Bankensystem ohne Zins und „Zockerei“

„Gibt es eigentlich Kreditkarten im Islamischen Bankensystem?“, so eine Frage aus dem Publikum, das sich vergangenen Donnerstag im Hörsaal 3 der SoWi eingefunden hatte. Prof. Mohammad Kabir Hassan von der University of New Orleans referierte auf Einladung des Arbeitskreises Wissenschaft und Verantwortlichkeit über das islamische Banken- und Finanzwesen.
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Bild: Prof. Mohammad Kabir Hassan von der University of New Orleans

„Natürlich werden Kreditkarten ausgegeben,“ so Prof. Hassan, „denn dies stehe dem islamischen Gesetz nicht entgegen“. Islamic Banking ist derzeit eine der am stärksten wachsenden und innovativsten finanziellen Disziplinen des internationalen Finanzmarkts mit jährlichen Wachstumsraten in Höhe von 15 %. Bis zum Jahr 2010 rechnet man mit einer Kapazität von 2 Billionen Dollar. Islamic Banking zählt insofern zu den Gewinnern der derzeitigen Finanzkrise.

Die Scharia als Basis eines Finanzsystems

Der Scharia folgend dürfen in diesem Bankensektor keine Zinsen (riba) erhoben werden. Ebenso sind Spekulationsgeschäfte und Glücksspiel (masir) verboten. Investitionen in Unternehmen, die Handel mit Alkohol, Drogen oder Glücksspiel etc. betreiben, gelten als ungesetzlich und unerwünscht. Wie können diese Banken also überleben? Dem islamischen Bankensektor liegt in seinen Transaktionen immer ein reales Gut zu Grunde. Prof. Hassan erklärte den Ansatz des Murabahah, einer Form des Finanzgeschäfts, anhand des Autokaufs. Im westlichen Finanzsystem nimmt eine Person, die für den Kauf eines Autos Geld benötigt, einen Kredit auf, bezahlt das Auto im eigenen Namen, scheint also als Besitzer desselben auf und stottert den Kredit mitsamt Zinsen über die mit der Bank vereinbarte Laufzeit ab. Würde dieselbe Person in einer islamischen Bank um einen Kredit für einen Autokauf ansuchen, träte die Bank als Käuferin und somit Eigentümerin des Autos auf. In weiterer Folge verkauft die Bank das Auto an den/die „Kreditnehmer/in“ zu einem höheren Preis, nachdem die Zahlungsmodalitäten geklärt wurden. Die Gewinnmarge, die islamische Banken dabei ansteuern, orientiert sich derzeit am Zinssatz der westlichen Banken. Maßstab des islamischen Bankensektors in der derzeitigen Form sei es nicht Scharia-gerecht zu sein, sondern vielmehr Scharia-konform zu agieren, schloss Prof. Hassan seinen Vortrag.

Prof. Hassan war im Rahmen des Freundschaftsvertrags der Universität Innsbruck und der University of New Orleans in Kooperation mit dem American Corner Innsbruck, der Austro-American Society Tirol, dem University of New Orleans Center Austria und der Fakultät für Betriebswirtschaft eingeladen worden.

(ip)