Schi fahren trotz Klimawandel?

„Klimawandel und Alpintourismus – Bedrohung und/oder Chance?“, das war der Titel einer Veranstaltung, die am 9.12. im Landhaus im Rahmen der Reihe „AlpenForum“ stattfand. Nicht minder intensiv als bei der COP21 in Paris wurde hier nachgedacht, diskutiert und analysiert, wie sich Alpintourismus-Regionen wie Tirol auf die Folgen des Klimawandels einstellen können.
v.r.n.l.: Landeshauptmann Günther Platter, Rektor Tilmann Märk und Honorarkonsul Franz Pegger lauschen gespannt den Ausführungen von Botschafter Pascal Teixeira da Silva
Bild: v.r.n.l.: Landeshauptmann Günther Platter, Rektor Tilmann Märk und Honorarkonsul Franz Pegger lauschen gespannt den Ausführungen von Botschafter Pascal Teixeira da Silva (Foto: Ursula Schwarzl)

Wird man sich vom Schifahrer als Standardgast verabschieden müssen, und womit wird man dieses Segment, das ähnlich wie die Gletscher dauerhaft abzuschmelzen droht, mittelfristig ersetzen bzw. ergänzen können? Ist ein Winterurlaub ohne Schneedecke vorstellbar, oder wählt der Gast dann lieber gleich eine südlichere Destination? Unter welchen Bedingungen und wie lange können Schneekanonen die Lösung sein? Oder sollte man sich so rasch wie möglich Alternativen einfallen lassen, vom meditativen Natur-Erlebnis über das Bergbauern-Spielen bis zum Abenteuerurlaub im Fels?

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom „AlpenForum“-Konsortium, in dem sich das Institut français d‘Autriche, die Alpenkonvention, das Forschungszentrum AlpS und die Universität Innsbruck mit ihrem Forschungschwerpunkt „Alpiner Raum - Mensch und Umwelt“ sowie ihrem Frankreich-Schwerpunkt zusammengetan haben, um öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen zum Klimawandel im Alpenraum, am Schnittpunkt von Wissenschaft und Politik, zu organisieren. Die beiden ersten „AlpenForum“-Veranstaltungen hatten den Naturrisiken und der Energiepolitik gegolten; bei der dritten Diskussionsveranstaltung ging es nun um Tourismus, und speziell zu diesem Thema hatte sich das Land Tirol den OrganisatorInnen angeschlossen. Landeshauptmann Günther Platter übernahm denn auch, gemeinsam mit dem französischen Botschafter Pascal Teixeira da Silva und Rektor Tilmann Märk, die Begrüßung der Anwesenden.

Außerdem hatte sich diesmal auch die Tourismusschule „Villa Blanka“ eingeklinkt, deren SchülerInnen in einer dramatisierten Schulstunde die Themen rund um den Klimawandel im Alpenraum anrissen und in plakativer Weise mögliche Standpunkte aufzeigten. Moderator Axel Klemmer konnte so unmittelbar zum Impulsreferat von Thomas Bausch (Professor für Tourismus an der Hochschule München) überleiten, der, selbst zugegebenermaßen begeisterter Schifahrer, anhand einer Studie zeigte, dass Wintersport als Urlaubsmotivation in den Alpenregionen auf dem Rückzug sei. Wichtig sei den potentiellen Gästen allerdings die weihnachtliche Stimmung mit Schnee und heiler Alpenwelt, auf die man stärker setzen sollte – solange der Winter trotz Klimawandel noch eine durchgehende Schneedecke beschere.

Es folgte eine Podiumsdiskussion mit Prof. Bausch, Thomas Brandl von der Tirol Werbung, René Föger von einem auf Nachhaltigkeit setzenden Familienhotel sowie Jean-Michel Bouteillé als Vertreter der französischen Stadt Chamonix, die ähnliche Herausforderungen vor allem im Verkehrsbereich bewältigen muss wie Tirol und die gezielt auf umweltfreundliche Lösungen setzt. Klimaschutz und Nachhaltigkeit fanden auf dem Podium einen breiten Konsens; doch als das Publikum mitdiskutieren durfte, kam es dann doch zu einigen Kontroversen bezüglich der Bedeutung des Schitourismus und der Kosten des Klimaschutzes. Nur über eines waren sich alle Anwesenden einig: Ganz subjektiv und persönlich gesehen ist und bleibt für sie Schifahren das ultimative Wintervergnügen!

(Eva Lavric)