Die Entdeckung der Onkogene

Anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums blickt das Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences auf wegweisende wissenschaftliche Entwicklungen der Vergangenheit zurück. In einem aktuellen Beitrag beschreibt der Innsbrucker Biochemiker Klaus Bister die Entdeckung der Onkogene, die er hautnah miterlebt hat.
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Bild: Mitentdecker des Onkogens Myc: Emeritus Klaus Bister

Von 1975 bis 1981 war Prof. Klaus Bister als Postdoktorand unter anderem in den Forschungsgruppen der deutschstämmigen Biowissenschaftler Peter Vogt und Peter Duesberg in Los Angeles und Berkeley tätig. Der heutige Emeritus am Institut für Biochemie der Uni Innsbruck stand damit auch im Mittelpunkt eines großen wissenschaftlichen Durchbruchs: der Entdeckung der Onkogene. Das sind Teile des Erbguts einer Zelle, die den Übergang vom normalen Wachstum der Zelle zu ungebremstem Tumorwachstum fördern. Anfang der 1970er-Jahre definierten Peter Vogt und Peter Duesberg das virale Genomsegment, das für diese Tumorerzeugung notwendig ist, und entdeckten damit das erste retrovirale Onkogen, src. Die Arbeiten an Mutanten des Rous-Sarkom-Virus ermöglichten es den Amerikanern Michael Bishop und Harold Varmus, den zellulären Ursprung aller Onkogene nachzuweisen. Durch die weitreichenden Studien an Geflügel-Retroviren entdeckte Vogt mit seiner Arbeitsgruppe auch weitere Onkogene, die heute in menschlichen Krebserkrankungen eine wichtige Rolle spielen, darunter auch Myc, das er zusammen mit Klaus Bister und Peter Duesberg nachgewiesen hat. Nun hat Klaus Bister im Auftrag der Herausgeber zum 100-jährigen Bestehen des renommierten Fachmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) einen Überblicksartikel über diese Entwicklungen verfasst.

(Christian Flatz)