Peter Gröbner nimmt Abschied

Der Biochemiker Prof. Peter Gröbner trat Ende September in den wohlverdienten Ruhestand. Neben seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Laufbahn hatte Gröbner als Universitätsrat, Vizerektor und Senatsmitglied über Jahre einen prägenden Einfluss auf die Entwicklung der Innsbrucker Universität. Außerdem war er langjähriger Landesvorsitzender der Gewerksschaftssektion für Hochschullehrer.
Der Biochemiker Prof. Peter Gröbner trat Ende September in den wohlverdienten Ruhestand.
Bild: Der Biochemiker Prof. Peter Gröbner trat Ende September in den wohlverdienten Ruhestand.

Unzählige Aktenordner haben sich in den letzten Jahrzehnten im Büro von Peter Gröbner angesammelt. Seine Forschungen, sein gewerkschaftliches Engagement, die Leitung seiner Abteilung und die Mitwirkung an der akademischen Selbstverwaltung haben Spuren hinterlassen. Nach dem Übertritt in den Ruhestand Ende September räumt der Biochemiker nun sein Büro auf und erinnert sich an bewegende Jahre an der Innsbrucker Universität.

 

Der Teilung des Zellkerns auf der Spur

 

Peter Gröbner studierte in Innsbruck Chemie. Nach seiner Promotion 1970 wurde er Assistent am Institut für Organische und Pharmazeutische Chemie der Universität Innsbruck. Er beschäftigte sich dort mit der Synthese von Stoffen, die das Zellwachstum hemmen (Zytostatika). Von 1971 bis 1973 war er als Forschungsassistent am Institut für Biologische Chemie der Universität Heidelberg. 1973 kehrte er an das neugegründete Institut für Biochemie und Experimentelle Krebsforschung in Innsbruck zurück. Dieses Institut wurde später in das Institut für Medizinische Chemie und Biochemie eingegliedert. 1981 habilitierte sich Peter Gröbner im Fach Biochemie. Den Großteil seines Forscherlebens widmete Peter Gröbner einem interessanten Modellorganismus: dem Schleimpilz Physarum polycephalum. Dieser bildet riesige Zellen mit bis zu einer Milliarde Zellkernen, die sich unter Laborbedingungen alle acht bis zehn Stunden synchron teilen. Daher eignet sich der Pilz sehr gut, um die Regulation der Kernteilung zu untersuchen. Im Speziellen interessierte sich Gröbner dabei für die Histonsynthese, die Regulation der für die DNA-Synthese notwendigen Enzyme, wie Thymidilatsynthase und Thymidinkinase. Er erforschte gemeinsam mit seinem Team auch die Aktivierung und Inaktivierung von Enzymen durch chemische Modifikationen wie Phosphorylierungen und ADP-Ribosylierungen. 1993 wurde Peter Gröbner zum Professor für Molekulare Zellbiologie und zum Leiter der gleichnamigen Abteilung am Institut für Medizinische Chemie und Biochemie ernannt. In den letzten Jahren entdeckte Gröbner seine Leidenschaft für ein sehr einfaches Molekül: das Stickstoffmonoxid (NO). Das durch die steigende Luftverschmutzung in Verruf geratende Umweltgift nimmt im lebenden Organismus eine bedeutende Rolle ein. Es ist Gröbner und seinem Team weltweit erstmals der Nachweis gelungen, dass Stickstoffmonoxid nicht nur in tierischen sondern auch in niederen Organismen ein wichtiger Mediator bei verschiedenen zellulären Abläufen ist. Seine Arbeiten mündeten in zahlreiche Veröffentlichungen in wichtigen Fachzeitschriften, darunter Nature und Genes & Development.

 

Prägender Einfluss auf die Hochschulpolitik

 

Über 20 Jahre lang war Peter Gröbner auch Tiroler Landesvorsitzender der Sektion Hochschullehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst. Daneben vertrat er sowohl den Mittelbau als auch später die Professoren im Akademischen Senat der Universität Innsbruck. 1999 wurde er für vier Jahre zum Vizerektor für Personal, Personal- und Organisationsentwicklung bestellt. In diese Zeit fiel die politische Entscheidung zur Abtrennung der Medizinischen Fakultät von der Universität Innsbruck, ein Schritt den Gröbner stets bekämpfte und über dessen Sinnhaftigkeit er auch heute noch eine klare Meinung vertritt: „Mein Traum ist die Wiedervereinigung der Innsbrucker Universitäten. Die Trennung hat nichts gebracht, außer zusätzlichen Kosten in der Verwaltung.“ Er glaubt deshalb auch, dass irgendwann die Universitäten wieder zusammengeführt werden. „Dies ist nur eine Frage der Zeit. Ob ich das freilich noch erleben werde, ist fraglich“, so Gröbner, der auf ähnliche Erfahrungen der Universitäten in Osteuropa verweist. „Dort wurden die Medizinischen Fakultäten in den 50-er Jahren abgetrennt und einige Jahrzehnte später wiedervereinigt.“

 

Peter Gröbner will jetzt den schönen Herbst genießen und auch für die eine oder andere Wanderung nutzen. Die vor ihm liegende Zeit wird er aber unter anderem seinen Enkelkindern widmen. „Im Gegensatz zur Universität spürt man bei den Kindern eine unmittelbare Dankbarkeit“, sagt Gröbner schmunzelnd. Die Forschung an seiner Sektion weiß er in guten Händen, betont er doch mit Stolz, dass sich alle seine Assistenten – sechs waren es während seiner Laufbahn –habilitiert haben. Einige von ihnen führen nun seine Forschungen über Stickstoffmonoxid weiter.

 

(cf) 

 

Links:

Sektion für Biologische Chemie der Medizinischen Universität Innsbruck