Wasser aus der Wüste

Bei der Libyen- Exkursion der Fakultät für Bauingenieurwissenschaften und Alumni-Reise vom 02.-10.02.2009 begeisterten die 18 TeilnehmerInnen das größte Wasserversorgungsprojekt der Welt ebenso, wie römische Ausgrabungen und die Wüste der Sahara.
Wasserentnahmestellen inmitten der saharischen Wüste
Bild: Wasserentnahmestellen inmitten der saharischen Wüste

Am 02. Februar startete eine Gruppe von 18 TeilnehmerInnen zur Bauingenieurexkursion und Alumni-Reise nach Libyen. Die TeilnehmerInnen setzten sich aus Studierenden, Universitätsbediensten, Ziviltechnikern, Ingenieurgeologen, Beamten der Landesregierungen und aus Gästen verschiedener Fachrichtungen zusammen. Der fächerübergreifende Aspekt und  die Mitwirkung von AbsolventInnen sind „Ideologie“ der Exkursionen.

 

Great Man Made River Projekt

Nach einem kurzen Rundgang im Souk von Tripolis führte die erste Station der Reise nach Sabrata an der Mittelmeerküste, wo die römischen Ausgrabungen mit dem prunkvollen Theater besichtigt wurden. Die Exkursionsteilnehemer besuchten die Speicherburgen der Berber von Nalut, um schließlich auf dem Weg nach Ghadames mehrmals die Baustellen des größten Wasserversorgungsprojektes der Welt, dem „Great Man Made River Project (GMMRP)“ zu queren. Bei diesem Projekt, das von Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi 1984 ins Leben gerufen wurde, wird artesisch gespanntes, eiszeitliches Wasser aus den unterirdischen Reservoirs in der Sahara in die Küstennähe gefördert, damit es dort als Trinkwasser und für die Landwirtschaft zur Verfügung steht.

 

„An zwei Punkten konnten wir die Bauarbeiten der Pumpstationen und der Rohrleitungen näher besichtigen. Mit tatkräftiger Unterstützung durch ILF International, Büro München, konnten wir Bereiche besichtigen, die ansonsten nicht zugänglich sind. Das Baumanagement dieses Zuleitungssystems ist international besetzt, die Betonherstellung und die Bauabwicklung entsprechen durchaus dem üblichen Niveau“, berichtet Dr. Reinhold Friedrich von der Fakultät für Bauingenieurwissenschaften der Uni Innsbruck.  

 

Nach der Übernachtung in Ghadames führte die Exkursion am nächsten Tag in die Wasserentnahmestellen inmitten der saharischen Wüste. „Mit geländegängigen Fahrzeugen führten uns die Fahrer (Beduinen) zu einem Stahlrohr, das wie aus dem Nichts kommend da war. Nach Öffnung des Schiebers schoss trinkbares, allerdings nach Schwefel riechendes, Wasser in hohem artesischem Druck aus dem Rohr – Wasser aus der Wüste, inmitten dieser!“, schildert Friedrich das eindrucksvolle Erlebnis.

 

Stadtsanierungskonzept

Diesem technischen Höhepunkt folgte gleich ein weiterer:  Das Stadtsanierungskonzept für die historische Berber-Stadt Ghadames. Diese Oasenstadt mit dem ummauerten Altstadtkern wurde 1986 als Weltkulturerbe der UNESCO anerkannt. Mangels Infrastruktureinrichtungen hat man die Bewohner aus der Altstadt in neue Wohnhäuser umgesiedelt. In den heißen Sommermonaten flüchten diese aber noch immer gerne in die kühlenden überdachten Gänge der engen Gassen. Das Sanierungskonzept sieht die Rekonstruktion von einigen Häusern und auch gewisse Infrastrukturmaßnahmen (Strom, Wasserver- und Entsorgung etc.) vor.

 

Erlebnis Wüste

Von Ghadames führte die Exkursion am nächsten Tag tief in den Süden der Sahara: Nach etwa 850 km auf sehr guter Asphaltstraße erreichte sie am Abend Sebha, wo das Erlebnis Wüste auf dem Programm stand: So erlebten die TeilnehmerInnen eine Nacht im Zelt in der Wüste, besichtigten die etwa 10.000 Jahre alte Felsritzungen im Wadi Matkhendoush, besuchten das Archaeologischen Museums in Germa und besichtigten auch die Madaraseen – 14 Seen, die inmitten von Sanddünen liegen.

 

Interessante Einblicke

Mit einem Inlandsflug von Sebha nach Tripolis kehrte die Exkursionsgruppe wieder in die „Zivilisation“ zurück. Mit der Besichtigung von Leptis Magna, einer bedeutenden Römerstadt im Osten von Tripolis erlebte die historische Seite der Exkursion ein weiteres Highlight. Tripolitana, also Sabrata - Tripolis - und Leptis Magna bildeten auf libyscher Seite die Verlängerung der römischen Kornkammer von Karthago aus.

 

Am Abend war von einem Cocktailempfang im Haus des Österreichen Handelsdelegierten, Mag. David Bachmann, gekennzeichnet. Nach einem Kurzstatement der Österreichschen Botschafterin, Mag. Dorothea Auer, zur politischen Lage in Libyen kamen auch österreischische Firmenrepräsentanten zu Wort: Bernhard Spreitzhofer (General Manager Asamer), Dieter Rothmann (GM WABAG), Kurt Wagner (GM OMV), Markus Kogelnig (CFO Asamer), Andres Kluxen (Projektleiter Strabag), Werner Krüger (GM Austrian Airlines). Es war ein äußerst informativer Abend mit vielen Informationen über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Libyen, über die Schwierigkeiten, hier vertrauensvoll Fuß zu fassen, aber auch über die Probleme mit den örtlichen Behörden und „Sicherheitsdiensten“.

 

Die Exkursion endete am nächsten Tag mit der Besichtigungstour – organisiert vom Handelsdelegierten Bachmann: Eine neue Stadt für 110.000 Einwohner - derzeit eine Großbaustelle - wird bei Tajura in der Nähe von Tripolis mit Hilfe der österreichischen Firmen Asamer und Strabag errichtet. Die gesamten Infrastruktureinrichtungen (Strom, Wasser etc.) werden zurzeit mit der Strabag erstellt, Asamer liefert den Beton, u.a. für die etwa 10.000 Wohneinheiten.

 

„Nach unzähligen Emails im Vorfeld der Exkursion und mit tatkräftiger Unterstützung durch das Ingenieurbüro ILF München durften wir auch das zukünftige Herz der Zentrale des Great Man Made River Projects, in der alle Schaltvorgänge der Wasserversorgungsanlage gesteuert werden, besichtigen. Hier werden an modernsten Schalttafeln (Siemens) die gesamte Wasserversorgung, alle Durchflussmengen und Drücke, alle Fehlermeldungen etc. erfasst und entsprechend geregelt“, berichtet Friedrich vom letzten Programmpunkt der Exkursion.

 

Nachbereitung

 

Ein technischer Vortrag zum Great Man Made River Project und ein Reisebericht mit vielen Blitzlichtern wird vorbereitet und demnächst im Großen Hörsaal gezeigt werden. Die nächste ferne Bauingenieurexkursion und Alumni-Reise führt Ende Juni nach Island - Grönland. Es sind nich Restplätze frei. Infos zu allen Terminen finden Sie hier. 

 

Links:
Fotogalerie zur Exkursion
Fakultät für Bauingenieurwissenschaften
Great-Man-Made-River-Projekt
Blog des österreichischen Handelsdelegierten in Tripolis 


(ip)