter von Wissenschaft und Politik auf die große Bedeutung der langjährigen Zusammenarbeit zwischen Italien und der Universität Innsbruck hin. „Es erfüllt uns mit Freude und Dank, dass die Stadt Policoro, ein Ort mit klangvollem Namen in der an der Antike interessierten Welt, einer unserer verdienten MitarbeiterInnen die Ehrenbürgerschaft verleiht. Es ist eine große Ehre nicht nur für Frau Dr. Otto, sondern auch für die Universität Innsbruck!" Mit diesen Worten bedankte sich Rektor Prof. Karlheinz Töchterle bei den Ehrengästen und Bürgern von Policoro für die höchste Auszeichnung, die eine Stadt zu vergeben hat.

 

Prof. Dr. Walter Leitner, der Leiter des Instituts für Archäologien der Universität Innsbruck, verwies auf die Bedeutung der interuniversitären Zusammenarbeit zwischen Italien und Österreich in Policoro seit über vier Jahrzehnten: “Diese archäologischen Ausgrabungen ermöglichen die Forschung und das Studium an sakralen und urbanen Baustrukturen einer Stadt der Magna Grecia. Ein hoch einzuschätzendes Unternehmen wobei sowohl Wissenschaftler als auch Studenten in den Vorteil kommen, mit Originalfunden arbeiten zu können. Aus diesem Projekt resultieren zahlreiche Publikationen von internationalem Wert, die nicht nur von der neuen Ehrenbürgerin Brinna Otto, sondern auch von den diversen studentischen Grabungsteilnehmern stammen.”  

 

Der Bürgermeister von Policoro Dr. Nicola Lopatriello begründete die Verleihung der Ehrenbürgerschaft mit der "appassionata ricerca svolta presso gli scavi di Herakleia, ai fini della scoperta delle radici e dell’identità delle popolazioni stanziate sul territorio all’epoca della Magna Grecia e per le relative pubblicazioni di rilevante spessore scientifico che oggi danno positivo risalto a questa località“.

 

Prof. Dr. Michael Tschurtschenthaler, der Leiter der österreichischen Ausgrabungen in Policoro, sah die Feier zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft  als Symbol für die glückliche Zusammenarbeit von Archäologie und moderner Stadtentwicklung. In den fünf Jahrzehnten seit dem Beginn der archäologischen Forschungen und der Gründung von Policoro sind die Stadt und der archäologische Park samt Nationalmuseum gedeihlich nebeneinander zu beachtlicher Größe herangewachsen.

 

Policoro und sein Demeterheiligtum

Siris und Herakleia, die beiden antiken Vorgängerstädte des heutigen Policoro, gehörten zum Kranz der griechischen Kolonien, die an der Küste Süditaliens vom 8. -5. Jh. v. Chr. gegründet wurden. Die Bewohner beider Städte verehrten eine Göttin der Feld- und Jahresfrüchte in einem Quellheiligtum. Dieses lag ursprünglich außerhalb der Stadtmauer des archaischen Siris. Nach der Gründung von Herakleia wurde es ins Stadtgebiet einbezogen.

Zahlreiche Weihinschriften der Herakleiazeit nennen Demeter als Göttin des Heiligtums. Dieses Heiligtum wurde 1964 entdeckt. 1965 begann seine Freilegung unter Prof. Bernhard Neutsch. Zwischen 1989 und 2003 leitete Prof. Otto die Ausgrabungen, seit 2004 steht Prof. Tschurtschenthaler an der Spitze der "Missione Archeologica" der Universität Innsbruck.

 

Zur Person

Brinna Dorothea Otto wurde am 21.7.1938 in Mannheim geboren. Nach ihrer Promotion in Klassischer Archäologie an der Universität Heidelberg war sie als Assistentin an den Universitäten Heidelberg und Würzburg tätig. 1972 kam sie nach Innsbruck, wo sie sich 1983 in Klassischer Archäologie habilitierte. 1984 erhielt sie den Titel "a.o. Univ.Prof.". 1983 bis 2002 war sie Leiterin der Magna-Graecia-Forschungsstelle. 1989 bis zu ihrer Pensionierung 2003 war sie mit der Führung der Ausgrabungen im Demeterheiligtum von Policoro betraut. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die vor- und frühgriechische Kultur in der Ägäis, die griechische Kultur der Magna Graecia und die Entwicklung des griechischen Ornaments.

(ip)

Link: Institut für Archäologien