Zwei Große verabschieden sich

Am Freitag, 17. Oktober finden zwei Festveranstaltungen zu Ehren von zwei bedeutenden Persönlichkeiten der Universität Innsbruck statt: Prof. Sigmar Bortenschlager, langjähriger Vorstand des Instituts für Botanik, und Prof. Dieter Lukesch, Alt-Dekan der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik, emeritieren.
v.l.: Prof. Lukesch und Prof. Bortenschlager
Bild: v.l.: Prof. Lukesch und Prof. Bortenschlager

Der Festakt zur Verabschiedung von Prof. Sigmar Bortenschlager beginnt am 17. Oktober um 09:30 im Hörsaal A am Institut für Botanik (Weitere Informationen). Prof. Dieter Lukesch hält seine Abschlussvorlesung im Beisein von Bundesminister Johannes Hahn ab 18:00 im Kaiser-Leopold-Saal der Katholisch-Theologischen Fakultät (Weitere Informationen).  Die ipoint-Redaktion hat beide Veranstaltungen und die bevorstehende Emeritierung von Prof. Bortenschlager und Prof. Lukesch zum Anlass genommen, deren universitäres Schaffen zu würdigen:

 

29 Jahre Botanischer Garten

Prof. Sigmar Bortenschlager wurde 1940 in Admont in der Steiermark geboren und studierte Biologie in Innsbruck und Bern. 1965 promovierte er mit einer pollenanalytischen Arbeit. Es folgte ein Forschungsjahr am Institut von Gunnar Erdtmann in  Stockholm, bevor er von Prof. Hans Pitschmann, dem damaligen Leiter des ehemaligen Instituts für Systematik und Geobotanik und Direktor des Botanischen Gartens, als Assistent nach Innsbruck geholt wurde. Dort wurde er mit der Aufgabe betraut, eine pollenanalytische Arbeitsrichtung aufzubauen. 1974 habilitierte sich Bortenschlager für das Fachgebiet Botanische Systematik mit besonderer Berücksichtigung der Palynologie.

 

1978 wurde Sigmar Bortenschlager zu Pitschmanns Nachfolger gewählt,  sowohl als Institutsvorstand als auch als Direktor des Botanischen Gartens, was er bis 2007 blieb. Damit war er der zweitlängste Direktor in der über 100-jährigen Geschichte des Botanischen Gartens. Unter seiner Leitung entwickelte sich dieser zu einer weder für die Universität noch für die Stadt Innsbruck wegzudenkenden Einrichtung. So wurden beispielsweise die neuen Pflanzenschauhäuser 1979 eröffnet, die Heil-, Gift- und Gewürzpflanzenabteilung fertig gestellt, ein 72 m2 großes Versuchsglashaus gebaut, ein Duft- und Tastgarten errichtet und ein 80 m2  großes Kakteenhaus gebaut. Mit der Grünen Schule setzte der Botanische Garten einen wichtigen Impuls zur Öffnung der Wissenschaft gegenüber der Jugend; eine Idee, die die Universität aufgegriffen und mit der Jungen Uni ausgebaut hat. Zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen machten den Botanischen Garten darüber hinaus zu einem Ort der Begegnung an der Universität.

 

Bortenschlagers umfassende Publikationsliste und die Liste der von ihm betreuten Diplomarbeiten und Dissertationen zeigen auch sein großes Engagement in Forschung und Lehre, wo er neben der Paläoökologie auch immer die systematische Arbeitsrichtung weiterverfolgt und verschiedene Pflanzenfamilien- und -gattungen palynotaxonomisch untersucht hat. Daneben fungierte Bortenschlager auch als wissenschaftlicher Leiter des 1977 vom Land Tirol gegründeten Pollenwarndienstes Tirol, der 2007 sein 30jähriges Bestehen feierte.  

 

Neben seinem Engagement für sein Fach war Bortenschlager auch in der akademischen Selbstverwaltung tätig: In den Jahren von 1995 bis 1999 stand er  der ehemaligen Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck als Dekan vor, 2003 war er Vorsitzender des Gründungskonvents. Von 1996 bis 2008 gehörte er dem Senat der Universität Innsbruck an,  wo er die Funktionen des Senatsvorsitzenden, Vorsitzenden-Stellvertreter und zuletzt des Vorsitzenden der Professorenkurie inne hatte.

 

Treibende Kraft in Forschung, Lehre und Selbstverwaltung

Prof. Dieter Lukesch hat durch sein nachhaltiges Engagement in Forschung und Lehre sowie in der akademischen Selbstverwaltung das Geschehen an der Universität Innsbruck über mehrere Jahrzehnte hinweg mit gestaltet.

 

1943 in Oberösterreich geboren, kam Lukesch 1963 zum Studium der Wirtschaftswissenschaften nach Innsbruck. Er promovierte 1971 und habilitierte sich 1980 in Volkswirtschaftslehre, Volkswirtschaftspolitik und Bildungsökonomik. Lukesch war über viele Jahre hinweg Mitglied des Akademischen Senats, der Hochschulplankommission unter BM Firnberg sowie der Taskforce UG2002 im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Im Oktober 2004 wurde er zum Dekan der neugegründeten Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik ernannt. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war er u.a. Mitglied des Aufsichtsrats des Verbands der Österreichischen Wirtschaftsakademiker und der Tiroler Hypothekenbank und ist Vizepräsident des Akademikerbundes. Einen Namen machte sich Lukesch darüber hinaus als Wissenschaftssprecher der ÖVP im Nationalrat, dem er von 1990 bis 1999 angehörte.

 

Lukesch war während seiner gesamten akademischen Laufbahn einer, der den Elfenbeinturm der Wissenschaft verließ und immer wieder an Schnittstellen zwischen Universität, Wirtschaft und Gesellschaft tätig war. Er kennt  die österreichische Bildungs- und Forschungslandschaft aus fast allen Perspektiven:  Als Bildungsökonom von der wissenschaftlichen Seite, als Bildungsberater aus dem vorpolitischen Raum, als Nationalrat und Bildungssprecher aus der ersten Reihe der politischen Verantwortung und als Dekan und Mitglied des akademischen Senates aus der universitären Selbstverwaltung. Vor diesem Erfahrungshintergrund versucht Lukesch auch im Rahmen seiner Abschlussvorlesung  eine Perspektive für die akademische Zukunft zu skizzieren.

(ef/sr)