Zwei Houska-Anerkennungspreise gehen an Uni Innsbruck

Die Universität Innsbruck war heuer mit zwei Nominierungen aus der Chemie bei der Verleihung des Dr.-Wolfgang-Houska-Preis vertreten. Beide Forscherteams erhielten Anerkennungspreise im Wert von jeweils 5000 Euro.
Prof. Günther Bonn (4. v.l.) und Prof. Herwig Schottenberger (3. v.r.) erhielten Houska-Anerkennungspreise.
Bild: Prof. Günther Bonn (4. v.l.) und Prof. Herwig Schottenberger (3. v.r.) erhielten Houska-Anerkennungspreise [Foto: B&C Privatstiftung]

Der Dr.-Wolfgang-Houska-Preis wurde 2005 von der  B & C Privatstiftung initiiert und fördert praxisorientierte Forschungsprojekte an österreichischen Universitäten. Gefördert werden einzelne WissenschaftlerInnen und Forscherteams, deren eingereichte Projekte in Kooperation mit österreichischen Unternehmen realisiert werden. Ausschlaggebend für die Vergabe sind Innovation und wirtschaftliche Nachhaltigkeit.

 

Ionische Flüssigkeiten als Multitalente in der Lackerzeugung

Im Rahmen ihres für den Houska-Preis nominierten Forschungsprojektes haben Prof. Herwig Schottenberger und Mag. Gino Bentivoglio vom Institut für Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie gemeinsam mit dem Tiroler Lack- und Farbenhersteller Adler einen Lack entwickelt, der die elektrostatische Aufladung von Parkettfußböden erheblich vermindert. Die innovative Rezeptur basiert auf sogenannten ionischen Flüssigkeiten – das sind Salze, die bereits bei Raumtemperatur flüssig werden und eine starke antistatische Wirkung haben. „Beim Begehen von Laminat- oder behandelten Holzfußböden entsteht häufig Reibungselektrizität, die zu leichten Stromschlägen führen kann und die Staubanfälligkeit erhöht“, schildert Schottenberger die Ausgangssituation. „Die Aufgabenstellung bestand darin, geeignete antistatisch wirkende Salze in etablierte Lackrezepturen einzuarbeiten, und dies bei Aufrechterhaltung bestehender Produktionsverfahren und ohne nachteilige Veränderung der Eigenschaften des Fertigproduktes.“ Zwar gibt  es bereits eine Reihe von chemischen Verbindungen, die antistatisch wirken, allerdings sind diese nur sehr eingeschränkt mit Lacksystemen verträglich. Maßgeschneiderte Ionische Flüssigkeiten hingegen beeinträchtigen die Qualität des Lackes nicht, geben keine gesundheitsschädlichen Dämpfe ab, sind nicht brennbar und haben einen weiteren entscheidenden Vorteil: Sie gehen im Gegensatz zu herkömmlichen antistatischen Zusätzen chemische Verbindungen mit dem Lack ein und werden daher beim Putzen nicht ausgewaschen. „Durch das neue Produkt wird das menschliche Wohlbefinden besonders auch bei Stauballergikern erheblich verbessert und eine merkbare Entlastung bei der Raumpflege erzielt“, so die Wissenschaftler.  Die Herstellung der auf ionischen Flüssigkeiten basierenden Lacke ist im Übrigen ohne erheblichen Kostenmehraufwand möglich.

 

Pflanzenextrakte als Antibiotika der Zukunft

Auf das fortschreitende Auftreten multipler Resistenzen von Bakterienstämmen gegen Antibiotika haben Innsbrucker Forscher unter der Leitung von Prof. Günther Bonn vom Institut für Analytische Chemie und Radiochemie der Universität Innsbruck und Dr. Günther Stecher, Wissenschaftlicher Leiter der BIONORICA research GmbH reagiert: In ihrem für den Houska-Preis nominierten Projekt arbeiten sie an der Erschließung und Bereitstellung neuer antibiotischer Wirkstoffe auf der Basis von Pflanzenextrakten. „Besonders der weit verbreitete und übermäßige Einsatz von Antibiotika außerhalb der klinischen Therapie wie zum Beispiel in der Veterinärmedizin oder in gewöhnlichen Haushaltsartikeln beschleunigt die Ineffektivität der heutigen Arzneimittel“, schildern die Projektleiter.

Neben der Entwicklung von synthetischen Arzneistoffen sind Pflanzen eine vielversprechende Ressource für antibakteriell wirksame Substanzen. Durch ihre Exposition, speziell zu gram–positiven Bakterienstämmen, verfügen sie über chemische Abwehrstrategien, die es zu entdecken und zu nutzen gilt. Generell werden sowohl Pflanzenextrakte als auch pflanzliche Reinsubstanzen mittels verschiedener bioassays in high throughput screenings (HTS) auf deren Wirksamkeit untersucht. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass antibakteriell wirksame Verbindungen aufgrund ihres Auftretens als prodrugs, sogenannten inaktiven Vorstufen, übergangen bzw. übersehen werden. Ein weiteres Problem besteht in der zum Teil mangelnden Konsistenz der Ergebnisse, da bestimmte Rohextrakte sowohl quantitativ als auch qualitativ nicht immer dieselbe Aktivität gegenüber Pathogenen aufweisen.

Das Projekt beschreibt die Entwicklung einer Methode, die nicht nur zu reproduzierbaren Ergebnissen der Wirkqualität führt, sondern das Wirkspektrum einiger Pflanzenextrakte sowohl quantitativ (bakterizide Aktivität gesteigert) als auch qualitativ (Wirkung gegen mehr Bakterienstämme) in Richtung eines Breitbandantibiotikums steigert. Damit wird es möglich, neue höchst innovative Extrakte für weitere pharmakologische und klinische Testserien bereitzustellen und darauf aufbauend, neue potentielle Antibiotika sogenannte Phytobiotika zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich konnte die Steigerung der Wirkqualität nicht nur an der Hemmung von statischen Bakterienkolonien gezeigt werden, sondern speziell durch 99,99%ige Hemmung von Bakterien in der Log-Phase, also während des stärksten Wachstums, eindrucksvoll bewiesen werden.

 

(ef)

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