Ein Paradebeispiel nachhaltiger Personalentwicklung

Anfang der 90er Jahre promovierte Dev Raj Adhikari aus Kathmandu nach einem 2-jährigen Aufenthalt in Innsbruck an der damaligen Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät zum Dr. rer.soc.oec. – ein Nord-Süd-Stipendium der österreichischen Bundesregierung hatte ihm diese Möglichkeit eröffnet. Nun wirkt Prof. Dr. Adhikari als Gastprofessor an der Fakultät für Betriebswirtschaft.
Prof. Adhikari (mittlere Reihe, 3.v.l.) mit den Studierenden seines Kurses
Bild: Prof. Adhikari (mittlere Reihe, 3.v.l.) mit den Studierenden seines Kurses

Das Doktoratsstudium war der Einstieg – es vermittelte Herrn Adhikari einen intensiven Kontakt mit dem mitteleuropäischen Wissenschaftssystem, den Lehr- und Forschungsusancen an der Universität Innsbruck, vor allem aber auch mit der österreichischen und der Tiroler Kultur. „Diese Jahre in Innsbruck waren für mich trotz der Trennung von meiner Familie eine fantastische Zeit“, erinnert sich Devraj, wie er inzwischen von den Institutsangehörigen mit viel Wertschätzung genannt wird. „Meine Volksschulzeit habe ich zum Teil noch im Freien unter einem großen Baum erlebt.“ Das Studium bot ihm, der aus einer nepalesischen Bauernfamilie stammt, neue Perspektiven, die er mit großer Energie verfolgte. Die positiven Erfahrungen an der Universität Innsbruck, die während des Doktoratsstudiums entstandenen Freundschaften und nicht zuletzt gemeinsame Forschungsinteressen mit Institutsangehörigen ließen ihn ein Post-Doc-Stipendium beantragen: Die zweite Innsbrucker Phase – ein einjähriger Forschungsaufenthalt von 1999 bis 2000 – war damit gesichert.

 

Es ist zwar nicht gelungen, ein in dieser Zeit entwickeltes größeres Forschungsprojekt „Improving quality of working life in Nepalese firms“ finanziert zu erhalten (die Kürzung des Entwicklungshilfebudgets der Bundesregierung erwies sich hier als zu große Hürde), dennoch führten nicht zuletzt die in dieser Phase entstandenen wissenschaftlichen Arbeiten dazu, dass Herr Adhikari an seiner Heimatuniversität in Kathmandu, der Tribhuvan University, im Jahr 2002 den recht strengen Ausleseprozess für eine Professorenstelle erfolgreich durchlief und zum Professor of Business Administration bestellt wurde. Seine zentralen Forschungsthemen kreisen um Fragen der Industrial Relations, des Human Resource Management, des Organizational Behaviour und des Strategischen Management.

 

Nun waren die Arbeitsbedingungen an der Tribhuvan University nicht immer ganz einfach, erinnert sich Herr Adhikari (übrigens in sehr gutem Deutsch; als Unterrichtssprache zieht er allerdings Englisch vor). „Es gab Zeiten, da musste die Universität aus Geldmangel für mehrere Monate geschlossen werden. Das war für die Studierenden und für das Personal eine schwierige Phase!“ Und es kam schon vor, dass er auf dem Heimflug auch einen ausrangierten Computer im Gepäck hatte ...

 

Inzwischen weist Prof. Adhikari einen breiten internationalen Background auf: Seine Vortragstätigkeit auf internationalen Konferenzen in Taiwan, Deutschland, Italien, Indien und den USA und zahlreiche Gastprofessuren an verschiedenen japanischen Universitäten, in Südkorea, in Kanada, den Philippinen, in Peru und in Innsbruck sind ein überzeugender Beweis dafür, wie sehr er die ihm vor nahezu 20 Jahren gebotene Chance genutzt hat. Mittlerweile fördert er schon seine PhD-Studierenden auf dem Weg nach Österreich. „Ich sehe hier eine Verpflichtung, unseren wissenschaftlichen Nachwuchs so zu unterstützen, wie ich von der Universität Innsbruck unterstützt wurde. Hierfür werde ich immer dankbar sein.“

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