Teams entscheiden besser als Individuen

Vom 3.-6. Dezember fanden an der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik zwei international hochkarätig besetzte Workshops zum Thema „Das ökonomische Entscheidungsverhalten von Individuen und Teams“ statt.
Gary Charness von der University of California at Santa Barbara
Bild: Gary Charness von der University of California at Santa Barbara

Am „European Workshop for Experimental and Behavioral Economics (EWEBE3)“ und dem „European Science Foundation (ESF) Exploratory Workshop on Individual and Team Decision Making“ nahmen Volkswirte und Psychologen aus USA, Israel, Japan, England, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und Österreich teil. Beide Workshops wurden organisiert von Martin Kocher (derzeit Universität München) und Matthias Sutter vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck.

 

Im Zentrum der wissenschaftlichen Debatten stand das ökonomische Entscheidungsverhalten von Individuen und Teams. Pointiert lassen sich die präsentierten Ergebnisse – meist experimenteller Forschungen – folgendermaßen zusammen fassen: 1) Entscheidungen von Teams sind rationaler und besser prognostizierbar mit Methoden der klassischen Spieltheorie als Entscheidungen von einzelnen Personen, 2) Teamentscheidungen scheinen stärker durch die eigene Auszahlung motiviert zu sein als einzelne Entscheidungsträger, ihr Verhalten ist daher egoistischer als das von Individuen. Letztere haben stärkere soziale Präferenzen in ihren Entscheidungen. 3) Teams können Fehler in individuellen Entscheidungen besser eliminieren und sich schneller an neue Gegebenheiten und Entscheidungssituationen anpassen, wie etwa der Vortrag von Gary Charness von der University of California at Santa Barbara zeigte.

 

Diese Ergebnisse sind auf viele Varianten strategischer Interaktion, von einfachen Lotterien und Investitionsentscheidungen bis hin zu Auktionen und Verhandlungen anwendbar. Die Vorträge der Workshop-Teilnehmer zeigten, dass die oben genannten Unterschiede in den Entscheidungen von Teams und Individuen in einer großen Bandbreite von ökonomisch relevanten Situationen und auch bei verschiedenen Entscheidungsprozessen innerhalb von Teams (z.B. Diskussion über Chat, persönliche Diskussion oder Abstimmungsmechanismen) beobachtbar sind. Das bedeutet, dass Teamentscheidungen in vielen Fällen individuellen Entscheidungen vorzuziehen sind, selbst wenn die alltägliche Erfahrung in Gremien mitunter das Gegenteil suggeriert.

(ip)

 

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