Weitere Auszeichnung für Geographie-Masterarbeit

Für ihre Masterarbeit „Seilbahnunternehmen – Verantwortlich für die Region? Eine differenzierte Betrachtung von Skigebieten in Tirol und der Entwurf einer Corporate Regional Responsibility“ am Institut für Geographie erhält Verena Schröder den Förderungspreis der Österreichischen Geographischen Gesellschaft und damit nach dem Graf-Chotek-Hochschulpreis 2015 die zweite Auszeichnung.
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Bild: Verena Schröder hat für ihre Arbeit nun schon den zweiten Preis erhalten.

Wie nehmen Skigebietsbetreiber ihrer Region gegenüber Verantwortung wahr und wie lassen sich entsprechende Aktivitäten an den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und Soziales – festmachen? Mit dieser Frage und noch einigen mehr hat sich Verena Schröder im Rahmen ihrer Masterarbeit befasst und ist dabei auf zahlreiche neue und interessante Erkenntnisse gestoßen. Am 14. Dezember 2015 im Rahmen einer feierlichen Verleihung in Wien erhielt sie hierfür den Förderungspreis der Österreichischen Geographischen Gesellschaft. Der Preis wird alljährlich vergeben und ist österreichweit die höchste Auszeichnung für Masterarbeiten im Fachbereich Geographie.

Nicht „die eine Seilbahnwirtschaft“

Vor dem konzeptionellen Hintergrund einer Corporate Regional Responsibility (CRR) zeigt die Geographin auf, dass Seilbahnunternehmen in Tirol sowohl in thematischer als auch in räumlicher Hinsicht ein differenziertes Verständnis von Verantwortung haben. Während ein Teil der 34 untersuchten Unternehmen regionale Verantwortung in erster Linie mit der Reinvestition der Gewinne im eigenen Skigebiet in Verbindung setzt, verstehen andere darunter die bewusste Vergabe von Aufträgen an heimische Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe, Investitionen in das öffentliche Skibussystem, die Zusammenarbeit mit regionalen Landwirten oder die Unterstützung von Vereinen und gemeinnützigen Organisationen. Solche Maßnahmen tragen zur Verbesserung des Betriebsergebnisses bei und sichern die gesellschaftliche Akzeptanz der Unternehmen, sie bewirken gleichzeitig aber auch positive Effekte für die Gesellschaft und die Region. Ebenfalls definieren die Betriebe den Raum, für den sie sich verantwortlich fühlen, recht unterschiedlich. Für einige endet der Verantwortungsbereich an den Grenzen des eigenen Skigebiets, bei anderen an der örtlichen Gemeinde, und wieder andere fühlen sich für mehrere Gemeinden oder ein gesamtes Tal verantwortlich. In Tirol kann folglich nicht von „der einen Seilbahnwirtschaft“ gesprochen werden, auch wenn dies von den Medien häufig suggeriert wird.

Von schwach bis stark regional verantwortungsbewusst

Ein entworfenes CRR-Tool – basierend auf international anerkannten Verantwortungs- und Nachhaltigkeitsindikatoren und angepasst an die spezifischen Gegebenheiten sowie Herausforderungen der Seilbahnbranche – diente als Grundlage für die Analyse, die Messung und den Vergleich regionaler Verantwortung von Seilbahnunternehmen. Interessanterweise zeigte sich, dass einige Bergbahnen eine Reihe von Verantwortungskriterien positiv erfüllen, entsprechende Aktivitäten allerdings nicht nach außen tragen. Maßnahmen wie z.B. der Rückbau alter Liftanlagen, die Renaturierung von Flächen, Energieeinsparung, die Nutzung regenerativer Energien oder die bevorzugte Abnahme regionaler Produkte werden von einigen Skigebietsbetreibern umgesetzt, spielen in der Kommunikation jedoch eine sehr stark untergeordnete Rolle. CRR-Kriterien, innerhalb derer viele Betriebe Verbesserungspotenzial haben, sind u.a. Landschaftsästhetik und damit in Verbindung der Abbau und/oder die Abdeckung künstlicher Schneeerzeuger im Sommer sowie die Eingliederung der Stationsgebäude in die Landschaft. Ebenfalls und im Sinne einer zukunftsfähigen Unternehmensführung bedarf es innovativere Maßnahmen in der Klimawandelanpassung, der Förderung des Ganzjahrestourismus und alternative Angebote zum Skifahren. Vor allem im Bereich des Mountainbike- und Radtourismus scheint das vorhandene Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Des Weiteren benötigt es der Schaffung von Anreizen und intensiveren Bewusstseinsbildung für die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Maßnahmen in der Umweltbildung und der Kooperation mit Schutzgebieten, mehr Transparenz in der Geschäftstätigkeit und dem Verbrauch von Energie und ökologischen Ressourcen sowie an Initiativen für die Attraktivitätssteigerung und Wertschätzung touristischer Berufe.

Angesichts der gewonnen Erkenntnis, dass von den untersuchten Bergbahnen insgesamt zehn ein starkes regionales Verantwortungsbewusstsein haben, sechs als schwach einzustufen sind und 18 im Mittelfeld liegen, sind es die Unternehmen selbst, die ihrem gesellschaftlichen und ökologischen Engagement Sichtbarkeit geben müssen. Gerade in einer Zeit, in der Themen wie Regionalität und ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen an Bedeutung gewinnen, die Menschen angesichts der Klimawandeldiskussion zunehmend sensibilisiert werden und die Akzeptanz der Seilbahnen vor allem in den Zentralräumen immer mehr abnimmt, reichen Angaben über technologische Innovationen, neue Infrastrukturen und gestiegene Förderkapazitäten nicht mehr aus.

Start-up regionalverantwortlich

Die Forschungsergebnisse haben die Preisträgerin und zwei weitere Geographen motiviert, das Thema Corporate Regional Responsibility weiter zu verfolgen. Mit ihrem Start-up regionalverantwortlich beraten sie Skigebiete hinsichtlich Unternehmensverantwortung. Ziel ist es den Zusammenhang zwischen Seilbahnunternehmen und Region differenziert aufzuarbeiten und sich gemeinsam mit den Unternehmen aktuellen Themen wie Klimawandelanpassung, Nachhaltigkeit und veränderten Erwartungshaltungen der Gäste und der Einheimischen zu widmen.

(red)