Häufig absurde, aber leise Komik

Von 11. bis 31. Mai war der italienische Autor Ermanno Cavazzoni "Writer in Residence 2009" der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät. Er konnte das zahlreiche Innsbrucker Publikum, auf das er im Rahmen verschiedener Veranstaltungen traf, durch seine originellen, hintergründigen und umwerfend komischen Texte durchwegs überzeugen.
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Bild: Der italienische Autor Ermanno Cavazzoni

Der aus Reggio Emilia stammende und in Bologna als Universitätsdozent für Philosophie, Ästhetik und Rhetorik tätige Cavazzoni inszeniert eine häufig absurde Komik, die jedoch nie laut oder aufdringlich ist - ganz im Gegenteil handelt es sich bei ihm um einen leisen, dabei hochgebildeten und reflektierten Autor, der von einer konstanten Abwehrhaltung gegen alles Hochtrabende und Gelehrte in der Literatur angetrieben wird und sich daher bevorzugt den entlegenen, befremdlichen und verwunderlichen Seiten des Alltagslebens zuwendet. Anlässlich seiner Präsenz in Innsbruck wurde von Dr. Angelo Pagliardini und Dr. Gerhild Fuchs, beide vom Institut für Romanistik, eine Veranstaltungsreihe bestehend aus mehreren Leseabenden, einer Tagung sowie einem Projektseminar für Studierende der Italianistik organisiert.

Zahlreiche Lesungen

Beim Willkommensabend für Ermanno Cavazzoni am 12. Mai im KulturGasthaus Bierstindl stellte sich der Autor vor einem recht zahlreichen Publikum durch einen unterhaltsamen Einblick in die Entstehungsgeschichte seines ersten Romans, „Il poema dei lunatici" (1987), selbst vor, was durch ein von Studierenden des Projektseminars vorgebrachtes Autorenprofil sowie durch szenische Lesungen zweier Mitglieder der italienischen Theatergruppe „Lo Scarabocchio" (Daniele Gregorin und Rosanna Demattè) aus zwei Romanen Cavazzonis („Il poema dei lunatici" und „Le tentazioni di Girolamo") ergänzt wurde. Zum Ausklang des Abends gab es italienische Canzoni von Leo Scola, denen man zunächst im konzertanten Rahmen, dann in geselliger Weise bei einem ausgiebigen Buffet lauschte. Der wohl größte Publikumserfolg der Veranstaltungsreihe war die Lesung im Innsbrucker Literaturhaus am 19. Mai. Vor rund 90 Zuhörern gab Cavazzoni Texte aus „Vite brevi di idioti" und „Gli scrittori inutili" zum Besten und wechselte sich dabei mit dem Schauspieler Johann Nikolussi ab, der aus der deutschen Übersetzung der beiden Werke weitere Texte vortrug. Die verhaltene, auf Understatement und stoischem Ernst beruhende (gerade deshalb unwiderstehlich komische) Leseweise Cavazzonis wurde durch den bewundernswert professionellen, teilweise schauspielerisch gekonnt in Szene gesetzten Vortrag Nikolussis hervorragend ergänzt. Das Publikum reagierte begeistert und lachte an manchen Stellen buchstäblich Tränen.

Wie entsteht Komik?

An den freien Wochentagen zwischen und nach diesen Veranstaltungen widmete sich Ermanno Cavazzoni in einem Projektseminar des Instituts für Romanistik einer Gruppe von Studierenden. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Projektseminars „Writer in Residence" bot sich die seltene Gelegenheit, den Autor Ermanno Cavazzoni an vier Vormittagen nicht nur persönlich, sondern auch als Lehrperson kennenzulernen. Im Kurs wurden die verschiedenen Register der Sprache anhand von ausgewählten Textauszügen verschiedener Textgattungen analysiert. Im Mittelpunkt stand dabei immer die Frage: „Wie entsteht Komik?" In sehr abwechslungsreicher und humorvoller Weise brachte der Schriftsteller den Studierenden näher, Komik wahrzunehmen und diese auch zu interpretieren. Ein ganz wesentlicher Teil des Projektseminars bestand auch in der Mitwirkung an der Organisation und Vorbereitung der „Writer in Residence"-Veranstaltungen durch die Studierenden. So wurden sämtliche Plakate, Programme und Folder für die Veranstaltungsreihe von den Studierenden in Eigenregie entworfen sowie deren Drucklegung und Verteilung organisiert. Einen wertvollen Beitrag leisteten die Studierenden auch während der abschließenden Tagung, wo der Empfang und die Betreuung der Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sowie der gesamte Bereich der Public Relations von ihnen übernommen wurde. Auf diese Weise konnten die Studierenden auch wertvolle Erfahrungen im Bereich des Wissenschafts- und Kulturmanagements sammeln.

Wissenschaftliche Tagung

Als Schlusspunkt der Veranstaltungsreihe zum „Writer in Residence 2009" wurde am 28. und 29. Mai im Claudiasaal eine Internationale Tagung zum Thema „Le specie del comico nella letteratura e nel cinema: il filone padano-emiliano" abgehalten. Die insgesamt 16 Vorträge zu den Formen des Komischen in der Literatur der Emilia-Romagna (in der sich komische Züge über die Jahrhunderte hinweg besonders häufig und auf besonders markante Weise manifestieren) fanden nicht nur unter Beisein des „Writer in Residence" Ermanno Cavazzoni selbst, sondern auch zweier weiterer „emilianischer" Autoren von hohem Renommee, Gianni Celati und Ugo Cornia, statt. Diese intervenierten regelmäßig in die Diskussionen, die sich an die einzelnen Vorträge anschlossen, was eine besonders interessante und ertragreiche Auseinandersetzung mit der Thematik zur Folge hatte. Die Vorträge waren allesamt von hohem wissenschaftlichem Niveau, daher wurde von den beiden Organisatoren - auch auf Nachfrage der Vortragenden - ins Auge gefasst, die Beiträge in einem Tagungsband zu publizieren. Ergänzt wurde das Tagungsprogramm durch zwei Lese- und Rezitationsabende der drei Autoren Cavazzoni, Celati und Cornia. Am 28. Mai fand der Lese- und Rezitationsabend im Saal „Forum" des Hauses der Begegnung statt und wurde durch ein anschließendes Buffet gekrönt. Am 29. Mai wurde ein weiterer derartiger Abend im Exlkeller des Gasthofs Löwenhaus veranstaltet. Nach dem unterhaltsamen Eröffnungsabend im Bierstindl und der erfolgreichen Lesung im Literaturhaus fand die Präsenz Cavazzonis als Innsbrucker „Writer in Residence" durch die Tagung somit auch in akademischer Hinsicht einen würdigen Abschluss, während die beiden abschließenden Leseabende in literarischer Hinsicht einen weiteren Höhepunkt lieferten.

(ip)

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