Hochrangiges Expertentreffen zur Simulation des ITER-Plasmas

In der Woche 5.-9. Mai trafen sich im Haus der Begegnung in Innsbruck 20 der besten Fachleute Europas auf dem Gebiete der numerischen Simulation von Fusionsplasmen zu einer „ITER Scenario Modelling Working Session“.
 Die Teilnehmer an der ITER Scenario Modelling Working Session in Innsbruck. In der unteren Reihe u. a. Prof. Dr. Vassili Parail (2. v. l.), ao. Univ.-Prof. Dr. Siegbert Kuhn (3. v. r.), der als Beobachter teilnehmende Innsbrucker Plasmaphysik-Dissertant Mag. Josef Seebacher (2. v. r.) und  Dr. David Tskhakaya (ganz  rechts). Oberste Reihe, Mitte: DI Florian Köchl.
Bild: Die Teilnehmer an der ITER Scenario Modelling Working Session in Innsbruck. In der unteren Reihe u. a. Prof. Dr. Vassili Parail (2. v. l.), ao. Univ.-Prof. Dr. Siegbert Kuhn (3. v. r.), der als Beobachter teilnehmende Innsbrucker Plasmaphysik-Dissertant Mag. Josef Seebacher (2. v. r.) und Dr. David Tskhakaya (ganz rechts). Oberste Reihe, Mitte: DI Florian Köchl.

Ziel des Treffens war es, wichtige aktuelle Fragen im Zusammenhang mit ITER dem multinationalen Großprojekt zur Realisierung der kontrollierten Kernfusion, zu diskutieren und zu klären. Wissenschaftlicher Leiter des Treffens war Prof. Dr. Vassili Parail vom Joint European Torus (JET) in England, die örtliche Organisation erfolgte durch Prof. Dr. Siegbert Kuhn von der Arbeitsgruppe Plasma- und Energiephysik am Institut für Theoretische Physik und seine Mitarbeiter. Unter den hochkarätigen Plasmasimulationsexperten war Österreich durch Dr. David Tskhakaya (Innsbruck) und DI Florian Köchl (TU Wien) vertreten.

 

 

Das Innsbrucker Arbeitstreffen fand im Rahmen der europäischen „Integrated Tokamak Modelling Task Force“ statt, deren mittelfristiges Ziel die Entwicklung eines integrierten Computerprogramms zur globalen Simulation von Fusionsreaktoren vom Tokamak-Typ (insbesondere ITER) ist.

 

 

Das Fusionsexperiment ITER wird von über der Hälfte der Weltbevölkerung getragen und soll etwa um 2018 in Cadarache, Frankreich, in Betrieb gehen. Allgemein erwartet man sich von der kontrollierten Kernfusion eine praktisch unerschöpfliche und gut umweltverträgliche Energiequelle, die in etwa 40 bis 50 Jahren kommerziell zur Verfügung stehen könnte. In Österreich wird die Kernfusionsforschung durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften im Rahmen der Assoziation Euratom-ÖAW koordiniert.

 

 

Um das äußerst komplexe und teure ITER-Experiment optimal planen zu können, sind schon im Vorfeld umfangreiche Simulationen des Plasmaverhaltens erforderlich. Speziell untersuchten die in Innsbruck versammelten Experten mit ihren Computersimulationen verschiedene aktuelle Probleme des Randschicht- und Kernplasmas sowie der Verunreinigungsdynamik in ITER. In den meisten Fällen lieferten verschiedene Programme übereinstimmende Ergebnisse, doch gab es auch Ausnahmen: Vor allem zeigten stark voneinander abweichende Ergebnisse für die Anfangsphase der ITER-Entladung, dass noch viel Entwicklungsarbeit erforderlich ist, um zu verlässlichen integrierten Simulationen für ITER zu gelangen. Das Arbeitstreffen wurde von Prof. Parail als „sehr produktiv“ eingeschätzt.

 

Text: Siegbert Kuhn