Forschungen in eisigen Räumen

Am vergangenen Freitag fand im Kaiser Leopold Saal ein Symposium über Forschungen auf Alpengletschern, in der Antarktis und am Eismann statt. Anlass war der 70. Geburtstag von Prof. Gernot Patzelt, den diese Themen sein Forscherleben lang antrieben. Zahlreiche Gratulantinnen und Gratulanten erwiesen ihm die Ehre.
Rektor Karlheinz Töchterle gratuliert dem Jubilar Prof. Gernot Patzelt.
Bild: Rektor Karlheinz Töchterle gratuliert dem Jubilar Prof. Gernot Patzelt.

Als Prototypen eines Forschers beschrieb Rektor Karlheinz Töchterle den Jubilar Gernot Patzelt beim Geburtstagssymposium am vergangenen Freitag im Kaiser Leopold Saal. Es seien zwei Aspekte, die er besonders an Patzelt schätze: Dass er aus Sicht der Wissenschaft immer wieder Stellung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen beziehe, sowie seine interdisziplinären Ansätze, die Patzelt als Forscher an der Grenze von Geographie, Meteorologie, Geologie, Archäologie und Geschichte stets gepflegt hat. Auch Dekan Martin Coy betonte, dass Patzelt während seiner Laufbahn zahlreiche Forschungsfelder maßgeblich geprägt hat.

Forscht weiterhin mit voller Enerige

Gernot Patzelt ist eine außergewöhnliche Forscher- und Lehrerpersönlichkeit. Er hat mit seinen Forschungsleistungen nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Hochgebirgs- und Gletscherforschung in Tirol geleistet, sondern auch Generationen von Studierenden in ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung geprägt. Seine Forschungen bewegten sich stets in eisigen Regionen: auf Alpengletschern, in der Antarktis und um den Eismann. Patzelt wurde 1939 geboren, schloss das Studium der Geographie 1968 in Innsbruck ab und habilitierte sich 1979. Von 1980 bis 1999 war er Leiter des Forschungsinstituts für Hochgebirgsforschung und der Alpinen Forschungsstelle Obergurgl, danach Vorstand des Instituts für Hochgebirgsforschung und Alpenländische Land- und Forstwirtschaft. 2004 wurde Patzelt pensioniert, was ihn aber nicht daran hinderte, weiterhin voller Energie an seinen Lieblingsthemen weiterzuforschen, wie Dekan Coy mit Bewunderung anmerkte.

 

Vielfältige Forschungstätigkeit

Zu Patzelts Arbeitsschwerpunkten zählen vor allem die Gletscher- und Klimaforschung sowie die historische Natur- und Kulturlandschaftsentwicklung im alpinen Bereich. Sein interdisziplinärer Ansatz ist für moderne wissenschaftliche Arbeitsweisen vorbildhaft. Im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses standen von Anfang an gletscherkundliche Fragen. Sie führten Patzelt auf Expeditionen durch die ganze Welt – in die Antarktis, in den Himalaja, nach Afghanistan, nach Grönland und Afrika. Aufgrund seines internationalen Engagements verfügt er über ein weltumspannendes Netzwerk an Forschungskontakten. Patzelt war auch an den Forschungen zum „Ötzi“-Fund beteiligt. Am 25. September 1991 fand er, kurz nach der Entdeckung der Gletschermumie, dessen Köcher mit 12 Pfeilen. In der Folgezeit untersuchte er die klimatischen Bedingungen, die zu der außergewöhnlich guten Erhaltung der Mumie beitrugen. Der Geograf nahm an fünf Antarktis-Expeditionen ins westliche Dronning Maud Land teil, von denen er drei leitete. Darüber hinaus arbeitete er von 1983 bis 2002 mit dem Alfred-Wegener-Institut zusammen und bildete die Überwinterer der deutschen Neumayer-Station aus. Gernot Patzelt ist seit 1993 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und seit 1997 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

(cf)

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