Bronzezeit zum Anfassen

Zu einem „Tag der offenen Grabung“ lud der Spezialforschungsbereich HiMAT vergangenes Wochenende die örtliche Bevölkerung und Gäste in Bartholomäberg im Montafon. Die begeisterten Besucher konnten mitverfolgen, wie Archäologen Zeugnisse der Vergangenheit aufspüren. Aber auch die bronzezeitliche Werkzeugherstellung und die typischen Speisen jener Zeit wurden präsentiert.
Einheimische und Gäste waren begeistert vom „Tag der offenen Grabung“ in Bartolomäberg im Montafon (Foto: Prof. Rüdiger Krause)
Bild: Einheimische und Gäste waren begeistert vom „Tag der offenen Grabung“ in Bartolomäberg im Montafon (Foto: Prof. Rüdiger Krause)

Ein Projekt im Rahmen des Spezialforschungsbereich HiMAT untersucht die bronzezeitliche Besiedlung und den Bergbau im Montafon. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr finden deshalb dort Grabungen statt. Die Wissenschaftler nahmen dies zum Anlass gemeinsam mit Montafon-Tourismus und dem Stand Montafon die Bevölkerung und die Gäste in Bartholomäberg zu einem „Tag der offenen Grabung“ einzuladen. Die Besucher konnten dabei die Ausgrabungen der Archäologen beobachten und die in der Bronzezeit übliche Technik des Kupfergießens kennenlernen. Die ganz kleinen Gäste durften gar selbst zu den Werkzeugen greifen und sich als Archäologen versuchen. Projektleiter Prof. Rüdiger Krause aus Frankfurt führte die Besucher zur bronzezeitlichen Siedlung am Friaga Wald. SFB-Sprecher Prof. Klaus Oeggl vom Institut für Botanik der Universität Innsbruck kredenzte bronzezeitliche Küche, wobei das Menu aus Gersten-Linseneintopf mit Speck, Süßer Hirse, Linsen in Bier und Wildschweinbraten bestand. Das Duo Jabadao sorgte mit keltisch-irischen Klängen für die passende musikalische Umrahmung. „Der Publikumsandrang war sehr groß“, berichtet Dr. Mario Prast vom Koordinationsbüro von HiMAT. „Für die beteiligten Wissenschaftler war es eine gute Gelegenheit, die Kontakte mit der lokalen Bevölkerung sowie Wirtschaft und Politik zu pflegen.“ Der Spezialforschungsbereich wird von den Gemeinden Bartholomäberg und Silbertal sowie vom Stand Montafon finanziell gefördert.

 

Interdisziplinäres Forschungsnetzwerk

In Tirol und den angrenzenden Gebieten spielte der Bergbau bereits in prähistorischen Zeiten eine bedeutende Rolle. Erze und entsprechende Erzeugnisse aus der Region wurden über weite Strecken gehandelt, und die Erzlagerstätten waren ein wichtiger Faktor für die Besiedlung des Alpenraums. Die Bergbauaktivitäten und die damit zusammenhängende Besiedlung hatten weitreichende Einflüsse. So lassen sich heute noch der früheste Anbau von Getreidepflanzen und die Abholzung von Wäldern zur Deckung des Holzbedarfs für den Bergbau anhand von Pollenprofilen nachweisen. Viele Flurnamen gehen auf bergbauliche Aktivitäten zurück. Die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen dem Bergbau und Kultur, Wirtschaft und Umwelt ist das Ziel des Spezialforschungsbereichs HiMAT, in dem Archäologen, Historiker, Sprachwissenschaftler, Ethnologen, Mineralogen, Biologen, Geographen und Ingenieurwissenschaftler zusammenarbeiten. Neben der Universität Innsbruck sind die Universitäten Basel, Frankfurt und Tübingen beteiligt sowie das Deutsche Bergbaumuseum in Bochum und das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie Mannheim.

 

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(cf)