Glaziologie in 78°Nord

Mit Unterstützung des Forschungsschwerpunktes Klima & Kryosphäre der Universität Innsbruck besuchten Jakob Abermann und Marc Olefs, beide Doktoranden am Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck (Fachgebiet Gletscherkunde) von 12. Februar bis 17.März einen Glaziologiekurs am Universitätszentrum Svalbard (UNIS) im Ort Longyearbyen in Spitzbergen.
Jakob Abermann und Marc Olefs (v.l.) in Longyearbyen, Spitzbergen.
Bild: Jakob Abermann und Marc Olefs (v.l.) in Longyearbyen, Spitzbergen.

UNIS ist mit 78°N das nördlichste Universitätszentrum der Welt und ist ein Ableger der norwegischen Universitäten Bergen, Tromso, Trondheim und Oslo. Die universitäre Forschung und Ausbildung in arktischen Wissenschaften und Technologien ist Hauptziel von UNIS. Die Lage prädestiniert UNIS als Forschungsort für arktische Studien.

 

Mit einer Gletscherfläche von ca. 37000 km² (Vergleich Österreich: 450 km²), einer Vergletscherung von 60 % und zahlreicher Fjorde mit Meereis im Winter bildet die Inselgruppe Svalbard (die größte Insel heißt Spitzbergen) ein außerordentliches Forschungslaboratorium für Glaziologen aus aller Welt. Das bessere Verständnis für die Mechanismen und Reaktionen arktischer Gletscher auf die derzeit beobachtete Klimaänderung ist eine der Kernherausforderungen der modernen Glaziologie. In Svalbard gibt es beispielsweise zahlreiche Gletscher die ohne Vorwarnung plötzliche drastische Vorstöße verzeichnen (engl. Surges). Das genaue Verständnis für diese hochdynamischen Vorgänge liegt großteils noch im Verborgenen, wenngleich seine Bedeutung von höchster Dringlichkeit ist. So kann ein besseres Verständnis der Eisdynamik auch dazu beitragen, beobachtete Geschwindigkeitsänderungen des grönländischen Eisschildes besser zu interpretieren. Die letzten Prognosen des Weltklimarates (IPCC) im Jahr 2007 vernachlässigen nämlich jeglichen Einfluss einer sich rasch ändernden Gletscherdynamik auf den globalen Meeresspiegelanstieg. Da sich die Arktis in den letzten Jahrzehnten besonders empfindlich in Zusammenhang mit der beobachteten Erderwärmung zeigt, ist der dortige zukünftige Trend von besonderer Wichtigkeit. Dieser verstärkte Temperaturanstieg und seine Auswirkungen auf die Entwicklung der Gletscher kann in Spitzbergen exemplarisch gut studiert werden.

 

Neben theoretischen Grundlagen lieferte der 4-Wöchige Fortbildungskurs, der von Doktoranden aus aller Welt besucht wurde, den Innsbrucker Meteorologen auch praktische Einblicke in die arktische Wildnis. Der Besuch kalbender Gletscherfronten und Eishöhlen erforderte meist einige eisige Stunden Anfahrt per Skidoo. Daneben blieb auch etwas Zeit für z.B. Skitouren - bei bis zu -28°C Lufttemperatur, die durch den Wind schnell in gefühlte -40°C bis -50°C wechseln - ein extremes Erlebnis. Zudem zwingt die Präsenz von Eisbären einen ständig wachsamen Blick ins Umfeld und die Mitnahme von Zusatzgepäck. Eine Schusswaffe und Signalpistole sind das Minimum-Sicherheitsgepäck beim Verlassen der unmittelbaren Infrastruktur des Ortes. So wird Skibergsteigen zum Biathlon, und die Waffe schon mal teilgeladen, wenn das Gelände unübersichtlich wird.

 

„Alles in Allem eine unvergessliche Zeit für jeden von uns, unglaublich intensive, lehrreiche und wunderschöne Tage in der arktischen Wildnis - nicht zu vergessen die Polarlichter“, so Mark Olefs und Jakob Abermann abschließend.

 
Zu den Personen:

Jakob Abermann, geboren am 19.12.1981 in Rum, studierte von Oktober 2001 bis Juni 2006 Meteorologie and der Universität Innsbruck mit Schwerpunkt Glaziologie. Seine Doktorarbeit beschäftigt sich mit der Auswertung des Österreichischen Gletscherinventars und seiner Aktualisierung mit hochaufgelösten Laserscanningdaten zum besseren Verständnis des Ostalpinen Gletscherschwundes und seinen klimatischen Zusammenhängen.

 

Marc Olefs, geboren am 14.08.1979 in Freiburg im Breisgau, Deutschland, studierte von Okt 1999 bis April 2005 Meteorologie an der Universität Innsbruck ebenfalls mit Schwerpunkt Glaziologie. In seiner Doktorarbeit untersucht er technische Maßnahmen um die Massenbilanz von Schnee und Eis innerhalb von Gletscherskigebieten lokal künstlich zu erhöhen.

Text: Abermann/ Olefs