Bildung in Österreich

„Bildung in Österreich: Bildung und der Markt aus ökonomischer Sicht“ so der Titel der Abschlussveranstaltung des Bildungsschwerpunktes den das Zukunftszentrum Tirol in Kooperation mit Wissenschaft und Verantwortlichkeit im Sommersemester 2008 organisierte. Mit Gudrun Biffl vom WIFO konnte eine renommierte Expertin in Bildungsfragen als Vortragende gewonnen werden.
Gudrun Biffl
Bild: Gudrun Biffl

Mit dem Übergang in die Wissensgesellschaft habe sich die Bedeutung der Bildung stark gewandelt. Zuvor wäre es für die breite Masse der Bevölkerung ausreichend gewesen, ein Wissen über einfache Produktionsprozesse zu haben, das in der industriellen Fertigung eingesetzt worden wäre. Eine hohe Bildung wäre zuvor ein soziales Statussymbol gewesen, das nur wenigen Eliten zugänglich gewesen wäre. Mit steigenden Anforderungen des Wirtschaftslebens wäre aber eine Verbreiterung und einfachere Zugänglichkeit von höherer Bildung notwendig gewesen. Aus dieser ökonomischen Notwendigkeit heraus, hätte auch die Bildung ihren Charakter geändert: sie wäre ein Investitionsgut geworden. „Ab einem gewissen Entwicklungsstand einer Ökonomie sind Produktivitätssteigerungen nur mehr über Spezialisierungen zu erreichen. Dies macht Bildung zu dem zentralen Faktor in einer Wirtschaft.“

 

Bildung wäre, so Biffl, generell ein sehr komplexes Gut. Sie ist einerseits ein Konsumgut, da sie der Befriedigung von Neugier und persönlichem Interesse und dem Verständnis der Welt dient. Sie ist aber auch ein Investitionsgut, weil Höherqualifizierung die Beschäftigungs- und Einkommenschancen des Individuums verbessert und es einen direkten und messbaren Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand einer Bevölkerung und der Produktivität gibt. Gudrun Biffl, die im Herbst an die Donau-Universität Krems wechseln wird, betonte aber auch die Rolle der Bildung in der Wertevermittlung. „Bildung ist eine Möglichkeit, Konflikte in einer Gesellschaft zu mildern. Menschen mit unterschiedlichen Herkünften und Lebenswegen erkennen einander an und lernen, sich zu verstehen.“ Bildung komme daher eine zentrale Rolle in der Erhaltung des sozialen Friedens zu. Dies habe direkte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft, da in einer friedlichen Gesellschaft wirtschaftliche Transaktionen einfacher und damit auch effizienter organisiert werden könnten.

 

Was getan werden müsse, betonte Gudrun Biffl, wäre ein rechtlicher Anspruch auf ein bestimmtes Bildungsniveau, wie z.B. ein Anspruch auf Matura, wie er etwa in den nordischen Ländern und in den Niederlanden besteht. Menschen, welche beispielsweise nach dem Hauptschulabschluss auf den Arbeitsmarkt gingen und in weiterer Folge eine höhere Bildung anstrebten, dürften finanziell von der Gesellschaft nicht allein gelassen werden. Allein das Nachholen der Berufsreifeprüfung sei teurer als ein Universitätsabschluss.

Mag. Armin Erger

 

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