Terrorism: Threat and Response - Looking to the Future

Auf Einladung der Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie und organisiert durch die „International Security Research Group“ hielt Dr. Raphael Perl, Leiter der Anti-Terrorismus-Abteilung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), am 21.11. einen gut besuchten Vortrag. Perl rechnet in Zukunft mit einer wachsenden Bedrohung durch terroristische Akteure.
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Bild: Prof. Perl hielt einen Vortrag am Institut für Politikwissenschaft

Die Ereignisse des 11. September 2001 haben eine neue Epoche eingeläutet, in der dem Terrorismus und seiner Bekämpfung eine zentrale Bedeutung zukommt. Bemerkenswert ist, dass sich dieser „neue“ Terrorismus a là al-Qaida vom klassischen nationalistisch-speratistisch motivierten wesentlich unterscheidet. Letzterer möchte mittels Anschlägen vor allem Aufmerksamkeit für seine Sache erregen und die Anhängerschaft mobilisieren. In der Regel wird daher vor opferreichen Attentaten zurückgeschreckt, da diese dem Anliegen schaden würden. Terroristen a là al-Qaida hingegen zielen mit ihren Operationen darauf ab, dem „Feind“ möglichst großen Schaden zuzufügen. Folglich verüben sie weit größer und brutaler angelegte terroristische Akte als „klassische“ Gruppierungen. Diese neue „Qualität“ des Terrors erfordert auch neue Maßstäbe in seiner Bekämpfung.

 

Grundrechte vs. Sicherheit

Die Auswirkungen dieser Entwicklung bekommen wir alle in unserem Alltag zu spüren, etwa wenn wir auf den Flughäfen mit immer strengeren Sicherheitsvorschriften konfrontiert werden oder öffentliche Plätze zunehmend videoüberwacht werden. Dabei stellt die Terrorismusbekämpfung demokratische Staaten vor große Probleme. Wie lässt sich das Streben nach maximaler Sicherheit mit den bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechten vereinen? Dr. Perl verwies am Beginn seines exzellenten Vortrags auf die herausragende Bedeutung dieser Frage. Weiters machte er deutlich, dass durch die Globalisierung Anschläge immer öfter überregionale Folgen nach sich ziehen. Beispielsweise würde ein terroristischer Angriff auf eine große russische Gaspipeline beträchtliche Folgen für die europäische Energieversorgung nach sich ziehen. Schnell wurde den Anwesenden klar – Terrorismus ist eine potentielle Gefahr für jede/n Einzelne/n.

 

Weltweit nimmt diese Bedrohung zu. Dr. Perl führte aus, dass wir drei Aspekte beobachten können. Erstens steigt die Anzahl der Terroranschläge in allen Regionen der Erde, d.h. die geographische Streuung nimmt zu. Zweitens fallen immer mehr Menschen solchen Ereignissen zum Opfer und drittens nimmt die Intensität zu, d.h. die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Attacken nehmen ab. Dies seien Indizien dafür, dass wir es in Zukunft mit einer wachsenden Bedrohung durch terroristische Gruppierungen zu tun haben werden.

 

Anfang und Ende des Terrorismus

Es sei daher von größter Bedeutung, sich mit dieser Thematik intensiv zu beschäftigen, um effektive Maßnahmen setzen zu können. Hierbei sei es wichtig – so Dr. Perl - das Phänomen „Terrorismus“ als einen Prozess zu begreifen, der einen Anfang (Anwerbung, Ausbildung etc.) und ein Ende (z.B.: Herstellung einer Waffe, Anschlag) hat. Heute konzentriere sich die Terrorismusbekämpfung zu sehr auf einzelne Aspekte - v.a. auf den finalen Abschnitt dieses Prozesses - anstatt umfassende Maßnahmen zu setzen. Erschwerend komme hinzu, dass der weltweite Anstieg der Kriminalität dazu führe, dass die Polizei immer weniger Ressourcen zur Terrorabwehr zur Verfügung habe. Allerdings gäbe es auch positive Entwicklungen zu verzeichnen. Einerseits seien immer mehr Staaten bereit, in Sachen Terrorismusbekämpfung gemeinsam vorzugehen und andererseits gäbe es Indikatoren dafür, das al-Qaida an Zuspruch verliere.

 

Im Anschluss an seinen Vortrag stand Dr. Perl dem Auditorium bereitwillig für Fragen zur Verfügung. Zahlreiche StudentInnen nützten diese Möglichkeit zum Gedankenaustausch. Maximilian Busch, einer der Zuhörer, meinte anschließend: „Der Vortrag von Dr. Perl – einer wahren Koryphäe – hat unseren wissenschaftlich geprägten Zugang zu dieser Thematik mit der Praxis verknüpft und uns einen guten Einblick in die jüngsten Entwicklungen verschafft. Es war eine äußerst gelungene Veranstaltung.“

Links: International Security Research Group

(ip)  

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