Sprichst du Fußball?

Im Zuge des Projektseminars „Fußball und Mehrsprachigkeit“ haben Romanistik-Studierende untersucht, wie Kommunikation in mehrsprachigen Fußball-Teams funktioniert. Den krönenden Abschluss der Lehrveranstaltung bildete ein Benefiz-Match am 26. Juni zwischen den Wacker-Damen und dem Integrationshaus-Team.
Das Projektseminar „Mehrsprachigkeit im Fußball“ war von großer Internationalität und – wie man sieht – von ausgezeichneter Stimmung geprägt.
Bild: Das Projektseminar „Mehrsprachigkeit im Fußball“ war von großer Internationalität und – wie man sieht – von ausgezeichneter Stimmung geprägt.

Ein Semester lang hatten zwanzig Studierende von Prof. Eva Lavric die vielfältigen Sprach- und Kommunikationsstrategien in mehrsprachigen Fußballteams erforscht, vom Amateurclub Ölz bis zum AC Milan. Mit ihrem Abschluss-Event wollten sie nun auf ihre Forschungen am Schnittpunkt von Sport und Wissenschaft aufmerksam machen und gleichzeitig soziales Engagement zeigen. „Gerade der Fußball spielt für viele Neuankömmlinge in Österreich eine wichtige Rolle für die Integration, hier kann man dazugehören und zeigen, dass man was kann, auch wenn man sprachlich noch ganz am Anfang steht“, so Prof. Lavric zum Zusammenhang von Migration, Sport und Sprache. Dementsprechend lautete auch das Motto des von den Studierenden organisierten Benefiz-Matchs „Sprichst du Fußball?“. Den Ankick tat Gemeinderat Johann Haller, Schiedsrichter war niemand Geringerer als Konrad Plautz. Der Kabarettist Koschuh kommentierte, die Trommlergruppe Amani untermalte die spannende Partie, die schließlich im Elferschießen ganz knapp vom Integrationshaus-Team gewonnen wurde.

 

 

Über 40 Interviews

 

Über vierzig Interviews mit Spielern von zehn Clubs, aber auch mit Trainern und Schiedsrichtern in Österreich und Italien haben gezeigt, dass Sprache im Fußball und während des Spiels kein echtes Problem darstellt. In der Publikation „Die Füße sprechen lauter als die Zunge“ – übrigens eine der  der wenigen Veröffentlichungen zum Thema – wird immer wieder betont, dass schon wenige Brocken der Landessprache in Verbindung mit englischen Wörtern und vor allem mit Gesten genügen, um im Spiel operational zu sein. Bei Strategiebesprechungen allerdings oder bei Kontakten mit der Presse können mangelnde Sprachkenntnisse ein echtes Problem werden, ebenso wie im Privatleben vor und nach dem Match. Längerdienende Spieler mit derselben Muttersprache springen dann oft als Dolmetscher und Brückenbauer ein. Und vor allem die Trainer können es sich nicht leisten, ihre Botschaft nicht „an den Mann zu bringen“. Daher sprechen gute Trainer wie z.B. Didi Constantini oft eine Vielzahl von Sprachen.

 

Ergebnisse 2010 in Buchform

 

Die „Innsbrucker Fußball-Forschungsgruppe“ der philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät besteht seit 2006 im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Mehrsprachigkeit“. Sie hat einen internationalen Workshop organisiert und die Ergebnisse in dem Sammelband „The Linguistics of Football“ (Gunter Narr 2008) publiziert. Im Rahmen der Euro 2008 ist sie mit mehreren Veranstaltungen – u.a. zum Zidane-Incident und dessen Kommentar in sieben Sprachen – an die Öffentlichkeit getreten. Nun haben die Studierenden des Projektseminars „Mehrsprachigkeit im Fußball“ eine große Menge an wertvollem Material zusammengetragen, das zu einem Ratgeber und/oder einem (populär-)wissenschaftlichen Werk verarbeitet werden soll. Spätestens zur Weltmeisterschaft 2010 wird man also die Ergebnisse des Innsbrucker Projektseminars auch in Buchform nachlesen können.

(ip)