Kathrin Lang erhielt Karl Schlögl-Preis

Für ihre Dissertation zur Erzeugung chemisch modifizierter Ribonukleinsäuren wurde Dr. Kathrin Lang am Freitag mit dem Karl Schlögl-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ausgezeichnet. Durchgeführt hat sie die Forschungen im Labor der Arbeitsgruppe von Prof. Ronald Micura vom Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck.
Die Arbeitsgruppe des diesjährigen Chemie-Nobelpreisträgers, Venki Ramakrishnan. Kathrin Lang (Dritte von rechts) wurde am Freitag ebenfalls ausgezeichnet, mit dem Karl Schlögl-Preis der ÖAW. (Foto: MRC Laboratory of Molecular Biology)
Bild: Die Arbeitsgruppe des diesjährigen Chemie-Nobelpreisträgers, Venki Ramakrishnan. Kathrin Lang (Dritte von rechts) wurde am Freitag ebenfalls ausgezeichnet, mit dem Karl Schlögl-Preis der ÖAW. (Foto: MRC Laboratory of Molecular Biology)

Seit April dieses Jahres forscht die gebürtige Südtirolerin Kathrin Lang am Laboratory of Molecular Biology des Medical Research Council in Cambridge, Großbritannien. Dem Leiter ihrer Arbeitsgruppe, Venki Ramakrishnan, wurde Anfang Oktober der Chemie-Nobelpreis zuerkannt. Die Grundlagen für diesen Karrieresprung legte Kathrin Lang an der Universität Innsbruck. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der Synthese chemisch modifizierter Ribonukleinsäuren. Diese lassen sich als Werkzeuge für die molekulare Untersuchung struktureller und funktioneller Eigenschaften von biologisch wichtigen RNA-Molekülen wie etwa Riboschaltern einsetzen. Die Funktionsweise von Riboschaltern ist verblüffend einfach: Diese sitzen zumeist am Anfang einer bakteriellen Boten-RNA, die den Bauplan für die Herstellung wichtiger Stoffwechselprodukte, zum Beispiel essentieller Vitamine, trägt. Ist das Zielmolekül, der sogenannte Metabolit, in ausreichender Menge vorhanden, bindet es an den Riboschalter. Dadurch verändert sich die räumliche Struktur der RNA und der kodierende Teil der Boten-RNA kann nicht mehr abgelesen werden; der Metabolit wird in der Folge nicht mehr synthetisiert. Sinkt seine Konzentration erfolgt kein Andocken an den Riboschalter, die RNA faltet sich um und kann wieder abgelesen werden. Durch einen kombinierten Ansatz aus chemischer Synthese und enzymatischer Ligation gelang Kathrin Lang die Synthese einer Vielzahl von Riboschalter-Nukleinsäuren, die an ganz bestimmten Positionen Fluoreszenzsonden tragen. Mittels Fluoreszenzspektroskopie war es ihr dann möglich, den komplizierten Umfaltungsprozess des Riboschalters zu verfolgen, der beim Binden des Metaboliten erfolgt.

Diese Forschungen hat Lang im Labor des Innsbrucker RNA-Spezialisten Ronald Micura vom Institut für Organische Chemie durchgeführt. Das detaillierte Wissen über die molekulare Funktionsweise der Riboschalter stellt eine gute Grundlage für die weitere Erforschung dieser Moleküle als potentielle Wirkstoffziele dar. Langfristiges Ziel ist die Entwicklung neuartiger Antibiotika, die eingesetzt werden können, ohne die Vorgänge in menschlichen Zellen zu stören.

 

Von der Mathematik zur Chemie

Kathrin Lang wurde 1979 in Bozen geboren und hat zunächst an der TU München Technische Mathematik studiert. Nachdem ihr die Mathematik aber zu trocken war, begann sie 1999 das Studium der Chemie an der Universität Innsbruck. Hier schloss sie sowohl das Diplomstudium (2004) als auch das Doktoratsstudium (2008) mit Auszeichnung ab. Für ihre guten Leistungen wurde Lang unter anderem bereits mit dem Dr. Christine und Georg Sosnovsky Preis (2009) ausgezeichnet.

Der im Vorjahr erstmals vergebene Karl Schlögl-Preis wurde in Erinnerung an den ehemaligen Generalsekretär und Vizepräsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Karl Schlögl, von der Witwe des Namensgebers gestiftet und wird für eine herausragende Diplomarbeit oder Dissertation auf dem Gebiet der Chemie verliehen.

 

Mehr über Kathrin Lang erfahren Sie in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift „zukunft forschung“, die Anfang Dezember erscheinen wird.

(cf)

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